8. April 2012
Wenn der Computer den Menschen bedient
Neues Modul in der Dauerausstellung im Museum für Kommunikation, Bern: «Wohnzimmer der Zukunft»

Bild: Die smarte Liege bietet sowohl ein Entspannungsprogramm, wie auch einen medizinischen Check an – Foto: © Museum für Kommunikation / Hannes Saxer (zur Vergrösserung anklickbar)
Das Museum für Kommunikation zeigt das neue Ausstellungsmodul «Wohnzimmer der Zukunft». Es präsentiert eine futuristische Wohnsituation im Jahr 2032 und schliesst die Dauerausstellung «As Time Goes Byte: Computergeschichte und digitale Kultur» ab.
Digitale und reale Welt rücken in dieser Stube noch näher zusammen. Die Computer der Zukunft sind überall in Räumen und Gegenständen integriert und tauschen Informationen aus. Wie es sich mit solchen intelligenten Möbeln lebt, zeigt die neue begehbare Installation. Das «Wohnzimmer der Zukunft» entstand aus einem Forschungsprojekt zusammen mit der Hochschule für Gestaltung und Kunst, Fachhochschule Nordwestschweiz, Basel, und wurde durch die KTI gefördert.
Kaum eine andere Innovation hat unser Leben in den letzten 50 Jahren stärker verändert als der Computer. Die digitalen Technologien haben in dieser Zeit nicht nur das Rechnen einfacher gemacht, sie durchdringen mittlerweile alle Bereiche unseres Alltags.
Besonders stark betroffen ist der Bereich der Kommunikation: Seit mehr als 20 Jahren prägen die digitalen Technologien die Kommunikation nachhaltig und haben sie mit immenser Geschwindigkeit verändert. Die Dauerausstellung «As Time Goes Byte» im Museum für Kommunikation gibt einen umfassenden und in der Schweiz einmaligen Überblick über die Computergeschichte und die digitale Kultur. Auf rund 600 m2 wird die Computerentwicklung der letzten 50 Jahre vom Grossrechner für Spezialisten zur allgegenwärtigen Maschine für alle und alles aufgezeigt.
Wie geht diese Entwicklung weiter? Das Museum für Kommunikation wagt einen Blick voraus und zeigt mit dem neuen Ausstellungsmodul «Wohnzimmer der Zukunft» eine mögliche Zukunft in 20 Jahren.
Das Wohnzimmer ist auch ein Computer
Digitale und reale Welt rücken in dieser Stube noch näher zusammen: Die Computer der Zukunft befinden sich überall verteilt in den Räumen und Gegenständen und sind miteinander vernetzt (Ubiquitous Computing). Sie kennen die Bedürfnisse der Menschen und stellen jederzeit massgeschneiderte Informationen zur Verfügung. Jeder Gegenstand in diesem modernen Wohnzimmer ist gleichzeitig Teil des Netzwerks.
Anders als herkömmliche Ausstellungen zu Zukunftsszenarien macht das «Wohnzimmer der Zukunft» diese Vision sinnlich erfahrbar. Die Stube ist als sogenannter «Tangible Info Space» aufgebaut, so dass die Interaktion mit den Computern mit dem ganzen Körper möglich ist. Besucherinnen und Besucher können die Einrichtungselemente ausprobieren und werden in das Geschehen im Raum miteinbezogen.
Intelligenter Tisch und smarte Liege
Ist das «Wohnzimmer der Zukunft» leer, befindet es sich in einem Schlummerzustand. Erst mit dem Eintritt der Besucher beginnt es zu leben. Zentrum des Haussystems ist «Ubiquax», das über eine Infowand mit dem Publikum in Kontakt tritt. Zugleich sind über die Infowand Nachrichten, Umwelt- und Haustechnikdaten abrufbar. Eine Liege lädt zur Entspannung ein. Mit dem ersten Körperkontakt verwandelt sich das schlichte Sofa in eine smarte Liege, die sowohl ein Entspannungsprogramm wie auch einen (fiktiven) medizinischen Check anbietet. Das daraus erstellte Gesundheitsprofil ist anschliessend Grundlage für Menuempfehlungen, die der interaktive Tisch den Besucherinnen und Besuchern vorschlägt.
Ein Bild an der Wand entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Blick durch eine Überwachungskamera, die die Grossmutter der (fiktiven) Bewohner im Auge behält. Nicht fehlen darf ein Haushaltroboter. Im «Wohnzimmer der Zukunft» ist er allerdings defekt und versucht sich selber zu reparieren
Praktische Umsetzung eines KTI-Projekts
In dieser Umsetzung dient der futuristische Raum als neuer Abschluss der bestehenden Dauerausstellung «As Time Goes Byte: Computergeschichte und digitale Kultur» und zugleich als Fenster in die Zukunft. Entstanden ist das «Wohnzimmer der Zukunft» basierend auf Grundlagen aus dem Forschungsprojekt «Zukunft vermitteln in Ausstellungen», das durch die Kommission für Technologie und Innovation des Bundes (KTI) gefördert wurde. Als Forschungspartner zeichnet darin das Institut Design und Kunstforschung der Hochschule für Gestaltung und Kunst, Fachhochschule Nordwestschweiz, Basel, verantwortlich. Das Museum für Kommunikation war in diesem Forschungsprojekt Hauptwirtschaftspartner und hatte die Projektleitung inne. Als weitere Wirtschaftspartner beteiligten sich die beiden Basler Firmen element GmbH und iart interactive.
mfg
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Kommentare von Daniel Leutenegger