24. Juli 2012
CHRIS KILLIP: «Seacoal» – ELISA LARVEGO: «Huerfano’s Faces»
Ausstellung im PhotoforumPasquArt - Bienne / Biel, bis am 26. August 2012

Bild: © Elisa Larvego
CHRIS KILLIP – «Seacoal»
Zwischen 1983 und 1984 verbrachte der britische Fotograf Chris Killip über 14 Monate in einem Wohnwagen in Lynemouth an der nordenglischen Küste. An einem schmalen Küstenstreifen sammelten Bewohner eines Camps am Strand Schwemmkohle, die aus einer nahegelegenen Mine stammte, und verkauften sie illegal weiter. Die Menschen, die diese «natürliche Kohlenwäsche» nutzten, misstrauten zunächst dem Fotografen. Killip gewann ihr Vertrauen, fotografierte ihre archaische Arbeit und porträtierte ihr Leben in den ärmlichen Behausungen und Wohnwagen. In seinen Bildern werden die verschiedenen Personen und Familien des Coal Camps zu wiederkehrenden, vertrauten Protagonisten – ein Aspekt, der dieses dokumentarische Unternehmen in die Nähe von Walker Evans‘ berühmter Serie Let Us Now Praise Famous Men von 1936 rückt.
Von dieser umfangreichen Arbeit sind bisher nur 17 Fotografien veröffentlicht worden, darunter einige in der viel besprochenen Ausstellung «Another Country» in der Londoner Serpentine Gallery 1985, zusammen mit Aufnahmen von Killips Kollege Graham Smith.
«Another Country» war damals ein wichtiges Statement innerhalb der dokumentarisch-kritischen Betrachtung der Thatcher-Ära, ein letzter Höhepunkt der britischen Schwarzweiss-Tradition.
Jüngere Fotografen wie Martin Parr, Paul Graham oder später Nick Waplington fotografierten in Farbe.
Des Weiteren befinden sich Aufnahmen aus dem «Seacoal»-Projekt in Killips berühmtem Buch «In Flagrante».
Einige dieser Bilder wurden zu Ikonen einer Fotografie der 1980er-Jahre, die die humanistische Tradition in ebenso radikalen wie elegischen Bildern fortführte.
Zur Person von Chris Killip
Chris Killip (geb. 1946) ist einer der wichtigsten britischen Dokumentarfotografen. In seinen langfristigen Fotoprojekten beschäftigt er sich hauptsächlich mit dem Alltag der britischen Arbeiterklasse. Er stammt von der Isle of Man und zu seinen frühen Arbeiten zählen seine Porträts der Bewohner dieser Insel.
ELISA LARVEGO – «Huerfano’s Faces»
Das PhotoforumPasquArt präsentiert bis 26.08.2012 die fotografische und filmische Arbeit «Huerfano’s Faces» der Schweizer Künstlerin Elisa Larvego (*1984, lebt und arbeitet in Genf).
Es handelt sich dabei um ein Langzeitprojekt, in dem zwei alteingesessene Hippie-Gemeinschaften aus dem Süden des US-Bundesstaates Colorado dokumentiert werden.
Mittels Aussagen, Portraits und der Abbildung von Architektur und Objekten geht diese Erinnerungs-Arbeit den Spuren der Hippie-Utopien nach.
In einem weiter gefassten Sinn versucht Elisa Larvego in und mit ihrer künstlerischen Arbeit, Geschichten zu bewahren, die vom Vergessen bedroht sind.
Für ihre Diplomarbeit an der Hochschule für Kunst und Design Genf reist sie 2009 in Begleitung ihrer Grossmutter mit der transsibirischen Eisenbahn bis nach Irkutsk. Die Spuren ihrer Vorfahren, auf die sie dabei stösst, hält sie mit der Videokamera fest.
In Huerfano, einem abgelegenen Hochtal in Colorado, macht sie sich ebenfalls auf die Suche nach Geschichtsspuren. Sie trifft dort – dank Kontakten, die ihre Familie in den 1970er-Jahren in diesem Milieu geknüpft hat – auf Veteranen aus den zwei schon lange bestehenden Hippie-Gemeinschaften «Libre» und «Triple A». Auf 2500 M. ü. M., in einer beeindruckenden Landschaft, dokumentiert Elisa Larvego die Spuren der Hippie-Lebensart aus verschiedenen Blickwinkeln. Sie macht situativ Portraits der Bewohnerinnen und Bewohner und lässt dabei der alltäglichen Umgebung der Portraitierten viel Raum; sie untersucht die lokale Architektur und spielt dabei mit der fliessenden Grenze zwischen Innen und Aussen; sie sammelt Objekte, die sie in den Hausruinen gefunden hat und gruppiert sie wie Archivgegenstände zu einer «Nature morte»; und schliesslich erweitert sie die fotografische Annäherung, indem sie mittels Video mündliche Zeugnisse und Aussagen der Bewohnerinnen und Bewohner einholt.
In ihrem Projekt legt Elisa Larvego ein besonderes Augenmerk auf die Beziehung zwischen den Hippies und deren Häusern. Die Häuser haben sie mit ihren eigenen Händen erbaut, die Konstruktionen zeugen vom Einfallsreichtum ihrer Erbauer und brechen mit herkömmlichen architektonischen Konventionen. Innovative Formen – besonders die geodätischen Hauskuppeln -, die Anpassung an die Umgebung, Low-Tech-Lösungen und rezyklierte Baustoffe kennzeichnen diese sich ständig weiter entwickelnden Bauten, die gleichsam zur Identitätskarte ihrer Erbauer werden.
ppb
Kontakt:
PhotoforumPasquArt – Bienne / Biel
Faubourg du Lac 71
CH-2502 Bienne
T: +41 32 322 44 82
F: +41 32 322 45 13
office@photoforumpasquart.ch
http://www.photoforumpasquart.ch
Kommentare von Daniel Leutenegger