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"VIVRE NOTRE TEMPS!" - BONNARD, VALLOTTON UND DIE NABIS

"VIVRE NOTRE TEMPS!" - BONNARD, VALLOTTON UND DIE NABIS

13.05.2022 Ausstellung im Kunstmuseum Bern, bis am 16. Oktober 2022


Bild oben: Édouard Vuillard, Roses rouges et étoffes sur une table, 1900/1901, Öl auf Karton, 56 x 66 cm, Villa Flora, Winterthur, Dauerleihgabe an die Hahnloser/Jaeggli Stiftung

Die 1888 gegründete Gruppe der Nabis um die Künstler Pierre Bonnard, Maurice Denis, Félix Vallotton und Édouard Vuillard steht sinnbildlich für die Anfänge der modernen Kunst. Die Abschiedsausstellung der Sammlung Hahnloser/Jaeggli im Kunstmuseum Bern zeigt die prominenteste Werke der Maler dieser mutigen Bewegung und veranschaulicht ihre vielfältigen Bezüge zu Paul Gauguin und Odilon Redon.

"Es ist gut, sich daran zu erinnern, dass ein Gemälde, bevor es ein Schlachtpferd, eine nackte Frau oder irgendeine Anekdote ist, im Wesentlichen eine flache Oberfläche ist, die mit Farben bestrichen ist, die in einer bestimmten Reihenfolge aufgetragen wurden."

Maurice Denis

Propheten und Eingeweihte

Der Name der Gruppe Nabis leitet sich vom hebräischen Begriff nebiim für "Propheten" oder "Eingeweihte" ab - laut Paul Gauguin die Bestimmung eines jeden wahren Künstlers. Dem entspricht auch der Titel der Ausstellung, "Vivre notre temps!", der aus einer Aufzeichnung der Sammlerin Hedy Hahnloser stammt. Sie äussert darin die Überzeugung, dass nur durch den Austausch mit Kunstschaffenden und kreativen ZeitgenossInnen die Bedeutung und die Ziele der eigenen Generation besser verstanden und in der eigenen Zeit Spuren hinterlassen werden können.

Die Abschiedsausstellung der Sammlung Hahnloser/Jaeggli im Kunstmuseum Bern ist dieser schnelllebigen und prägenden Künstlergruppe gewidmet. Obwohl die Nabis weder ein einheitlicher Stil, noch eine einheitliche Technik oder Entwicklung verbindet, gründen ihre Darstellungen auf denselben revolutionären Ideen dieser Umbruchszeit am Übergang zum 20. Jahrhundert, die jedes Mitglied der Gruppe nachhaltig geprägt haben. Und es zeigt sich eine faszinierende doppelte Verwurzelung: unbestritten in Paul Gauguin und subtiler in Odilon Redon.

 Pierre Bonnard Les oranges ou Le compotier aux oranges, um 1912

Bild: Pierre Bonnard, Les oranges ou Le compotier aux oranges, um 1912, Öl auf Leinwand, 68 x 45 cm, Kunstmuseum Bern, Dauerleihgabe Hahnloser/Jaeggli Stiftung

Intime Orte: Spannung zwischen Motiv und künstlerischer Darstellung

Einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden die "intimen Orte" als Inspirationsquellen und Motive der Nabis. An ihnen lassen sich besonders deutlich die für den Beginn der Moderne prägenden Spannungen zwischen Altem und Neuem, zwischen Gegenstand und Farbfläche und zwischen Mimesis und Experiment aufzeigen.

Im Gegensatz zu den ImpressionistInnen waren die Nabis nicht daran interessiert, das pulsierende Leben der Grossstadt mit ihren dicht bevölkerten Boulevards und den von Leben erfüllten Plätzen und Parks darzustellen, sondern richteten den Blick auf ihre nächste Umgebung, zeigten Figuren in "intimen Räumen" mit "lokalem Flair", Landschaften, Alltagssituationen und Stillleben.

Meistens treten ihre Figuren in häuslichen Situationen in Erscheinung, sei es in ungestörten Momenten im Ankleidezimmer oder im Schlafzimmer, Esszimmer oder Salon, auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten hinter dem Haus. Obwohl die Nabis mit diesen klassischen Motiven arbeiteten, strahlen ihre Werke etwas Unbekanntes, Unfassbares aus und wirken wenig naturalistisch.

Vielmehr erforschte die Gruppe an ihnen neue Darstellungsformen und eine neue Wahrnehmung von Altbekanntem. Es dominieren monochrome Farbflächen und eine radikale Reduktion; oft fehlen erzählerische Komponenten und die Grenzen zwischen Porträt und Stillleben verlaufen fliessend. Die Figuren besetzen den Raum nicht als Subjekte, sondern verschmelzen mit ihm.

"Immer heisst es, man müsse sich der Natur unterordnen. Manchmal muss man sich dem Bild unterordnen."

Pierre Bonnard

Mit ihren Ideen und neuen Formen der Darstellung ebneten die Nabis den Weg für die moderne Kunst, in der es nicht mehr darum ging, Dinge naturgetreu umzusetzen, sondern sie zu komplizieren.

In der Gegenüberstellung von Werken der Nabis mit Werken ihrer wichtigsten Vorbilder Paul Gauguin und Odilon Redon verdeutlicht die Ausstellung ihre vielseitige Verwurzelung in diesen beiden wichtigen Künstlern und hält den Moment fest, in dem das künstlerische Vokabular neu bewertet wurde.

kmb

Kuratorin: Marta Dziewaska

Kuratorische Assistenz: Livia Wermuth

Kontakt:

https://www.kunstmuseumbern.ch/de/

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Félix Vallotton La charrette, 1911

Bild: Félix Vallotton, La charrette, 1911, Öl auf Leinwand, 101 x 74 cm, Kunstmuseum Bern, Dauerleihgabe Hahnloser/Jaeggli Stiftung

 

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