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7. Oktober 2011

Immaterielles Kulturerbe der Schweiz: Die Liste der lebendigen Traditionen liegt vor

Die Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz ist ab sofort unter www.bak.admin.ch/lebendigetraditionen abrufbar. Sie enthält bedeutende Formen des immateriellen Kulturerbes, die von Fachleuten und Vertretern der kantonalen Kulturstellen unter der Leitung des Bundesamtes für Kultur ausgewählt wurden. Die Liste gibt einen Einblick in den kulturellen Reichtum der Schweiz. Bei der aktuellen Auswahl liegt der Schwerpunkt auf dem Brauchtum. Im Frühjahr 2012 wird die Liste als Web-Inventar mit umfassender Dokumentation veröffentlicht.

Auch auf der Liste: der Berner Zibelemärit – Foto: berninfo

Ende Mai 2011 präsentierte das Bundesamt für Kultur die 387 lebendigen Traditionen, die von den kantonalen Kulturstellen für eine Einschreibung in eine nationale Liste vorgeschlagen worden waren. Die Liste enthält Traditionen aus den Bereichen Musik, Tanz, Theater, Brauchtum, Handwerk, Industrie und Wissen im Umgang mit der Natur, denen in der Schweiz lokal, regional und national besondere Bedeutung zukommt. Zur Erstellung dieser Liste hat sich die Schweiz mit der Ratifizierung des UNESCO-Übereinkommens zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes verpflichtet. Für die Einschreibung wurden nun 167 lebendige Traditionen ausgewählt.

Lebendige Traditionen aus allen Regionen und Bereichen

Die Vorschläge der kantonalen Kulturstellen wurden von einer Steuerungsgruppe unter der Leitung des Bundesamtes für Kultur geprüft und bewertet. Der Steuerungsgruppe gehörten Vertreterinnen und Vertreter des Bundes, der Kantone, der Schweizerischen UNESCO-Kommission, der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia sowie wissenschaftliche Fachpersonen an.

Die Auswahl wurde von intensiven Debatten begleitet: Was sind lebendige Traditionen in der Schweiz? Welches kulturelle Bild der Schweiz soll die Liste vermitteln? Wie kann sie der kulturellen Vielfalt der Schweiz gerecht werden?

Die Steuerungsgruppe achtete besonders auf die ausgewogene Präsenz von lebendigen Traditionen aus allen Regionen und aus allen Bereichen des immateriellen Kulturerbes. Weiter werden Traditionen mit nationaler oder überregionaler Ausstrahlung primär in ihren lokalen oder regionalen Verankerungen und Varianten erfasst, so wie es der föderalistischen Struktur des Landes entspricht.

Brauchtum als zentrales Thema

In der nun vorliegenden Auswahl liegt ein Schwerpunkt auf dem Brauchtum. Dies zeigt, dass immaterielles Kulturerbe vor allem mit Beständigkeit in Verbindung gebracht wird, aber auch mit der Bedeutung von Ritualen und der Sinnlichkeit von Festen. Hingegen sind Traditionen, die zum Alltag gehören – solche des urbanen und industriellen Lebens und solche, die aufgrund von Mobilität und Migration hier gepflegt werden – in der Auswahl nur vereinzelt zu finden. Auch handwerkliches, technisches und überhaupt sachliches Wissen und Können, das sich oft nicht lokal verorten lässt, ist noch nicht hinreichend vertreten. Die Liste ist jedoch als Beginn eines Prozesses, nicht als dessen Abschluss zu verstehen. Sie kann in Zukunft erweitert und ergänzt werden.

Nächste Schritte

Gegenwärtig bereiten Fachpersonen im Auftrag der kantonalen Kulturstellen die Dokumentationen zu den ausgewählten 167 lebendigen Traditionen vor. Sie sollen einer breiten Öffentlichkeit einen Einblick in den kulturellen Reichtum in der Schweiz geben und das Augenmerk auf die Bedeutung von kulturellen Traditionen in modernen Gesellschaften lenken. Im Frühjahr 2012 wird die Liste als Web-Inventar mit umfassender Dokumentation im Rahmen einer Medienkonferenz veröffentlicht.

Schwerpunkt der Kulturförderung des Bundes 2012-2015

Die Erstellung der Liste steht im Kontext des Schwerpunkts «Lebendige Traditionen» in der Kulturförderung des Bundes. Mit verschiedenen Projekten beleuchten das Bundesamt für Kultur, die Stiftung Pro Helvetia, die Schweizerische Nationalbibliothek und das Schweizerische Nationalmuseum die Bedeutung regionaler und traditioneller Kulturformen für das gesellschaftliche und künstlerische Leben in der Schweiz.

UNESCO-Übereinkommen zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes

Die Schweiz verpflichtete sich 2008 mit dem Beitritt zur UNESCO-Konvention zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes dazu, ein Inventar des immateriellen Kulturerbes in der Schweiz zu erarbeiten und zu führen. Ziel der Inventarisierung ist es, die Anerkennung, Aufwertung und Bewahrung des immateriellen Kulturerbes zu fördern. Die Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz ist eine Voraussetzung für die Nominierung von lebendigen Traditionen für die internationalen UNESCO-Listen des immateriellen Kulturerbes. Das Bundesamt für Kultur informiert im Frühjahr 2012 über das weitere Vorgehen.

Weitere Informationen und Links

Informationen und die Medienmitteilungen «Immaterielles Kulturerbe Schweiz: Vorschläge für die Liste der lebendigen Traditionen liegen vor» sowie «Die Schweiz erfasst ihre lebendigen Traditionen» des Bundesamtes für Kultur:

www.bak.admin.ch/lebendigetraditionen

UNESCO-Listen des immateriellen Kulturerbes:

www.unesco.org/culture/ich

Tagung «Immaterielles Kulturerbe und Tourismus», 27.10.2011, Hochschule Luzern, Luzern:

www.hslu.ch/immaterielles-kulturerbe

Auskünfte zu den kantonalen Teilprojekten

AG-SO:
Karin Janz, Projektverantwortliche, 061 361 20 75, karin.janz@immaterielleskulturerbe-ag-so.ch

BE:

Michel Wyss, Amt für Kultur, 031 633 85 44, michel.wyss@erz.be.ch (ab 24. Oktober 2011)

BS-BL:

Bernadette Hauert, Amt für Kultur BL, 061 552 50 70, bernadette.hauert@bl.ch

FR:

Isabelle Raboud-Schüle, Musée gruérien, 026 916 10 10, isabelle.raboud@musee-gruerien.ch

GE:

Marcus Gentinetta, Service cantonal de la culture, 022 546 66 77, marcus.gentinetta@etat.ge.ch

JU:

Michel Hauser, Office de la culture, 032 420 84 00, michel.hauser@jura.ch

Ostschweiz (ZH-GL-SH-AI-AR-SG-TG-GR):

Roland Inauen, Kulturamt AI / Museum Appenzell, 071 788 93 32, roland.inauen@ed.ai.ch

NE:

Thierry Christ, Service des affaires culturelles, 032 889 69 00, Thierry.Christ@ne.ch

TI:

Giovanna Ceccarelli, Centro di dialettologia e di etnografia, 091 814 14 64, giovanna.ceccarelli@ti.ch

VD:

Sophie Donche-Gay, Service des affaires culturelles, 021 316 07 42, sophie.donche-gay@vd.ch

VS:

Thomas Antonietti, Musée d’histoire du Valais, Sion / Lötschentaler Museum, Kippel, 027 606 46 70, thomas.antonietti@admin.vs.ch

Zentralschweiz (UR-SZ-OW-NW-ZG-LU):

Marius Risi, Projektleiter, 076 418 55 77, marius.risi@kulturforschung.ch
Josef Schuler, Kulturförderung Kanton Uri, 079 627 88 75, josef.schuler@ur.ch

—

Adressen für Rückfragen:

David Vitali, Leiter a.i. Sektion Kultur und Gesellschaft, Bundesamt für Kultur,
031 325 70 19, david.vitali@bak.admin.ch

Marc-Antoine Camp, Hochschule Luzern – Musik (Projektkoordination),
041 249 26 41, marc-antoine.camp@hslu.ch

Madeleine Viviani, Schweizerische UNESCO-Kommission (Informationen zur UNESCO),
031 324 10 62, madeleine.viviani-schaerer@eda.admin.ch

Bundesamt für Kultur

http://www.bak.admin.ch

 


 

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 7. Oktober 2011
  • Kulturförderung, Kulturvermittlung, Kultur- und Medienpolitik

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