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10. März 2014

Friedrich Salzmann – oder die vergessene Geldreform

Otmar Hersche schreibt heute auf «haelfte.ch»* zur Buch-Neuerscheinung «Friedrich Salzmann - Journalist, Radiomoderator, Schriftsteller, Nationalrat»: «Friedrich Salzmann (1915 – 1990) gehört zu den wichtigen Journalisten in der Pio­nierzeit des Radios. Er war kein rasender Reporter, eher ein philosophierender Ge­lehrter, der seine Sätze sorgfältig formulierte, meistens sogar schriftlich fixierte, bevor er sie ins Mikrophon sprach.»

Bild: http://www.piazzetta-verlag.ch/friedrich_salzmann.htm 

Legendär waren seine regelmässigen Beiträge in der Rubrik «Mit kritischem Griffel», viel beachtet auch seine «Gespräche am Runden Tisch», in denen es nicht um harte Auseinandersetzung, sondern um einen ruhigen Gedankenaustausch ging. Salzmann passte in die Tradition des damaligen Bildungsradios.

Die kürzlich erschienene Biografie von Andreas Müller erhellt Leben und Werk dieser inte­ressanten Persönlichkeit.

Geboren wurde er 1915 in Persien, wo sein Vater als Exportkaufmann arbeitete. 1917 zog seine Familie nach Deutschland. Hier erlebte er aus der Nähe die Folgen der Wirtschafts­krise und den Aufstieg des Nationalsozialismus‘. Hier hatte er auch die für sein Leben ent­scheidende Begegnung mit Silvio Gesell (1862 – 1930). Es scheint, dass dessen Freiwirt­schaftslehre auf ihn wie eine Offenbarung wirkte. Bereits ab 1932 engagierte er sich für diese Theorie in Referaten und Aufsätzen.

Noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wechselte die Familie Salzmann in die Schweiz. Friedrich fand eine Stelle in der Bundesverwaltung, arbeitete für die Freiwirtschaftliche Zeitung «Freies Volk», suchte und fand Kontakte zu Gesinnungsgenossen – an erster Stelle ist Fritz Schwarz (1887 – 1958) zu nennen.

1957 wurde er für «Radio Bern» als Mitarbeiter für «gesprochenes Wort» angestellt. Er entfaltete  so­gleich eine facettenrei­che Tätigkeit. Er befasste sich mit Grundfragen der Demokratie, mit gesellschaftlichen Entwicklungen, mit Bildungs- und Sozialproblemen – um nur wenige Stichworte zu nen­nen.

Sein Leitstern blieb die Freiwirtschaftslehre. Stär­ker als in den Radiobeiträgen kommt dies in seinen Büchern und politischen Aktivi­täten zum Ausdruck.

Freigeldtheorie

Worin bestand für Salzmann die Faszination der Freigeldtheorie? Er sah darin wohl Ansätze zur Überwindung der Katastrophen seiner Zeit. Silvio Gesell setzte für seine Reformvorstellungen bei der Geldpolitik an. Geld als reiner «Tauschvermittler» soll nur in dem Masse geschaffen werden, als Waren vorhanden sind. Die Nationalbank ist verantwortlich für das Gleichgewicht von Warenangebot und Geldmenge. Ebenso wichtig wie die Geld­menge ist der Umlauf des Geldes. Mit verschiedenen Massnah­men muss verhindert wer­den, dass unproduktives Kapital gehortet und angehäuft wird. Geld soll zirkulieren.

Dazu kommt die Freilandtheorie. Wie Wasser und Luft gehört der Boden der Allgemeinheit und wird jenen zugeteilt, die ihn zum Nutzen der Allgemeinheit bewirtschaften. Wich­tige Gedanken der Freiwirtschaft fanden Eingang in das Programm der Liberalsozialisti­schen Partei. Salzmann hat dieses Programm verfasst. Er suchte eine Synthese von Libe­ralismus und Sozialismus, sozusagen einen Dritten Weg zwi­schen Marxismus und Kapita­lismus. In der Praxis blieb der Einfluss der Partei aller­dings marginal.

Später hat Salz­mann sein Konzept im Par­lament vertreten. Mit einer Spezialbewilligung der SRG wurde er nämlich – er war fest angestellter Radio-Re­daktor – 1971 auf der Liste des Landesrings der Unabhän­gigen in den Nationalrat gewählt. 1978 musste er aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten.

Seine letzten Lebensjahre standen im Zeichen gesundheitlicher Probleme. Bereits mit drei Jahren war er an Kinderlähmung erkrankt und zeitlebens auf Beinschienen und Gehstöcke angewiesen. Im Alter kam rasch fortschreitender Parkinson dazu. Sein Alltag wurde immer schwieriger. Den Radio-Kollegen bleibt das Bild eines hilfsbedürftigen kleinen, schwachen Mannes im Gedächtnis. Trotzdem blieb Salzmann engagiert und zuversichtlich bis am Schluss.

Doch Silvio Gesell, die Liberalsozialisten und Salzmann selber gerieten bald in Vergessenheit. Vielleicht regt die vorliegende Biografie zum Studium und zum Nachdenken an. Manche Gedanken sind bis heute bedenkenswert aktuell.

Das Buch:

Andreas Müller: Friedrich Salzmann – Journalist, Radiomoderator, Schriftsteller, Nationalrat. Eine Biografie. Piazetta-Verlag,2013.

http://www.piazzetta-verlag.ch/friedrich_salzmann.htm

*Quelle:

Mediendienst Hälfte

Service de média Moitié

Verein für soziale Gerechtigkeit

Association pour la justice sociale

Wabersackerstrasse 21

CH 3097 Liebefeld-Bern

Tel. + 41 (0) 31 972 82 23

news@haelfte.ch

www.haelfte.ch

 

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 10. März 2014
  • Politik und Gesellschaft

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