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11. Juli 2023

«AKRIS. MODE. SELBSTVERSTÄNDLICH»

Ausstellung im Museum für Gestaltung Zürich, Ausstellungsstrasse 60, bis am 24. September 2023

Bild oben: Akris, Albert Kriemler x Geta Brătescu, Wink Druck, Backstage–Aufnahme, Frühling/Sommer 2019, © Foto: Akris

Innovative Stoff–Kreationen, zeitlos moderne Entwürfe und überraschende Kollektionen, die immer wieder auf die Kunst oder Architektur verweisen: Als einziges Schweizer Modehaus an der Paris Fashion Week fällt Akris mit einem feinen Kantengang zwischen Zeitgeist und Eigenständigkeit, zwischen Experiment und Tradition auf. Die Ausstellung «Akris. Mode. selbstverständlich» am Museum für Gestaltung Zürich lädt dazu ein, in die künstlerisch inspirierten Kollektionswelten des Designers Albert Kriemler einzutauchen. Darüber hinaus gibt sie einen Einblick in die anspruchsvollen handwerklichen und technischen Prozesse des Hauses.

Die Ausstellung «Akris. Mode. selbstverständlich» verortet ein Geheimnis des Erfolgs des Schweizer Modeunternehmens im Dialog von Albert Kriemler mit anderen Kreativen. Im Zentrum der grossen Ausstellung stehen deshalb die künstlerischen Welten, welche die Kollektionen der letzten rund zehn Jahre inspirierten. Nicht zufällig sind die Inspirationen durch KünstlerInnen und die intensive Auseinandersetzung mit Kunst, Architektur, Grafik oder Fotografie Teil seiner Handschrift und zu einem Markenzeichen von Akris geworden.

Albert Kriemler sucht den Austausch mit Arbeiten von Imi Knoebel (Frühjahr/Sommer 2021) und Carmen Herrera (Frühling/Sommer 2017), Fotoserien von Thomas Ruff (Herbst/Winter 2014) oder mit der Architektur von Sou Fujimoto (Frühling/Sommer 2016). Das Faszinierende an dieser Zusammenarbeit ist, dass die zitierten Werke nie aufgesetzt wirken, es geht nicht um die simple Übertragung auf Stoff, vielmehr geht es darum, Mode bezüglich Haptik, Schnitt, Druck und Erscheinung neu zu denken. Konkret handelt es sich beispielsweise um Stoff– oder Technologie–Entwicklungen, die analog zu den Werken Thomas Ruffs einen 3D–Effekt auf federleichte, seidene Regenmäntel bringen. Oder Stickereien, die an die geometrische Gitterstruktur von Fujimotos Serpentine Pavilion erinnern, in der Bewegung aber eine subtile, feminine Ausstrahlung durch Verarbeitung und Schnitt herbeiführen.

Akris, Albert Kriemler x Reinhard Voigt, Drei Teile Druck auf Doubleface Wollstoff (Vor- dergrund), © Kunstwerk: Reinhard Voigt, Drei Teile, 1976/77 (Hintergrund), Editorial,  Herbst/Winter 2022, © Foto: Akris

Bild: Akris, Albert Kriemler x Reinhard Voigt, Drei Teile Druck auf Doubleface Wollstoff (Vordergrund), © Kunstwerk: Reinhard Voigt, Drei Teile, 1976/77 (Hintergrund), Editorial, Herbst/Winter 2022, © Foto: Akris 

Szenografische Schnittmuster

«Akris. Mode. selbstverständlich» inszeniert zwölf Inspirationswelten und Kollektionen aus den Jahren 2009 bis 2022. Hier treffen die Kleidungsstücke auf ihr künstlerisches, fotografisches oder filmisches Gegenüber. Annähernd 100 ausgewählte Looks werden präsentiert vor grossformatigen Originalen des deutschen Malers Reinhard Voigt, vor Steinskulpturen des schottischen Künstlers und konkreten Poeten Ian Hamilton Finlay oder Collagen der rumänischen Künstlerin Geta Brătescu. 

Der Zutritt zur Ausstellung erfolgt durch ein Trapez. Es steht als visuelle Metapher für den Buchstaben «A« in Alice, der Gründerin des Hauses, Akris oder Albert. Das Trapez ist die oft erst auf den zweiten Blick erscheinende, prägende Form des Hauses. Es findet sich in allen Kollektionen wieder − von Verschlüssen und Stickereien bis hin zu Schnittlinien und der Silhouette der einzigartigen Ai–Tasche. Auch die Szenografie spielt mit dem Motiv sowie mit dem Material Papier und gibt so immer wieder neue, überraschende Einblicke in die Ausstellung frei.

Zahlreiche Videos und Projektionen ergänzen und kommentieren die Looks und Originalwerke. Sie vermitteln einen Eindruck und erzählen die Geschichte von der Zusammenarbeit zwischen dem Designer, seinem Team und dem kreativen Gegenüber.

Das Handwerk und die Schweizer Exzellenz

Zudem gewährt die Ausstellung Einblick ins einzigartige Savoir–faire des Modehauses, die feine Verarbeitung und die aufwändige Handarbeit, welche die Kollektionen kennzeichnen. Was versteht man unter Digitalprint, St.Galler–Stickerei oder Doubleface? Wie wird mit Rosshaar, Hightech–Stoffen und Farben experimentiert?

«Akris. Mode. selbstverständlich» beleuchtet damit die Inspiration und das Handwerk, aus dem das Bild der Mode jede Saison von neuem entsteht, das auf dem Laufsteg in Paris, der Weltmetropole der Mode, präsentiert wird.

Eine Frau, eine Schürze, eine Vision

Nur wenige Modehäuser blicken auf eine 100–jährige Familientradition zurück. Der Name Akris ist eine spielerische Ableitung aus dem Namen Alice Kriemler–Schoch, der Grossmutter der heutigen Eigentümer. Als junge Frau und eben Mutter geworden, gründete sie 1922 in St.Gallen ihr eigenes Unternehmen. In ihrem Atelier beschäftigte sie junge Näherinnen, die Schürzen mit Stickerei fertigten.

Vor hundert Jahren waren Schürzen Teil der Garderobe einer jeder Frau. Insbesondere Frauen, die nicht im eigenen Haushalt arbeiteten, gehörten zur Zielgruppe der jungen Unternehmerin. Alice Kriemler–Schochs Schürzen waren anders − schlichter, dem Zeitgeist der 1920er Jahre entsprechend.

Aus dieser Zeit entwickelte sich über zwei Generationen hinweg das internationale Modehaus unter der Leitung von zunächst Max und Ute, dann Albert und Peter Kriemler mit rund 480 Mitarbeiter:innen in der Schweiz. Als eines der wenigen noch unabhängigen Modehäuser operiert das Unternehmen nach wie vor aus St.Gallen. Frauen wie Alice Kriemler–Schoch, die ihren eigenen Weg gehen, stehen noch immer im Mittelpunkt der Firmenphilosophie.

Akris, Albert Kriemler x Carmen Herrera, Werbekampagne, Frühling/Sommer 2017, © Foto: Amit Israeli

Bild: Akris, Albert Kriemler x Carmen Herrera, Werbekampagne, Frühling/Sommer 2017, © Foto: Amit Israeli

Mitten im textilen Netzwerk von St.Gallen

Wie gestaltet man von St.Gallen aus die Modewelt in Paris, Mailand oder New York mit? Das Studio im Stammhaus ist für Albert Kriemler und sein Team vor allem ein Ort der kreativen Freiheit. Täglich entstehen hier die Musterkollektionen, gemeinsam mit DesignerInnen, ModellistInnen, SchneiderInnen, SchnittmacherInnen, den langjährigen MeisterInnen ihres Faches, wie Albert Kriemler sie nennt.

Vom Firmensitz ist es nicht weit zu den Stickerei–Produzenten wie Forster Rohner, Jakob Schlaepfer oder Bischoff Textil, welche den Ruhm St.Gallens als Textilzentrum begründen und heute aus der internationalen Mode nicht wegzudenken sind. Gemeinsam mit ihnen entstehen Stoffe, die oft weit über das hinausgehen, was machbar scheint: Mit Digitaldruck wird auf Paillettenstoff experimentiert oder ein bestickter Mantelstoff erweist sich erst auf den zweiten Blick als Hommage an das Muster der farbigen Dachziegel der Kirche St.Laurenzen in St.Gallen.

Da es bei Mode auch immer um das sinnliche Gefühl beim Tragen und die Stoffhaptik geht, lädt Akris in der Ausstellung das Publikum dazu ein, in eine Reihe von Kleidungsstücken zu schlüpfen und verschiedenste Gewebe und Materialen im wahrsten Sinne des Wortes zu «begreifen«. Denn, Mode zu entwerfen, die in ihrer Erscheinung selbstverständlich ist und sich auch so anfühlt, ist eines der wichtigsten Anliegen des Designers Albert Kriemler.

Kuratorium:

Karin Gimmi, Kuratorin Museum für Gestaltung Zürich
Albert Kriemler, Creative Director Akris

Szenografie:Atelier Oï / Patrick Reymond, La Neuveville

mfg

Kontakt:

https://museum-gestaltung.ch/de/ausstellung/akris/

#AKRIS #AkrisModeSelbstverständlich #MuseumfürGestaltungZürich #KarinGimmi #AlbertKriemler #AtelierOï #PatrickReymond #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

Akris, Albert Kriemler x Thomas Ruff, Backstage-Aufnahme, Herbst/Winter 2014, © Foto: Akris

Bild: Akris, Albert Kriemler x Thomas Ruff, Backstage-Aufnahme, Herbst/Winter 2014, © Foto: Akris

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 11. Juli 2023
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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