6. Oktober 2022
«BIJOU ODER BAUSÜNDE? ÜBER UNSEREN UMGANG MIT BAUKULTUR»
Neue Ausstellung im Schweizer Heimatschutzzentrum, Villa Patumbah, Zürich

Bild oben: Sprechblase Triemli-Hochhaus © Foto Karin Bürki
Die neue Ausstellung «Bijou oder Bausünde? Über unseren Umgang mit Baukultur» zeigt, wie das Bauen und die Baukultur in der Gesellschaft verhandelt werden und wie sich Menschen für Häuser, Siedlungen und Freiräume engagieren. Die zweisprachige Ausstellung (d/f) ist im Erdgeschoss der Villa Patumbah zu sehen – ein Baudenkmal, das selbst für lange Zeit Gegenstand von Verhandlungen war.

Bild: «Sprechblasenwald» © Noah Santer
Baukultur ist Verhandlungssache: Was wird abgerissen und muss oder kann Neuem weichen? Wer entscheidet über Qualität und Schutzwürdigkeit? Der Diskurs über die Baukultur wird von Fachpersonen dominiert – die Sicht der Bevölkerung, ihre Mitwirkung und ihr Engagement werden jedoch immer wichtiger. Denn um eine «hohe Baukultur» zu erreichen, wie es die «Erklärung von Davos» der europäischen Kulturminister aus dem Jahr 2018 fordert, braucht es eine Beteiligung der Zivilgesellschaft und eine informierte und mündige Öffentlichkeit. Auf lustvolle Weise regt die Ausstellung im Heimatschutzzentrum dazu an, sich mit unserer gebauten Umwelt und verschiedenen Haltungen dazu auseinanderzusetzen.
Ist das schön?
Ein «Sprechblasenwald» zeigt Meinungen, Debatten und Konflikte rund um das Bauen, und vier Kurzfilme geben Einblick in das Engagement von Menschen und Organisationen – sei es mit politischen Aktionen oder ganz konkret mit handwerklichem Einsatz bei einer Restauration.
Schönheit spielt bei der Auseinandersetzung mit Baukultur eine wichtige Rolle: Was wir heute als «schön» und «schützenswert» beurteilen, wäre vor einigen Jahren vielleicht noch ohne Zögern abgerissen worden. In der Ausstellung erfahren die BesucherInnen, wie sich Vorstellungen vom «schönen Bauen» im Lauf der Zeit gewandelt haben. Zudem sind sie eingeladen, Stellung zu umstrittenen Bauten zu beziehen. Denn schliesslich sind vom Bauen alle betroffen.
Oder kann das weg?
Und wenn nun ein Gebäude abgerissen wird? Was passiert mit dem Ort, an dem es stand und den es prägte? Vorher-Nachher-Ansichten machen die Veränderung fassbar und der «Abrisshaufen» vermittelt eine Idee davon, wie im Zuge der aktuellen Abrisswelle Ressourcen und graue Energie verbraucht werden. Die Debatte zum Klimawandel macht deutlich, dass im Bausektor, der grosse Mengen an Emissionen verursacht, ein Wandel hin zum Erhalt des Bestandes auch aus ökologischer Sicht angezeigt ist.
Rahmenprogramm
Ein vielfältiges Rahmenprogramm bietet für Gross und Klein verschiedene Anknüpfungspunkte für die Auseinandersetzung mit Baukultur.
shs
Kontakt:
https://www.heimatschutzzentrum.ch/
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Bild: Installation «Abrisshaufen» © Noah Santer
Kommentare von Daniel Leutenegger