26. August 2014
«Salon Suisse» Venedig: «The next 100 Years – Scenarios for an Alpine City State»
Rahmenprogramm zur 14. Architekturbiennale in Venedig - Kuratoren: Hiromi Hosoya und Markus Schaefer - Veranstaltungsort: Palazzo Trevisan degli Ulivi, Venedig

Bilder: ph
In Ergänzung des Projektes im Schweizer Pavillon an der 14. Architekturbiennale in Venedig veranstaltet die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia den «Salon Suisse». Der «Salon Suisse», der dieses Jahr zum dritten Mal stattfindet, ist ein Diskussions- und Veranstaltungsprogramm, bei dem in entspannter Atmosphäre über zeitgenössische Architektur und andere Ideen diskutiert werden kann.
Der diesjährige «Salon Suisse» wird kuratiert von den in Zürich ansässigen Architekten und Städtebauern Hiromi Hosoya und Markus Schaefer. Die beiden Gründer von Hosoya Schaefer Architects haben ein anspruchsvolles Veranstaltungsprogramm zusammengestellt, welches sich im Schwerpunkt um Fragen der urbanen Entwicklung in der Schweiz und der zunehmenden Urbanisierung weltweit dreht.
Die Veranstaltungen orientieren sich an der Struktur einer verfassunggebenden Versammlung und verstehen sich als Gedankenexperiment über eine kritische Urbanität.
Während sich die Biennale mit dem vergangenen Jahrhundert beschäftigt, will der «Salon Suisse» vor der Kulisse Venedigs als historischem Stadtstaat einen Bogen in die Zukunft schlagen und sich unter anderem folgenden Fragen widmen: Wie müssen wir uns die nächsten 100 Jahre in einer zunehmend urbanen und sich rasant verändernden Welt vorstellen? Wie würde eine zeitgenössische Konzeption der Schweiz in diesem Kontext aussehen? Wenn die Schweiz heute neu gegründet würde, was wären ihre Leitbilder, ihr Geschäftsmodell und ihr Gesellschaftsvertrag? Und wie können Architektur und Städtebau ein solches Vorhaben unterstützen? In welchem Ausmass müssen diese Disziplinen sich an einer politischen Diskussion beteiligen?
Um diese Fragen zu diskutieren, haben die Kuratoren Wissenschaftler, Fachleute und Macher dazu eingeladen, sich inspiriert von unserer politischen Realität, jedoch befreit von deren täglichen Details, einen solchen Staat sowie mögliche räumliche Umsetzungen, Bilder und Narrative vorzustellen.
Die Eröffnungsveranstaltung fand am 7. Juni um 11 Uhr in Form einer ersten Anhörung statt.
Der erste Salon (4. bis 6. September 2014), «Design – The Nature of Cities», unternimmt den Versuch, eine gemeinsame Vorstellung von Städten und von der Beschaffenheit des zeitgenössischen urbanen Systems zu entwickeln. Zu den Teilnehmern zählen unter anderen der Stadtgeograph Edward D. Soja, der Science-Fiction-Schriftsteller Kim Stanley Robinson, Didier Sornette, Erforscher komplexer Systeme, sowie der Anthropologe und Aktivist David Graeber.
Der zweite Salon (9. bis 11. Oktober), «Build – The Reality of Cities», beschäftigt sich mit der Frage, wie urbane Ideen zur Realität werden. An dieser Diskussion beteiligen sich Politiker, Unternehmer und Fachleute, darunter der japanische Architekt und Planer Yasuaki Onoda sowie die Städtebauer Jan Gehl, Marc Angélil und Yoshiharu Tsukamoto.
Der dritte Salon (30. Oktober bis 1. November), «Use – The Culture of Cities», nimmt sich dem Thema an, wie Kultur innerhalb einer Stadt entsteht. An den Gesprächen nehmen der Autor und Mitbegründer von Neustart Schweiz, Hans Widmer, sowie der Opendata.ch-Mitbegründer Hannes Gassert teil. Norihito Nakatani und Jiang Jun, die den japanischen beziehungsweise den chinesischen Pavillon mitgestalten, diskutieren neben anderen mit Mark Leonard, dem Mitbegründer und Direktor des Europäischen Rats für Auslandsbeziehungen, dem ersten unabhängigen gesamteuropäischen Think-Tank, über ihre Forschung zu traditionelleren Formen von Gemeinschaften.
In der Schlussversammlung, der «Final Assembly» des «Salon Suisse» 2014, (20. bis 22. November) wird es darum gehen, zusammen mit Schriftstellern und Journalisten wie Lukas Bärfuss oder Finn Canonica, die die gesamte Veranstaltungsreihe aktiv begleiten, die Ergebnisse des Salons zusammenzufassen und aufzubereiten.
Während der Veranstaltungswochenenden ist der «Salon Suisse» drei Tage die Woche, donnerstags bis samstags von 18 bis 22 Uhr geöffnet.
Die Kuratoren, Hiromi Hosoya und Markus Schaefer
Die Kuratoren des «Salon Suisse» 2014 sind Hiromi Hosoya und Markus Schaefer, die 2003 gemeinsam Hosoya Schaefer Architects in Zürich gründeten. Ihr Büro ist spezialisiert auf Architektur, Städtebau und Forschung.
Hiromi Hosoya studierte Architektur an der Rhode Island School of Design sowie an der Harvard University Graduate School of Design. Sie arbeitete fünf Jahre für Toyo Ito & Associates Architects in Tokio bis sie im Jahr 2003 zusammen mit Markus Schaefer ihr eigenes Büro gründete. In den Jahren 2005 und 2006 unterrichtete sie Entwurfsklassen an der Cornell University und von 2007 bis 2012 war sie Professorin an der Akademie der bildenden Künste in Wien, Österreich. Des Weiteren leitete sie ein Advanced Design Studio an der Harvard University Graduate School of Design.
Markus Schaefer hat einen Master in Architektur von der Harvard University Graduate School of Design sowie einen Master in Neurobiologie von der Universität Zürich. Von 1999 bis 2003 arbeitete Markus Schaefer für OMA in Rotterdam, davon die letzten zwei Jahre als Direktor von AMO. Er war Gastprofessor am Berlage Institute in Rotterdam (2005-2006) und Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien (2007-2009). Er unterrichtet und veröffentlicht regelmässig und ist daneben Mitbegründer und Forschungsleiter von CityTrackerX AG, einem privat finanzierten Start-Up, das sich mit dem Verständnis der Dynamik von Städten und Stadtregionen beschäftigt.
Der Palazzo Trevisan degli Ulivi in Venedig
Der zweite Stock des Palazzo Trevisan degli Ulivi in Zattere im Herzen der Altstadt von Venedig gehört der Schweizer Eidgenossenschaft und beherbergt das Schweizer Konsulat. Der von Pro Helvetia initiierte «Salon Suisse» findet seit 2012 im Hauptraum des Palazzo statt. Der Palazzo Trevisan degli Ulivi, Dorsoduro 810, befindet sich in der Nähe von Campo S. Agnese. Die nahegelegenste Vaporetto-Haltestelle ist Zattere.
Kathrin Jira
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Kommentare von Daniel Leutenegger