3. August 2021
«ÄÄS GO ZÜCHE – WIRTSHÄUSER IM APPENZELLERLAND»
Ausstellung im Museum Herisau, bis am 30. Dezember 2021

Foto: © https://museumherisau.ch/
An öffentlichen Orten gemeinsam zu trinken, zu essen, sich zu unterhalten oder zu spielen, ist ein uralter Brauch. Wirtshäuser sind wichtige Kommunikationszentren. Vor 110 Jahren gab es in Trogen pro 78 EinwohnerInnen ein Wirtshaus, in Waldstatt gar eines pro 59. Heute wird vom Beizensterben geredet. Die aktuelle Situation zeigt, wie verletzlich die Branche ist. Die Ausstellung vermittelt Einblicke in die Entwicklung der Beizen im Appenzellerland.
Die Wirtshausdichte in Appenzell Ausserrhoden war früher besonders hoch – und sie ist es trotz Beizensterben auch heute noch. Für die verstreut im Hügelland wohnenden Leute sind soziale Treffpunkte wichtig. Es gab Herren-, Bauern- und Gewerblerbeizen, später auch solche für die Büezer. Im 18. Jahrhundert war der Politiker gerne Wirt, um informiert zu sein. Mit der Entstehung von Lesegesellschaften und Vereinen wurden die angeschriebenen Häuser im 19. Jahrhundert zu Orten, wo sich bestimmte Kreise regelmässig treffen. Das «Säli» wurde zum wichtigen Attribut vieler Wirtschaften. Im frühen 20. Jahrhundert erlaubten Cafés und alkoholfreie Häuser auch Frauen den Wirtschaftsbesuch.
«Tafere, Beiz, Restaurant, Bar, Pizzeria …» – der Bezeichnungen sind und waren viele. Jede Wirtschaft ist anders. Und doch gibt es Entwicklungen und Trends. Bis vor hundert Jahren unterschied man zwischen Schild- und Reifwirtschaften (Speisewirtschaften und Pintenschenken). Um 1810 ergänzten Bierbrauereien das Angebot, später Gartenwirtschaften und Berggasthäuer, um 1900 alkoholfreie Restaurants und Cafés. Ab den 1960er-Jahren mischen die «ethnische» Gastronomie (Pizzeria, Thai-Küche, Döner etc.), Bars und Nachtclubs die Szene auf.
Zum Wirten braucht es seit Jahrhunderten eine Bewilligung. Wirte waren dazu verpflichtet, alle Gäste zu bedienen. Wer sich etwas zu Schulden kommen liess, wurde häufig mit einem Wirtshausverbot bestraft. Dieses wurde bis 1940 im Amtsblatt publiziert.
mh
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Kommentare von Daniel Leutenegger