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2. November 2018

VALENTINA STIEGER: «INDOOR LIFE» / RENATO LEOTTA: «EINE SANDSAMMLUNG»

Ausstellungen in der Kunst Halle Sankt Gallen, bis am 2. Dezember 2018

Bild: Valentina Stieger, Ausstellungsansicht, Another Ambient System, 2018 (Detail); Casted Conditions, 2018 (Detail) – Courtesy: die Künstlerin und Stampa, Basel – Foto: Kunst Halle Sankt Gallen, Gunnar Meier

Mit «Indoor Life» von Valentina Stieger und «Eine Sandsammlung» von Renato Leotta zeigt die Kunst Halle Sankt Gallen zwei parallel laufende Ausstellungen von Kunstschaffenden, die sich auf unterschiedliche Art und Weise mit dem Thema Skulptur auseinandersetzen.

Die St.Gallerin Valentina Stieger (*1980) ist für ihre installativen und skulpturalen Werke bekannt, die zu Neuinterpretationen von Gewöhnlichem führen. Die Künstlerin setzt sich sowohl mit skulpturalen Fragen des Post-Minimalismus als auch mit ganz banalen Geschmacksfragen des Alltags auseinander. Es entstehen aussergewöhnliche Formen und Momente, die sich in spannungsgeladenen und präzisen Rauminstallationen manifestieren.

Für die Ausstellung «Indoor Life» in der Kunst Halle Sankt Gallen entwickelte Valentina Stieger ihre Werkserie Harmony Triumphs Again weiter und adaptierte diese an die räumlichen Gegebenheiten. Filigrane Metallgestelle, die in ihrer Form und Dimension an Tische erinnern, erstrecken sich genauestens austariert durch die Ausstellungsräume entlang des Bodens und der Wände. Hier bilden sie fast ein dreidimensionales Koordinatensystem, das zur Orientierung dient, gleichzeitig aber sofort dekonstruiert wird.

Innerhalb eines fixen Sets an Grössen und Verhältnissen spielt Stieger mit den verschiedenen Möglichkeiten der Zusammensetzung und erschafft so Objekte, die zwar noch an Möbel erinnern, aber längst zu eigenständigen Skulpturen geworden sind. Bewusst weisen die Objekte dieselbe Höhe auf wie Absperrungen vor Kunstwerken in Museen, stellenweise wirken sie auch wie Geländer, welche die BesucherInnen durch die Ausstellung leiten.

An die Metallgestelle gebundene Wachsobjekte fungieren als Abstrahierung von Kerzen. Indem Stieger ihnen bewusst eine dominante Rolle im Raum gibt, sind sie mehr als nur reine Dekorationselemente. Bewusst spielt die Künstlerin mit Materialitäten, Beschaffenheiten, Oberflächen und deren Wirkungen. «Indoor Life» projiziert die BetrachterInnen in einen Raum, der zwischen privatem Heim und Repräsentationskontexten wie Boutiquen, Kaufhäusern und Museen schwebt.

Das Werk von Renato Leotta (*1982) ist stark mit seinem Herkunftsort Sizilien verbunden. Hier realisiert er seine Arbeiten, die oft wortwörtlich Aufnahmen der sizilianischen Natur sind. Ob vulkanischer Sand, Meerwasser oder das Licht von Glühwürmchen – Leotta benutzt die Natur als Ausgangspunkt, um Kunstwerke zu schaffen, die mit Leichtigkeit minimalistische Formensprache und Poesie kombinieren.

Leottas Ausstellung «Eine Sandsammlung» in der Kunst Halle Sankt Gallen zeigt eine Art skulpturales Archiv von Meeresspuren im Sand. Der Versuch Leottas, den Moment des Auftreffens der Wellen auf dem Strand festzuhalten, kann als typisch für die Arbeitsweise des sizilianischen Künstlers betrachtet werden, der die natürliche Umgebung seiner Heimat immer wieder in poetischen Formen in einen Kunstkontext verschiebt.

Für dieses Projekt besuchte der Künstler verschiedene Strände Siziliens, um dort die Begegnungen von Wellen und Strand festzuhalten. Direkt vor Ort realisierte er Abgüsse mit Gips und sammelte andere Materialien wie Sand, Steine oder Muscheln. In der Kunst Halle Sankt Gallen werden diese Fundstücke in einem Display ausgestellt, das den archivarischen Gedanken unterstreichen soll, eine genaue und komplexe Kartografie bildet und gleichzeitig die Unmöglichkeit dieses künstlerischen Unterfangens aufzeigt.

khsg

Kontakt:

http://www.kunsthallesanktgallen.ch/de/ausstellungen/aktuell.html

renato leotta

Bild: Renato Leotta, Gipsoteca (Patti), 2018; Gipsoteca (Eolie), 2017 – Courtesy: the artist; Galleria Fonti, Naples; Galeria Madragoa, Lisbon – Foto: Kunst Halle Sankt Gallen, Gunnar Meier

 

 

 

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 2. November 2018
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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