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19. Mai 2012

Wo Pygmäen, Roma und Toggenburger gemeinsam singen: Beim Klangfestival «Naturstimmen» 2012

Bis am 28. Mai 2012 findet das Klangfestival «Naturstimmen» zum fünften Mal statt: Chöre und Solostimmen aus zwölf Ländern der ganzen Welt treffen sich zu aussergewöhnlichen Konzerten im Toggenburg. Bis am Pfingstmontag gibt's 10 Konzerte sowie Klangkurse, Workshops, Klangerlebnisse in der Klangschmiede usw. usf.

Bild: zVg

Mix der Kulturen

Dunkler Blues und lebensfrohe Zulugesänge vermischen sich beim Festival «Naturstimmen» mit Appenzeller Stimmen; mitreissende Obertöne fusionieren mit Klängen aus Marokko, archaische Jodel von Pygmäen aus dem Kongo mit Toggenburger Naturjodel.

Das Klangfestival «Naturstimmen» bringt Chöre aus elf teilweise fernen Ländern und Kulturen mit einheimischen Sängerinnen und Sängern gemeinsam auf die Bühne. Das Publikum darf sich auf erstklassige Konzerte, einmalige Begegnungen und einzigartige Klangerlebnisse freuen.

Pygmäen aus dem Kongo

Aus insgesamt zwölf Ländern stammen die Gruppen. Besonderer Höhepunkt wird sicherlich das Konzert einer Gruppe Pygmäen aus dem Kongo. Neun Männer und Frauen aus dem Norden des Landes werden ihre archaischen Jodel und Bräuche mitbringen. Sie werden an Konzerten auftreten, andere Chöre treffen, in Workshops ihre Kultur zeigen und im direkten Kontakt mit der Bevölkerung den Austausch pflegen.

Die Musik der Pygmäen zeichnet sich durch eine Polyphonie aus, die einen Schwierigkeitsgrad besitzt, wie er in der abendländischen Musiktradition erst im 14. Jahrhundert entwickelt wurde.

Die Pygmäen verstehen sich mit einer derartigen Selbstverständlichkeit als Kollektiv, dass ihre Sprache noch nicht einmal ein Wort für «Familie» kennt. Stattdessen übernimmt der Begriff des «Lagers» die Grundlage des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Diese Denkweise spiegelt sich auch in ihrer Musik wider, da es darin keine Solisten und keine Hierarchie gibt. Egal ob Menschen, Tiere oder Geister, alle vermag die Musik zu beschwören, sie ist sozusagen eine Mittlerin zwischen der sinnlichen und der übersinnlichen Welt.

Die Gesänge der Pygmäen, insbesondere die der Aka, wurden in der «Unesco Kollektion der Musik dieser Erde» auf etwa 30 Schallplatten dokumentiert.

Ihre Musik hat grosse Ähnlichkeiten mit dem Naturjodel, ist schon ein paar tausend Jahre alt und hat auf Notenpapier nie existiert. Hohle Baumstümpfe und Äste dienen als Instrumente. Was sie singend und trommelnd darauf spielen, offenbart artistische kompositorische Qualitäten aus dem kollektiven Unterbewusstsein eines Naturvolks: Die asymmetrisch verschachtelten Rhythmen der Aka-Pygmäen gehören zu den vertracktesten, die man sich in der musikalischen Praxis denken kann.

Naturstimmen12

Bild: http://www.drs.ch/www/de/drs/nachrichten/regional/ostschweiz/340777.pygmaeen-singen-im-toggenburg.html

Hören:

http://www.drs.ch/lib/player/radio.php?audiourl=rtmp://cp23910.edgefcs.net/ondemand/mpc/Regionaljournale/Ostschweiz/2012/05/120518_klangfestival.mp3&design=drs&type=popup&type=popup&skin=srdrs

Stimmreisen

«Naturstimmen» bietet zahlreiche klangliche Reisen. Besonders freuen darf man sich auch auf die Indianerin Pura Fé, die nicht nur die Musik ihrer Vorfahren pflegt und weiterentwickelt, sondern auch dem Blues eine eindrückliche Stimme gibt. Sie steht am Eröffnungsabend zusammen mit der südafrikanischen Gruppe «Voices of Africa» und dem «Schötzechörli» aus Stein AR auf der Bühne.

Gespannt sein dürfen die Gäste beispielsweise auch auf die orientalischen Klänge von BNET Houariyat aus Marokko oder das Frauentrio Tiharea aus Madagaskar.

«cantacanti», der Chor der Kantonsschule Wattwil singt gemeinsam mit Ida Keralova und den Roma-Kindern aus Tschechien im Konzert «Junge Stimmen» und zeigt, was zwei Gruppen trotz unterschiedlichsten Kulturen, Sprachen und Lebensweisen gemeinsam erreichen können.

Ein Wiedersehen gibt es am Festival auch mit verschiedenen Solisten und Gruppen, welche an den vergangenen Festivals für Furore sorgten. Mit dabei sind wiederum der Obertonsänger Christian Zehnder, Martin O., Nadja Räss, Peter Roth oder die Gruppe Balkanes aus Rumänien. Fester Bestandteil sind die zahlreichen Toggenburger und Appenzeller Chöre.

Workshops, Kurse und Exkursionen

Das Programm wurde insbesondere zwischen den beiden Festivalwochenenden Auffahrt und Pfingsten erweitert. So kann man in mehrtägigen Klangkursen mit Pura Fé indianische Klänge kennenlernen, mit Ida Keralova Musik der Roma erleben, unter der Leitung von Andreas Keller Weidschellen schmieden, mit der New Yorker Sängerin Lisa Sokolov an der eigenen Stimmtechnik arbeiten oder einen Monochord mit dem Instrumentenbauer Heinz Bürgin bauen. Lust, das Jodeln zu lernen oder einen Tag lang Spirituals und Gospels zu singen?

Während der gesamten Woche findet zudem täglich ein Workshop zum Thema «Naturjodel» statt. Jeden Abend ab 18.30 Uhr sind Interessierte herzlich eingeladen, gemeinsam zu singen.

Der Besuch der Veranstaltung «Einstimmen» in der evangelischen Kirche in Alt St.Johann ist gratis. Daneben laden die Veranstalter zu weiteren Veranstaltungen wie Referaten, Workshops usw. ein. Vor und nach den Konzerten treffen sich Festivalbesucherinnen und -besucher im grossen Saal der Propstei oder im «Klangtreff» im Keller der Propstei.

Jodelsymposium

Zum zweiten Mal findet im Rahmen des Klangfestivals «Naturstimmen» das dritte Jodelsymposium statt. Die Schwerpunkte sind einerseits dem Jodeln in der Schweiz, aber auch dem Jodeln in Österreich gewidmet. Ein weiteres Thema ist der Brauch des Silvesterchlausens und dessen Naturjodel. In Gebirgsregionen wie im Toggenburg, im Muotathal (Kanton Schwyz), im Appenzellerland oder auch im Berner Oberland wird intensiv gesungen und vor allem gejodelt. In den unterschiedlichen Regionen gibt es zahlreiche Gemeinsamkeiten, aber auch Eigenheiten. Das Jodelsymposium möchte diesen auf den Grund gehen.

Diese Veranstaltung findet am Freitag, 25. und Samstag, 26. Mai 2012 statt und ist für alle Interessierte geeignet, ob Laien oder Sänger.

-> Details

mgt 

Programm:

http://klangwelt.ch/programm.html

Kontakt:

http://klangwelt.ch/festival.html

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 19. Mai 2012
  • Feste / Festivals / Messen / Börsen

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