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26. Oktober 2010

Die Bibliothek von Jean Starobinski wird dem Schweizerischen Literaturarchiv übergeben

Die Stiftung Hans Wilsdorf schenkt dem Schweizerischen Literaturarchiv (SLA) der Nationalbibliothek (NB) in Bern die persönliche Bibliothek von Jean Starobinski in einer Geste grosszügigen Mäzenatentums. Dieser Neuzugang vervollständigt das Archiv von Jean Starobinski.

2003 wurde im Schweizerischen Literaturarchiv ein Archiv Jean Starobinski mit sämtlichen Manuskripten und Notizen sowie der Korrespondenz des grossen Genfer Gelehrten geschaffen. Das Archiv eines Intellektuellen ist jedoch erst dann komplett, wenn seine mit Anmerkungen versehene und signierte Autorenbibliothek konserviert und der Forschung zur Verfügung gestellt wird.

Dies gilt in ganz besonderem Masse auch für die umfangreiche Bibliothek von Jean Starobinski (man schätzt sie auf gegen 40’000 Bände). Claude Reichler, Professor an der Universität Lausanne, hat im Auftrag der Schweizerischen Nationalbibliothek den wissenschaftlichen Wert dieser Sammlung evaluiert. Er sieht in ihr «das Zeugnis einer Welt von seltener Reichhaltigkeit und Kostbarkeit, die in ihrer Einheit erhalten und den kommenden Generationen zugänglich bleiben soll». In Reichlers Worten ist diese «Bibliothek [Jean Starobinskis] Gedächtnis, sein Adressbuch, sein Ideenrepertoire, seine Projektschublade geworden – aber vor allem auch sein geistiges Universum, sein Lebensraum, intim und weitverzweigt, immens und doch beherrscht, worin er sich aufgehoben fühlt».

2010 setzte sich die NB mit der Stiftung Hans Wilsdorf in Verbindung. Diese ging in ihrem Entscheid weit über das Anliegen der NB hinaus und schenkte dem Schweizerischen Literaturarchiv die gesamte Bibliothek. «Es liegt uns daran», sagt Pierre Mottu, der Präsident der Stiftung, «den Studierenden, der Forschung und der Lehre im Schweizerischen Literaturarchiv eine Dokumentation zugänglich zu machen, die sozusagen im Herzen der westlichen Kultur des 20. Jahrhunderts steht».

Diese Ansicht teilt auch Marie-Christine Doffey, Direktorin der NB. «Es freut mich», sagt sie, «dass auch künftigen Forscherinnen und Forschern in der Schweiz ein so wichtiges kulturelles Erbe als Einheit erhalten bleibt. Als Dank an die Stiftung Hans Wilsdorf wird zum ersten Mal in der Geschichte der Institution am Eingang der NB eine Gedenktafel angebracht.»

Die Tafel wird in Anwesenheit von Bundesrat Didier Burkhalter an einer geschlossenen Feier in der Schweizerischen Nationalbibliothek enthüllt.

Aus Anlass des 90. Geburtstags von Jean Starobinski beginnt gleichzeitig ein öffentliches Kolloquium zum Thema «À distance de loge», das am 19. November 2010 in Bern und am 20. November 2010 in Genf stattfindet. Das Kolloquium ist Teil eines Projekts zur kritischen Literatur und zur Genfer Schule und wird durchgeführt im Rahmen des «Cercle d’études Jean Starobinski», der vom SLA mit Unterstützung der Universität Genf geleitet wird. Der Cercle publiziert einmal jährlich ein Bulletin und organisiert regelmässig Konferenzen und Tagungen zum Werk von Jean Starobinski und zur Literaturkritik im Allgemeinen.

 

sla

 

Kontakt:


Marie-Christine Doffey, Direktorin Schweizerische Nationalbibliothek,
Tel. 031/ 322 89 01, marie-christine.doffey@nb.admin.ch

Stéphanie Cudré-Mauroux (Konservatorin Fonds Starobinski), Schweizerisches Literaturarchiv,

Tel. 031/ 323 23 55 (Montag – Donnerstag), stephanie.cudre-mauroux@nb.admin.ch

Serge Bednarczyk, Stiftung Hans Wilsdorf

Tel. 022/ 737 30 00, sbednarczyk@hanswilsdorf.ch

Herausgeber:

Schweizerische Nationalbibliothek

Internet: http://www.nb.admin.ch

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 26. Oktober 2010
  • Theater, Kabarett, Literatur

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