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6. Juli 2026

ZUM TOD DES DEUTSCHEN DRAMATURGEN DIETER STURM

Der am 24. Mai 1936 in Frankfurt am Main geborene deutsche Dramaturg Dieter Sturm ist am 2. Juli 2026 in Berlin gestorben. Sturm war 1962 Mitbegründer der Berliner Schaubühne. Er war Mitglied der Berliner Akademie der Künste, Sektion Darstellende Kunst.

Schaubühne Berlin, 2018 – Foto: Franziska Lantermann (Ausschnitt) – Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en – Datei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Schaub%C3%BChne_2018.jpg

Bild: Schaubühne Berlin, 2018 – Foto: Franziska Lantermann (Ausschnitt) – Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en – Datei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Schaub%C3%BChne_2018.jpg

In Berlin studierte Dieter Sturm Germanistik, Ethnologie und Alte Geschichte. Von 1958 bis 1961 leitete er das Studententheater der Freien Universität Berlin und war engagiertes Mitglied des SDS. Sowohl persönlich als auch durch sein dramaturgisches Wirken kann Sturm als wichtiger Kopf der linkspolitischen Avantgarde der 1960er-Jahre gelten.

Gemeinsam mit Jürgen Schitthelm, Leni Langenscheidt, Waltraut Mau und Klaus Weiffenbach gründete Sturm 1962 die Berliner Schaubühne als freie Theatergruppe, die zunächst am Halleschen Ufer in Kreuzberg probte und inszenierte. Dort begann eine intensive Zusammenarbeit mit dem Dramatiker Hartmut Lange, dort wurden die Stücke von Marieluise Fleisser wiederentdeckt und fanden Aufführungen von Stücken Bertolt Brechts statt, der in Westberlin zur damaligen Zeit sonst nicht gespielt wurde.

Auf Initiative von Dieter Sturm kamen 1970 der Regisseur Peter Stein und mit ihm Schauspieler wie Bruno Ganz, Edith Clever, Jutta Lampe, Werner Rehm, später Otto Sander und Peter Fitz an die Schaubühne. Unter ihnen entwickelte sich dieses kulturelle Zentrum der 68er-Bewegung zu einem der berühmtesten deutschen Schauspielhäuser.

1981 zogen das Theater und mit ihm Dieter Sturm in das renovierte Schaubühnen-Gebäude am Lehniner Platz um. Als leitender Dramaturg der Schaubühne stand Sturm den Intendanten Peter Stein, Luc Bondy, Jürgen Gosch und Andrea Breth sowie bedeutenden Regisseuren wie Klaus Michael Grüber zur Seite.

Im Jahr 1995 verliess Sturm die Berliner Schaubühne und wechselte zum Deutschen Theater im ehemaligen Ostberlin. (*)

Die Schaubühne trauert um Dieter Sturm

Mit großer Trauer nimmt die Schaubühne Abschied von Mitbegründer und Dramaturg Dieter Sturm, der am 2. Juli nach langer schwerer Krankheit verstorben ist. Dieter Sturm hat die Schaubühne 1962 mitgegründet und deren künstlerische Arbeit als Chefdramaturg über drei Jahrzehnte entscheidend geprägt. Seine Neugier, sein unerschöpfliches Wissen nicht nur um die Ursprünge und die Geschichte des Theaters, sondern auch um dessen politisch-gesellschaftliche Wirkung haben den Weg unseres Theaters zu einer der führenden deutschsprachigen Bühnen möglich gemacht. Auch in den ersten Jahren der Laufbahn von Thomas Ostermeier in der Baracke des Deutschen Theaters war Dieter Sturm ein wichtiger Berater und Mentor des jungen Teams.

Seinem Credo, dass das Theater die gesellschaftliche Wirklichkeit reflektieren und kritisch begleiten muss, fühlen wir uns verpflichtet.

Wir nehmen Abschied von einem großen Theater-Künstler.

Jürgen Schitthelm, Friedrich Barner, Thomas Ostermeier, Tobias Veit

https://www.schaubuehne.de/de/presse/die-schaubuehne-trauert-um-dieter-sturm.html

Dieter Sturm ist tot – die Schaubühne verliert ihr intellektuelles Gewissen

Als engster dramaturgischer Weggefährte Peter Steins schrieb Dieter Sturm Theatergeschichte. Mit seiner Arbeit an der Schaubühne prägte er Generationen.

Besonders legendär wurden Produktionen wie die monumentale „Orestie“ (1980, Regie: Peter Stein), „Hamlet“ (1982, Regie: Klaus Michael Grüber), „Drei Schwestern“ (1984, Regie: Peter Stein) oder „Kalldewey, Farce“ und „Der Triumph der Liebe“ (1982 und 1985, Regie: Luc Bondy). Seit 2001 arbeitete er als freier Dramaturg, unter anderem erneut mit Luc Bondy am Berliner Ensemble.

Hinter diesen Erfolgen stand oft Sturms außergewöhnliche Fähigkeit, literarische Texte zu durchdringen und in langen Gesprächen mit Regisseuren und Ensembles ästhetische Konzepte zu entwickeln. Seine Wirkung entfaltete sich weniger auf der Bühne als im Denken über das Theater.

Ulrich Seidler

https://www.berliner-zeitung.de/article/dieter-sturm-gestorben-das-intellektuelle-gewissen-der-schaubuehne-ist-tot-10165433

Die goldene Eminenz

Seine Bibliotheken, Wunder- und Geheimnisgehäuse von ganz eigener Art und unnachahmlicher Quantität wie Qualität, waren legendär – angeblich und einer so hinreißenden wie durchaus glaubhaft kolportierten Sage nach verteilt in diversen Wohnungen über, wenn nicht ganz, so doch wenigstens halb Berlin.

Man musste sich den Theatermann Dieter Sturm, dessen Beruf mit dem Begriff „Dramaturg“ nur lächerlich unkomplett umschrieben gewesen wäre, immer mehr als das vorstellen, was als Figur sonst nur in einem Märchen seinen Auftritt gehabt hätte – zu der Zeit, als das Theaterwünschen noch geholfen hat. 

Sturm also war ein genialer Schatzhauser. Nicht verborgen „im tiefen Tann“ wie bei Wilhelm Hauff, sondern für die offen beglänzten und umgränzten Pracht- und Triumphwege der schönsten Welttheatermomente eines Peter Stein, eines Klaus Michael Grüber, eines Luc Bondy (ein bisschen noch eines Thomas Langhoff) und vor allem eines Botho Strauß.

Gerhard Stadelmaier

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/musik-und-buehne/theater/zum-tod-von-dieter-sturm-goldene-eminenz-der-schaubuehne-accg-200995861.html

Der virtuose Zuhörer

Sein Arbeitsinstrument war die Stimme, er war der Dramaturg der lebendigen Rede.

Als Dieter Sturm im Jahr 1993 den von der Zeitschrift Theater heute vergebenen Fritz-Kortner-Preis erhielt, hat der Regisseur Luc Bondy in seiner Laudatio dessen inspirierende Stimme beschrieben. Er hatte sie in Vorgesprächen und Proben oft erlebt. Es war Dieter Sturm gewesen, der ihm vorgeschlagen hatte, an der Schaubühne in Berlin „Kalldewey, Farce“ (1982) von Botho Strauß zu inszenieren, der zu einer seiner schönsten Inszenierungen beigetragen hatte, dem formvollendeten „Triumph der Liebe“ (1985) von Marivaux, in den Gärten und Ruinen eines nur scheinbar fernen Rokoko, ebenfalls an der Schaubühne.

Lothar Müller

https://www.sueddeutsche.de/kultur/dieter-sturm-schaubuehne-berlin-dramaturg-luc-bondy-peter-stein-nachruf-li.3510359?reduced=true

Mehr:

https://adk.de/mitglieder(slideout:akademie/mitglieder/dieter-sturm)?personName=sturm&page=s

https://www.berlinerfestspiele.de/en/artist/390a4c80-e418-4be1-990a-5c82a34a6d16/Dieter-Sturm

https://taz.de/Die-Schaubuehne-nach-dem-Sturm/!1535872

https://tdz.de/person/1ff8318d-ef1b-4840-86c3-0d892b6f048e

https://www.tagesschau.de/inland/regional/berlin/rbb-schaubuehnen-mitbegruender-dieter-sturm-gestorben-100.html

https://nachtkritik.de/index.php?option=com_content&view=article&id=27245:der-dramaturg-dieter-sturm-ist-gestorben&catid=126

(*) https://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Sturm

#DieterSturm #BerlinerSchaubühne #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 6. Juli 2026
  • Theater, Kabarett, Literatur

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