14. Dezember 2024
«PRUNKSCHLITTEN – REISE IN DIE BAROCKZEIT»
Ausstellung im Kulturmuseum St.Gallen, bis am 2. März 2025

Bild: Löwenschlitten – Foto: © Kulturmuseum St.Gallen
Repräsentation und Geselligkeit – Winterausstellung zur barocken Schlittenkultur
Sie ist eine feste Tradition in der St.Galler Museumslandschaft: Die Winterausstellung im Kulturmuseum am Stadtpark. Die diesjährige Ausgabe nimmt die Besuchenden mit in tief verschneite Landschaften und lädt sie zum Staunen ein. Prächtige Löwen oder kunstvoll geschnitzte Schwäne glitten über die verschneiten Hügel und vereisten Seen, begleitet vom hellen Ton der Schellengeläute der Pferde, welche diese fantasievollen Gefährte zogen. Figurenschlitten in intensiven Farben und mit Gold verziert, gehörten zum Lebensgefühl der Barockzeit und waren Statussymbole der ökonomisch besser gestellten Gesellschaftsschichten.
Die Sonderausstellung widmet sich der Schlittentradition ab der Barockzeit und beleuchtet die ursprünglich an den Königs- und Fürstenhöfen gepflegte Sitte, an Winterabenden im Konvoi Schlittenfahrten in die nahe Umgebung zu veranstalten. Die auch in der Ostschweiz gelebte Schlittenkultur mit barocken vollplastischen Figuren wandelte sich im Lauf der Zeit zu anderen Schlittenformen. Aus der Sammlung des Kulturmuseums sind neben den barocken Prachtexemplaren auch Rokokoschlitten und Bilderschlitten aus der Hochblüte der sogenannten Bauernmalerei um 1800 enthalten. Sie zeigen, dass nicht nur in der städtischen Oberschicht, sondern auch im Sarganserland, Rheintal oder Appenzellerland gesellige Schlittenfahrten unternommen wurden.

Bild: Rennschlitten aus dem Appenzellerland – Foto: © Kulturmuseum St.Gallen
Die Winterausstellung wird durch ein reichhaltiges Veranstaltungsprogramm begleitet, welches die Schlittenkultur aus historischer, restauratorischer und zeitgenössischer Sicht reflektiert. So werden z.B. Erwin Dreier, einer der letzten Schlittenbauer der Schweiz, Einblick in den Mythos des Davoserschlittens geben, der Kulturhistoriker und Archäologe Andreas Furger die Schweizer Schlittentradition einordnen oder die Restauratorinnen Sibylle Frei und Julie Vuignier erzählen, wie man einer jahrhundertealten Löwenskulptur richtig die Zähne putzt. Als heimliches Highlight erwartet die Besucherinnen und Besucher eine barocke Ballnacht mit historischen Tänzen. Denn zu jeder richtigen Schlittenfahrt gehörte der gesellige Ausklang dazu.
cp
Kontakt:
https://www.kulturmuseumsg.ch/sonderausstellungen.php
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Bild: Fahrt der Familie Hirzel in vier reich geschmückten Schlitten. Herstellung: Malerin Ida Reinhart (1864 – 1917); Vorlage von Christoph II. Kuhn (1737 – 1792) (Original von 1759). Datiert 1908. 71,2 x 101,3 x 3,8 cm – © Landesmuseum Zürich
Kommentare von Daniel Leutenegger