Ausstellung im Kunstmuseum Luzern, bis am 5. Februar 2023: Ramon Hungerbühler hat den Preis der Kunstgesellschaft Luzern 2021 gewonnen, mit dem die Ausstellung «Solo» im Folgejahr verbunden ist. Der in Zug aufgewachsene und in Zürich lebende Künstler präsentiert nun seine Einzelausstellung im Kunstmuseum Luzern.

Bild: Ramon Hungerbühler, Schnecke cool, 2022 – Foto: Marc Latzel, Courtesy of the artist
Mit Zigarette im Mund und verschmitzt lächelnd kriecht eine bunte Schnecke über die Leinwand und blickt gierig auf einen übergrossen Lippenstift der Marke Chanel. Was soll das? Konsumkritik oder verspielte Malerei, in der die unmöglichsten Gegenstände aufeinandertreffen?
Ramon Hungerbühler greift in seinem Werk bekannte Motive und Stile auf. So reflektiert er die Geschichte der Malerei ebenso wie die digitale Bilderwelt des Internets. Bunte, flächig aufgetragene Farben und Markennamen verweisen auf die Konsumkultur und sind von Pop–Art und Comic inspiriert.
Gemälde von Holzbrettern, die lose an der Wand lehnen, wollen gar nicht erst einem echten Holzbrett gleichen. Vielmehr zitieren sie mit ihrer stilisierten Maserung Holzbretter, wie sie in Comics dargestellt werden.
Auch der durch die Schrägstellung sichtbare Keilrahmen unterläuft die Illusion. Die Mimesis, die Nachahmung der Wirklichkeit, war seit der Antike eine der Hauptaufgaben der Malerei. Lange deckten sich die Motive der Malerei mit der äusseren Realität: Landschaften, Menschen, Gegenstände, Szenen. Bei Ramon Hungerbühler bekommt die Mimesis eine neue Bedeutung, denn längst ist die Realität auch virtuell und diese funktioniert nach eigenen Gesetzen.
Ramon Hungerbühler interessiert sich in seiner künstlerischen Arbeit für digitale Phänomene, die er mit klassischen, analogen Medien wie Malerei und Skulptur reflektiert. Zum Beispiel «Memes«: digitale Bilder, die von der Netzgemeinschaft unzählige Male wiederholt, kopiert, rekombiniert und mit neuer Bedeutung versehen werden. Ein Meme ist umso erfolgreicher, je mehr es kopiert und weitergereicht wird. Ästhetik spielt dabei eine Nebenrolle, die Bildbotschaft muss einfach und allgemeinverständlich sein und eine witzige Pointe enthalten.
Bei diesem unübersichtlichen Prozess der kollektiven Bildproduktion überrascht es wenig, wenn eine rauchende Schnecke auf einen Lippenstift trifft: Plötzlich wird aus Unsinn Sinn.
Dieser schmale Grat der Bedeutungsverschiebungen treibt Ramon Hungerbühler als Künstler an. Genauso wie der digitalen Welt bedient er sich dabei der Kunstgeschichte. Seine monochromen, gepunkteten Bilder erinnern an die konstruktiv–konkrete Malerei. Doch wenn nur noch ein gelber Punkt auf blauem Grund zu sehen ist, assoziieren wir sogleich einen Mond am Nachthimmel. Oder hat sich der Punkt hier einfach verirrt? In Ramon Hungerbühlers Kunst ist vieles möglich.
Ramon Hungerbühler hat den Preis der Kunstgesellschaft Luzern 2021 gewonnen, mit dem die Ausstellung «Solo» im Folgejahr verbunden ist. Der in Zug aufgewachsene und in Zürich lebende Künstler präsentiert nun die Einzelausstellung «Solo» im Kunstmuseum Luzern.
Parallel dazu findet im Offspace Marytwo in Luzern eine zweite, unabhängige Einzelausstellung statt, die im Dialog zwischen Laura Breitschmid und Ramon Hungerbühler entsteht und vom Künstler kuratiert wird.
Kuratiert von Laura Breitschmid
kml
Kontakt:
https://www.kunstmuseumluzern.ch/
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Kommentare von Daniel Leutenegger