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25. November 2010

Mehrere wichtige Nachlässe und Sammlungen neu im Schweizerischen Literaturarchiv

Das Schweizerische Literaturarchiv (SLA) erwarb dieses Jahr mehrere wichtige Nachlässe und Sammlungen. Die Archive der Autoren Matthias Zschokke (Bild) und Jürgen Theobaldy, der Nachlass von Beatrice und Otto Tschumi gehören ebenso dazu wie Teilnachlässe von Gilberte Favre, Peider Lansel und Alberto Nessi.

Bild: Matthias Zschokke, März 2010 © Charly Rappo

Der Filmemacher und Schriftsteller Matthias Zschokke (geb. 1954 in Bern) lebt seit 1980 in Berlin. Seinen bisher grössten Erfolg feierte der Nachfahre des liberalen Theologen und Schriftstellers Heinrich Zschokke (1771­-1848) mit dem Roman «Maurice mit Huhn», der im Jahr 2006 den Solothurner Literaturpreis erhielt. Dessen französische Übersetzung, «Maurice à la poule», wurde 2009 als erster deutschsprachiger Text überhaupt mit dem renommierten französischen «Prix Femina Étranger» ausgezeichnet. Dem Schweizerischen Literaturarchiv (SLA) übergibt der ausgebildete Schauspieler Zschokke Typoskripte aller seiner Texte, Fassungen seiner Film- und Theaterprojekte sowie dokumentarisches und audiovisuelles Material zum literarischen Werk. Einen umfangreichen Teil mit privater und beruflicher Korrespondenz aus über zwanzig Jahren und eine bedeutende Dokumentation zum Schaffen und zur Rezeption des Autors hat sein Freund Niels Höpfner in Köln gesammelt und dem SLA übergeben. 

Peider Lansel

Peider Lansel (1863-1943), der Lyriker aus Sent, der in Genf wohnte und in Italien arbeitete, hat viel Zeit und einen respektablen Teil seines Vermögens der Pflege und Dokumentation der romanischen Sprache und Kultur gewidmet. 1938 war Lansel ein wichtiger Promotor für die Annahme des Romanischen als vierte Landessprache. 1933 erhielt er einen Ehrendoktor der Universität Zürich und 1943 als bisher einziger Rätoromane den Grossen Schillerpreis. Das SLA übernahm ab 1991 den Teilnachlass in den Materialien von Lansels Herausgeber Andri Peer, seit 2010 erscheint er als eigener Bestand und umfasst neben Vorarbeiten und kritischen Schriften zum literarischen Werk publizistische Texte und Vorträge, Übersetzungen, Korrespondenzen und einige Lebensdokumente.

Jürgen Theobaldy

Jürgen Theobaldys in unzähligen Arbeitsschritten verdichtete Lyrik wurde ins Französische, Englische, Spanische, Ungarische, Chinesische und Japanische übersetzt. Die Romane und Erzählbände des in Bern ansässigen Autors (geb. 1944 in Strassburg) weisen ihn als Seismograph der drei grossen Jugendbewegungen der 50er, 68er und 80er Jahre aus. Letzte Woche erhielt Jürgen Theobaldy das «Weiterschreiben»-Hauptstipendium der Literaturkommission Bern. Sein Archiv umfasst neben den Typoskripten aller zwölf Gedichtbände und der Manuskripte seiner Romane die Verlagskorrespondenz mit bedeutenden Autoren wie Nicolas Born, Friedrich Christian Delius und Hugo Dittberner sowie einzelne Briefe von Rolf Dieter Brinkmann, Peter Handke, Ursula Krechel, Jürg Laederach und Christoph Meckel.

Beatrice und Otto Tschumi

Durch eine Schenkung der Beatrice und Otto Tschumi Stiftung gelangte der schriftliche Nachlass von Beatrice und Otto Tschumi 2009 in den Besitz des SLA. Der Kunstmaler, Grafiker und Autor Otto Tschumi (1904 – 1985) gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des Surrealismus in der Schweiz. 1932 heiratete er die Tänzerin Beatrice Gutekunst (1901 – 2000), die zuvor während sechs Jahren mit dem Schweizer Schriftsteller Friedrich Glauser liiert gewesen war. Das Archiv beinhaltet in erster Linie Korrespondenz zwischen den Eheleuten und mit den Eltern, wie auch Briefe von/an Hans und Sophie Arp, Max Bill, Hermann Hesse, Meret Oppenheim und Daniel Spoerri. Weiter umfasst es Manuskripte und Typoskripte des literarischen Werks von Otto Tschumi. Von seinem bildnerischen Schaffen zeugen eine Sammlung von Kritiken, Werkfotografien und Arbeitsutensilien.

Gilberte Favre, Alberto Nessi

Aus der Romandie gab die Schriftstellerin und Autorin Gilberte Favre einen Teil ihrer Korrespondenz ins SLA. Diese enthält unter anderem Briefe von Maurice Chappaz, S. Corinna Bille, Georges Borgeaud und Bertil Galland, deren Nachlässe sich alle im SLA befinden. Bekannt geworden ist die 1945 in Sitten geborene Favre vor allem als Autorin einer Biographie von S. Corinna Bille («Corinna Bille, le vrai conte de sa vie», 1981).

Aus der italienischen Schweiz hat das SLA das reichhaltige Archiv von Alberto Nessi übernommen: Der 1940 in Mendrisio geborene Nessi ist als Dichter, Erzähler, als engagierter Lehrer und Publizist auf regionaler und nationaler Ebene bekannt. Sein Archiv beinhaltet die Werkmanuskripte und die Dokumentation zu Leben und Werk sowie eine reichhaltige Korrespondenz. Nessi ist zudem Autor von Hörspielen und hat bei einigen Filmproduktionen mitgearbeitet, die ebenfalls dokumentiert sind.

sla

Kontakt:

PD Dr. Irmgard Wirtz Eybl

Leiterin des Schweizerischen Literaturarchivs
Tel.: 031 322 89 72
E-Mail: irmgard.wirtz@nb.admin.ch


Schweizerische Nationalbibliothek

Internet: http://www.nb.admin.ch

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 25. November 2010
  • Theater, Kabarett, Literatur

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