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23. März 2014

Pläne, Modelle, Briefe, Bronzen und mehr von LUGINBÜHL

Altes Schlachthaus Burgdorf: Ausstellung «BERNHARD LUGINBÜHL», bis am 23. November 2014. Der Schwerpunkt der Ausstellung gilt den Plänen, Modellen, der Druckgrafik, den Schriftblättern, Briefen und Bronzen von Bernhard Luginbühl, der dieses Jahr seinen 85. Geburtstag hätte feiern können.

Bild: http://www.luginbuehlbernhard.ch/museum/

Textauszug von Peter Baum

«Dem Meister des künstlerischen Recyclings fehlte es weder an bildnerischer Intelligenz, noch an Improvisationsvermögen oder Humor. Was immer er machte – in allen nur erdenklichen Massstäben, Techniken und Materialien – ist stets Ergebnis eines komplexen, zwischen Chaos und Ordnung vermittelnden Zugriffs, bei dem die Balance von Intuition und Intellekt, expressiver Kraft und hoher Sensibilität einfach stimmt.

Der schier unerschöpfliche Fundus dessen, was Luginbühl an Materialien in den Lagern seiner Bauernhöfe in Mötschwil vorfand oder sich anderswo mit Lust und Spürsinn beschaffte, bildet die Basis eines künstlerischen Gesamtwerks, das nicht zuletzt Wirkung und Ausstrahlung als poetisch inspirierte Gegenwelt heutigem Kunstkalkül und Rationalismus entgegensetzt.

Fast alles, woraus Luginbühls Plastiken und Ensembles bestehen, sind ausrangierte, weggeworfene Gegenstände und Materialien: die reiche Ernte unorthodoxer Beutezüge in den Ausgedingen des Industriezeitalters und der Wegwerfgesellschaft.

Mit neuen Arbeiten und ganzen Werkgruppen hat der Künstler selbst seine besten Kenner und Freunde immer wieder zu überraschen verstanden und aus den üblichen Sehgewohnheiten herausgerissen. Er hat Eisen und Schrott wiederholt durch Holz ersetzt (so in den späten1980er-Jahren) und diesem all das entlockt, was an Eigenschaften und Eigenheiten, an Farbtönen, Maserungen und Polituren, Gedrechseltem und Gebeiztem, Gebogenem, Kurvigem und Rechtwinkeligem, Hellem und Dunklem in diesem, dem Menschen am nächsten stehenden Werkstoff, alles enthalten ist.

Sein druckgraphisches Oeuvre – meist Radierungen und Lithographien – ist gross und imponierend. Ohne Probe-, Zustandsdrucke und Plakate umfasst es allein mehr als 300 Nummern. Der bei Hatje erschienene Werkkatalog, herausgegeben von der ETH Zürich zur Ausstellung 1996, umfasst alles Druckgraphische, was Luginbühl von 1945 bis 1996 geschaffen hat.

Legion sind Luginbühls Zeichnungen und Skizzen in allen Grössen, die unnachahmlichen handschriftlichen Briefe, ihre Verkettungen von Schrift und Bild, Anweisungen und Mitteilungen.

Ein in Stahlplatten eingehängter Lose-Blatt-Katalog zur Luginbühl-Ausstellung 1972 in der Nationalgalerie in Berlin bzw. dem Kunsthaus Zürich (mit Vorworten von Werner Haftmann und Felix Andreas Baumann) gibt 110 für diesen Anlass extra gezeichnete Skizzen der ausgestellten Plastiken wieder. Die bibliophile, metallophile Rarität im handlichen Format von 17 x 18 x 4.5 cm, gesteckt in einen dicken Kartonschuber mit Lüftungsloch, ist voller Einfälle und dabei ebenso unterhaltsam wie informativ. Sie ist ein schönes Beispiel für das Kunstverständnis ihres Autors, für den inspirierten, liebevollen Umgang des sensiblen Künstlers mit all dem, was er für sein Werk benötigte, um damit der Welt ein Mehr an Sinnfälligkeit, Harmonie und künstlerischem Selbstverständnis zu schenken.»

Kontakt:

http://www.luginbuehlbernhard.ch/museum/

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 23. März 2014
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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