Ausstellung im Kunsthaus Glarus, bis am 11. August 2013

Bild: LUCA FREI – Inheritance (Detail), 2013
Der etwas irritierende und doch poetische Titel der Einzelausstellung des Schweizer Künstlers Luca Frei (*1976 in Lugano, lebt in Malmö) geht auf einen Auszug aus Gertrude Steins Roman Mrs. Reynolds zurück. Dort verarbeitet Gertrude Stein das Geschehen des zweiten Weltkriegs aus der Mikroperspektive eines Ehepaars. Während woanders der Krieg wütet, flüchten sich die Akteure in repetitive, banale und merkwürdig poetische Gesprächsrituale und zählen die Tage.
Luca Frei versetzt den Besucher in seiner Ausstellung in einen ähnlichen zeitlosen Zustand und fordert dazu auf, die Dinge einmal mit verschobener Perspektive zu betrachten.
Seine Arbeiten zielen auf Leerstellen im aktuellen Zeitgeschehen und eröffnen dem Besucher symbolische Handlungsräume. Oft beinhalten sie eine Aufforderung an das Publikum, sich als Akteure zu involvieren, ohne dass es klare Handlungsanweisungen gibt.
Mit solchen Irritationen umkreist Frei grundlegende Fragen von Privatem und Öffentlichem, Unbewusstem und Bewusstem, aber auch Identität und Erinnerung. Dabei arbeitet er mit ganz unterschiedlichen Medien, darunter Malerei, Fotografie, Collage, Video und Installation. Zeichnung und im Besonderen die Auseinandersetzung mit der Linie als einfache und unmittelbare Reaktions- und Interventionsmöglichkeit bilden dabei einen Hauptfokus der Ausstellung.
Der Künstler lädt zu einer mentalen
Reise in Bildern, Assoziationen und eigenen Erfahrungen ein. Die Aufforderung,
sich aktiv in die Ausstellung einzubringen, regt letztlich auch zum Nachdenken
über die eigene Rolle in der Gegenwart an.
Das Kunsthaus Glarus zeigt – nach der Präsentation im Museo Cantonale d’Arte in Lugano (2010), die zweite institutionelle Einzelausstellung des Künstlers in der Schweiz. In Kooperation mit dem Bonner Kunstverein entsteht eine Publikation.
khg
Mehr / Kontakt:
http://www.kunsthausglarus.ch/de/frontend/current_exhibitions_detail
Kommentare von Daniel Leutenegger