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2. Mai 2012

Hörpunkt: «Unverschämt!»

Radio DRS 2, heute Mittwoch ab 09.06 Uhr

Foto: framepool.com

Was früher ein schambesetzes Tabu war, gilt heute als normal: Wir zeigen Haut, sprechen offen über Sex, stillen und wickeln unsere Babys im Zugsabteil. Das gilt auch für die Mächtigen: ManagerInnen kassieren exorbitante Boni, ohne mit der Wimper zu zucken, PolitikerInnen lassen sich ihre Amtszeit hemmungslos vergolden.

Leben wir in einer schamlosen Gesellschaft? Oder gibt es hinter der Oberfläche neue Formen von Scham? Wie entstehen Schamgefühle und wozu sind sie da? Und: Ist Scham universell, historisch und kulturell?

Im Hörpunkt «Unverschämt!» gehen wir diesen Fragen nach. Wir reden mit ExpertInnen aus der Religionsphilosophie, Psychologie und Soziologie. Wir besuchen einen Ex-Banker und fragen Pflegefachleute nach dem Umgang mit Scham im Spital. Wir sprechen mit Machern der Reality-TV-Show «Dschungelcamp» und mit Feministinnen, denen die Lektüre des Klassikers «Die Scham ist vorbei» Welten eröffnete. Und wir fragen den Kabarettisten Mike Müller und zwei Bühnenkollegen, was es heisst, sich für eine Inszenierung – im übertragenen und im wörtlichen Sinne – auszuziehen.

srf

Christina Caprez, Jodok Hess

09.06 Uhr

Am Anfang war die Scham

Als Adam und Eva gegen Gott rebellieren, erkennen sie erstmals ihre Nacktheit und bedecken sich. Laut dem christlichen Gründungsmythos steht die Scham am Anfang der Menschheitsgeschichte. Das Schamgefühl unterscheidet den Menschen vom Tier, aber auch Erwachsene von Kindern: Kinder erlernen gesellschaftliche Normen erst allmählich, und eine zentrale Rolle spielt dabei das Schamgefühl. 

10.03 Uhr

Andere Länder, andere Schamgrenzen

In China gehört Rülpsen zum guten Ton, man würde sich aber nie kumpelhaft auf die Schultern klopfen. In arabischen Ländern gehen befreundete Männer Hand in Hand durch die Strassen, doch Kontakte zwischen den Geschlechtern sind in traditionell gesinnten Familien tabu.

10.30 Uhr

Erzählcafé: Mann, war das peinlich!

Ob wir einen Fleck auf dem Hemd entdecken, ob unser Kind einem andern eins haut oder wir gerade über jemanden gelästert haben, der hinter uns steht: Wir schämen uns täglich zigfach. Peinliche Situationen und beschämende Erlebnisse andern zu erzählen und darüber zu lachen, schafft Erleichterung und hat Unterhaltungswert. Im Erzählcafé ist Platz dafür.

11.03 Uhr

Wer zuletzt lacht … Humor und Scham

Wer selber in einer peinlichen Situation steckt, möchte am liebsten im Boden versinken, und auch als Zeuge schämt man sich meistens mit. Es sei denn, die Peinlichkeit ist auf einer Bühne inszeniert: dann braucht es wenig, und wir lachen Tränen, oft auch gerade deshalb, weil wir uns selbst wiedererkennen. 

12.03 Uhr

Erzählcafé: Da bin ich in den Boden versunken!

Ob wir einen Fleck auf dem Hemd entdecken, ob unser Kind einem andern eins haut oder wir gerade über jemanden gelästert haben, der hinter uns steht: Wir schämen uns täglich zigfach. Peinliche Situationen und beschämende Erlebnisse andern zu erzählen und darüber zu lachen, schafft Erleichterung und hat Unterhaltungswert. Im Erzählcafé ist Platz dafür.

13.00 Uhr

Status und Scham – wie ein Gefühl soziale Ungleichheit reproduziert

In unserer Gesellschaft scheint es keine Klassen mehr zu geben. Der Soziologe Sighart Neckel zeigt, dass das so nicht stimmt: Scham und Beschämung dienen dazu, gesellschaftliche Hierarchien herzustellen oder zu festigen – wenn sich beispielsweise eine Ausländerin für ihr schlechtes Deutsch oder ein Arbeitsloser für seine Untätigkeit schämt, hat das viel mit Machtstrukturen zu tun.  

14.00 Uhr

Das Ende der Scham

Leben wir in einer schamlosen Gesellschaft? Ist es gut, sich von Schamgefühlen zu befreien? Oder ist es letztlich gut, «dass mir Hemmige hei» (Mani Matter)?  

srf

—

Kontakt:

http://www.drs2.ch/www/de/drs2/331142.hoerpunkt-unverschaemt.html

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 2. Mai 2012
  • Radio und TV

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