Ausstellung im Kunstmuseum Luzern, bis am 5. Februar 2023

Bild: Ausstellungsansicht «zentral!», Kunstmuseum Luzern, 2022, mit Werken von Vera Baumann, Benjamin Heller & Simon Iten und Maria Zgraggen – Foto: Marc Latzel
Einmal im Jahr laden die Zentralschweizer KünstlerInnen mit der Ausstellung «zentral!» zum Stelldichein. Dann heisst es: «Wir sind zentral!» Die Ausstellung zeigt aktuelle Werke aus der Region in der Region, ausgewählt von einer überregionalen Fachjury.
Aktuelle Tendenzen der zeitgenössischen Kunst werden ebenso aufgegriffen wie Eigenheiten des lokalen Kunstschaffens. «zentral!» ist eine Plattform mit Ausstrahlung und Tradition, ein Kosmos, der über den regionalen Tellerrand hinausreicht, sowie eine Talentschmiede.
Die fünfköpfige Jury wählte dieses Jahr aus 185 eingereichten Dossiers 25 künstlerische Positionen aus allen Zentralschweizer Kantonen aus. Die ausgewählten KünstlerInnen sind zwischen 1949 und 1997 geboren und stehen für ein vielfältiges, generationenübergreifendes Kunstschaffen.
Timo Ullmann und Marco Baltisberger befestigten an einem Wetterballon eine E-Gitarre und schickten sie hinauf in die Stratosphäre. Ausgestattet mit Aufnahmegeräten und vom Wind zum Klingen gebracht, zeugt die Tonspur von einem für die menschliche Wahrnehmung unbekannten Raum zwischen Erdoberfläche und Weltall.
Die zwölf Kinderkappen von Anouk Koch sind jeweils mit einem Buchstaben bestickt, aufgereiht ergeben sie die Worte «Future Scars». Die roten Baseballcaps erzählen von unserem Wunsch, Kinder schützen und vor zukünftigen Verletzungen bewahren zu wollen.
In der Videoarbeit «Effeuiller la marguerite» (Gänseblümchen entblättern) zeigt Lotta Gadola die Nahaufnahme einer Brustwarze. Mit einer Pinzette werden im Uhrzeigersinn Brusthaare gezupft. Die Leichtigkeit des Titels kontrastiert dabei mit dem Schmerz der Handlung und den Gefühlen der ZuschauerInnen.
Auch Pascale Eberles Serie «my endemotriosis» (Meine Endemetriose) handelt von Schmerz: In grossformatigen Malereien thematisiert die Künstlerin ihre eigene Krankheit.
Doris Dehan Son untersucht mit ihrer Installation «perfectly cooked» (perfekt gekocht) den Einfluss von banalen Alltagsobjekten der koreanischen Kultur auf ihre eigene Identität. So greift eine überdimensionierte Nudelsuppe gefährlich in den Raum aus und wird mit ihren Nudeltentakeln zum Fetisch.
Martina M. Mächler reagiert mit Sprache auf die Architektur des Museums und der Ausstellung. Ihre kurzen, mit transparenter Farbe gemalten Texte sind in der Ich-Perspektive verfasst und erzählen von der Beziehung traumatischer Erlebnisse und der Durchlässigkeit von Wörtern.
KünstlerInnen:
Olivia Abächerli, Elvira Bättig, Patrick Blank, Jonas Burkhalter, Doris Dehan Son, Pascale Eiberle, Tatjana Erpen, Lotta Gadola, GANG, Stefan Gritsch, Vera Baumann & Benjamin Heller & Simon Iten, Stephanie Hess, Joerg Hurschler, Patricia Jacomella Bonola, Thomas Joller, Anouk Koch, Lipp & Leuthold, Martina M. Mähler, Barbara Mühlefluh, Irene Naef, Fiona Rafferty, Pascal Sterchi, Tim Ullmann & Marco Baltisberger, Rolf Winnewisser, Maria Zgraggen
Jury:
Alexandra Blätter, Sammlungskonservatorin Kunstmuseum Luzern; Mischa Camenzind, Kurator und Künstler; Sabine Gebhardt Fink, Leiterin Master of Arts in Fine Arts und Dozentin HSLU Design & Kunst; Samuel Herzog, Journalist und Künstler; Dominic Michel, Künstler
Kuratiert von Alexandra Blättler
kml
Kontakt:
https://www.kunstmuseumluzern.ch/
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Kommentare von Daniel Leutenegger