7. April 2024
«LUKAS HOFFMANN – STRASSENBILDER»
Ausstellung in der Kunsthalle Luzern, bis am 2. Juni 2024

Bild oben: Lukas Hoffmann – Strassenbild IV, 2018, Silbergelatineabzug, 102cm x 72cm. – Fotografie: © Lukas Hoffmann
Nach dem ihm 2010 verliehenen Ausstellungspreis der Luzerner Kunstgesellschaft und der dazugehörigen Kabinettaustellung im Kunstmuseum Luzern 2011 sowie zahlreichen internationalen Einzelausstellungen realisiert der Fotograf Lukas Hoffmann wieder eine Einzelausstellung in Luzern. Die fotografischen Werke des Zuger Künstlers mit Wohn- und Arbeitsort Berlin waren bisher vor allem im französischen Sprachgebiet ausgestellt.
Hoffmann nutzt die Möglichkeit der vollverglasten Räumlichkeiten der Kunsthalle Luzern für die Präsentation seiner vielbeachteten, in sich geschlossenen Werkserie «Strassenbilder», die während den Jahren 2018 bis 2021 entstanden und nun – auch mit der gleichnamigen Buchpublikation von 2023 – abgeschlossen ist.
Die fotografischen Kompositionen fokussieren auf das Ungesehene des Alltags und des menschlichen Seins, ohne dabei konkrete Hinweise auf Örtlichkeiten, Zeitlichkeiten oder Persönlichkeiten zu geben. Mit grosser formeller, ästhetischer und technischer Präzision erzeugt Lukas Hoffmann minimalistische Bildaufnahmen aus einem intuitiven Moment heraus.
Lukas Hoffmanns Serie «Strassenbilder» ist konsequent in schwarz/weiss gehalten, wobei der Fotograf seine Grossbildkamera ohne Stativ aus freier Hand einsetzt. Der Fokus ist fest auf 80 Zentimeter eingestellt und massgebend für die Nähe zu seinen aufgenommen Motiven.
Auf 13 cm x 18 cm grossen Planfilmen fotografiert der Künstler PassantInnen im öffentlichen Raum, wobei er fast ausschliesslich Rücken- und Seitenaufnahmen mit fragmentarischen Körperausschnitten wählt. Gesichtspartien und Totalen werden bewusst ausgeschlossen, nicht zuletzt um zu vermeiden, dass die fotografierten Personen von ihrer Inszenierung erfahren.
Die aufgenommenen Momente des Alltags sind geradezu antispektakulär, was grundsätzlich gegen die Tradition der «street photography» zielt, sich aber bei näherer Betrachtung als unscheinbar tiefgründig abhebt. Vor allem die grossformatigen Abzüge im Format 102 cm x 72 cm verfügen über enormen Detailreichtum, der sich insbesondere in den Haar- und Hautpartien oder den stofflichen Strukturen der Kleidung offenbart.
Die zufällige Dynamik einzelner Bilder wird zusätzlich durch einen altersbedingten Defekt der Fachkamera verstärkt; mehrere Löcher im Balgen erzeugten bei längerem Warten der Auslöserbetätigung Streulicht im Inneren der Kamera, wodurch sich einzigartige helle Schleier übers Bildmotiv ziehen – sichtbar u.a. auf den Strassenbildern IX, X, XX, XXIII, XXVII.
Im Kabinett der Kunsthalle Luzern zeigt Lukas Hoffmann eine Installation mit drei Diaprojektionen. Hier werden fotografische Aufnahmen projiziert, die 2016 während einem Artist-in-Residence-Aufenthalt in New York entstanden sind. Die Werkgruppe «NYC Sidewalks» vereint eine Ansammlung formalästhetischer Bildaufnahmen von trivialen Situationen im öffentlichen Raum.
Durch ein Shift-Objektiv – ein bewegliches Objektiv, welches den Bildausschnitt im Bildkreis verschieben lässt – entstehen Diptychon-Fotografien, die als Anschlussbilder zeitliche Versatzstücke einer bestimmten ‘Szenerie’ repräsentieren. Innerhalb der Präsentationsweise generieren sich neuartige Zeit-Raum-Kompositionen, die jeweils ein Diptychon-Bild eines Aufnahmeortes mit demjenigen eines anderen Aufnahmeortes kombinieren, was wiederum die Divergenz des einzelnen Diptychons betont.
khl
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Bild: Lukas Hoffmann – Strassenbild XIX, 2018, Silbergelatineabzug, 102cm x 72cm. – Fotografie: © Lukas Hoffmann
Kommentare von Daniel Leutenegger