14. November 2024
«GERHARD GLÜCK. DAS EINFACHE LEBEN»
Ausstellung im Cartoonmuseum Basel, vom 16. November 2024 bis am 9. März 2025. Eröffnung am Freitag, 15. November, 18.30 Uhr

Bild: © Gerhard Glück, «Sag ihm, wenn er furzt, fliegt er raus!», 2007
Unser Verhältnis zur Natur, grosse und kleine Konflikte, Menschliches und
Zwischenmenschliches: Hinter den idyllischen und malerischen Kulissen der
Cartoons und komischen Zeichnungen des bedeutenden deutschen Cartoonisten und «NZZ-Folio»-Zeichners Gerhard Glück verbergen sich die gesellschaftlichen und sozialen Themen unserer Welt. Die Ausstellung «Gerhard Glück. Das einfache Leben» zeigt Originalarbeiten des grossen Malers in einer umfassenden Retrospektive, die mit dem 80. Geburtstag des Künstlers und mit dem 45-Jahr-Jubiläum des Cartoonmuseum Basel – Zentrum für narrative Kunst zusammenfällt.

Bild: © Gerhard Glück, «Hans-Jürgen giesst seine virtuellen Kakteen einmal in der Woche», 1995
Der Meister ist zurück! Über ein Vierteljahrhundert mussten sich die Schweizer Fans von Gerhard Glück gedulden, bis seine hintersinnigen Malereien ins Cartoonmuseum zurückkehren. Gerhard Glück ist ein Pionier und hat mit aufwändigen und teils grossformatigen Arbeiten die Malerei, die mit dem Begriff Komische Kunst beschrieben wird, im Cartoon etabliert.
Im Juli 2024 wurde der 1944 in Bad Vilbel geborene und in Frankfurt am Main
aufgewachsene Künstler 80 Jahre alt. Die Retrospektive im Cartoonmuseum
zeigt den ganzen Glück, von den ersten Cartoons der frühen 1980er-Jahre bis zu den aktuellsten Arbeiten. Glück ist einer der bekanntesten Vertreter der Komischen Kunst; er wurde 2000 und 2005 mit dem Deutschen Karikaturenpreis in Gold geehrt sowie 2017 mit dem Göttinger Elch für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Bild: © Gerhard Glück, Ohne Titel, 2003 © Gerhard Glück, «Manchmal erkennt man Paar-Probleme auf den ersten Blick», 2012
Die Ausstellung im Cartoonmuseum Basel setzt den Schwerpunkt auf Themen in sieben Räumen: Kunstparodie, der Mensch in der Fremde, Beziehungen und Paare, Philosophie und Religion, Surrealismus, Tierleben und Alltag.
Egal mit welchem Geschehen im Lebensalltag sich Glück beschäftigt, die Werke sind künstlerisch immer präzise, scharfsinnig und mit ausgetüftelter Farbpalette aus erfrischenden Perspektiven ins Bild gesetzt. Die Auseinandersetzung mit der Kunstgeschichte und dem Kunstbetrieb zeichnet den roten Faden im Werk von Gerhard Glück. Diese Leidenschaft teilte er mit Gründer und Mäzen Dieter Burckhardt, der bei der Gründung der Sammlung im Jahr 1978 des Cartoonmuseums Basel den Schwerpunkt auf Kunstparodien legte.

Bild: © Gerhard Glück, «Vincent klaut schon wieder Sonnenblumen», 1990
Absurde Alltagsblicke
Ob er bekannte Kunstwerke, weltpolitische Entwicklungen oder gesellschaftliche Konventionen aufs Korn nimmt: Der altmeisterlich realistische und gleichzeitig naive Malstil Glücks täuscht nur auf den ersten Blick über den bissigen Humor hinweg, mit dem er seine Arbeiten unterlegt.
Einmal in Glücks lieblich umhüllten Grotesken unterwegs, tun sich dem Publikum überall Falltüren in skurrile, manchmal absurde Situationen auf. Bevölkert werden seine Bilder von einem ureigenen, übersteigert durchschnittlichen Menschentyp in der zweiten Lebenshälfte, wohlbeleibt, unmodisch, die Damen im knielangen Rock, die Herren mit Brille und Krawatte. In die wohlgeordnete Welt dieser Figuren aus den 1950er-Jahren brechen feiste Putten, überlebensgrosse Schweine, St.Nikolaus und der Sensenmann ein, ausgerechnet ihnen verordnet Glück seine Zumutungen. Aus diesen Brüchen nährt sich der Humor Glücks, der das Gesetzte, Immergleiche, Ereignislose mit Unerwartetem, Phantasie, Chaos und viel Farbe heimsucht.

Bild: © Gerhard Glück, «Die Ablehnung Farbiger ist leider immer noch sehr verbreitet», 2014
Fünfzig Jahre für die Komische Kunst
Glück studierte in Kassel Werbegrafik und Kunsterziehung, bevor er ab 1972
mit ersten Cartoons in der «Hessische/Niedersächsischen Allgemeinen» sowie mit Titelbildern und Illustrationen für das «Süddeutsche Zeitung Magazin» und das «Manager Magazin» auf sich aufmerksam machte. Seit 1991 erscheinen seine Cartoons monatlich im «NZZ Folio», seit 1994 ebenfalls im Satiremagazin «Eulenspiegel». Glück illustrierte Bücher von Heinz Erhardt und Joachim Ringelnatz, seine Arbeiten waren zudem in Einzel- und Gruppenausstellungen unter anderem im Caricatura Museum in Frankfurt und im Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur & Zeichenkunst zu sehen. Insbesondere die Kunstparodien Glücks weckten das Interesse von Dieter Burckhardt, dem Gründer des Cartoonmuseums Basel, der den Künstler schon früh gesammelt hat. Mit dieser umfassenden Ausstellung schliesst sich ein Kreis für Künstler und Museum.
cmb
Kuratorin:
Anette Gehrig, Basel
Kontakt:
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Bild: © Gerhard Glück, «Im Museum für Geruchskunde gefiel den Seyters besonders der ‹Ferienduft›, eine Mixtur aus Sonnenöl, Schweiss und verbrannten Pommes», 2000
Bibliografie
- Gerhard Glück, «Fürchtet euch nicht! Cartoons von Gerhard Glück»,
Lappan Verlag 1997 - Gerhard Glück, «Gezeiten», Lappan Verlag 2001
- Heinz Erhardt, Gerhard Glück, «Lach mal wieder»! Lappan Verlag 2005
- Gerhard Glück, «Kunst und Co»., Lappan Verlag 2006
- Gerhard Glück, «Komische Kunst von Gerhard Glück», Lappan Verlag
2007 - Gerhard Glück, «Das grosse Fabelbuch», Lappan Verlag 2010
- W. P. Fahrenberg, Gerhard Glück: «Meister der komischen Kunst»:
Gerhard Glück, Kunstmann Antje GmbH 2011 - Gerhard Glück, «Narren- und Schelmengeschichten», Lappan Verlag
2012 - Kurt Tucholsky und Gerhard Glück, «Haben. Sein. Und gelten», Lappan
Verlag 2013 - Gerhard Glück, «Auch das noch!: Komische Kunst von Gerhard Glück»,
Lappan Verlag 2014 - Heinz Erhardt, Gerhard Glück, «Hauptsache gesund! », Lappan Verlag
2018 - Heinz Erhardt, «Frohes Fest! Weihnachten mit Heinz Erhardt und Bil-
dern von Gerhard Glück», Lappan Verlag 2020 - Joachim Ringelnatz, «Glückwunsch! », mit Bildern von Gerhard Glück,
Lappan Verlag 2020 - Gerhard Glück, «ARTverwandt – Komische Kunst von Gerhard Glück»
(Ausstellungskatalog zu seinen Ausstellungen im Wilhelm-Busch-Mu-
seum in Hannover und im Quellenmuseum in Bad Wildungen.), Lappan
Verlag 2021

Bild: © Gerhard Glück, « Gibt’s den Renoir auch in Extra Large?», 2009

Bild: © Gerhard Glück, «Der Verdacht», 2011
Kommentare von Daniel Leutenegger