4. Februar 2026
«DIE WELT INS MUSEUM – VOM HANDELN, SAMMELN UND ENTDECKEN»
Ausstellung im Kulturmuseum St.Gallen, bis am 5. Juli 2026

Bild: Ausstellung «Die Welt ins Museum», 2025 / 2026 – Foto: © Kulturmuseum St.Gallen
Die Ausstellung rückt die Anfänge der ethnologischen Sammlung des Kulturmuseums ins Blickfeld und fragt, wie St.Gallen überhaupt zu einer bedeutenden ethnologischen Sammlung gekommen ist. Die mit Unterstützung vom Bundesamt für Kultur (BAK) erforschte Geschichte dieser Sammlung erzählt weit mehr als nur lokale Museumsgeschichte: Sie steht exemplarisch für die Rolle der Schweiz im 19. Jahrhundert – einer Zeit des Aufbruchs, der Industrialisierung und der Globalisierung. Während die europäischen Grossmächte ihre kolonialen Imperien ausbauen, ist auch die Schweiz, und besonders St.Gallen als wichtige Exportstadt, eng in weltweite Handels- und Wissensnetzwerke eingebunden. Kaufleute aus der Ostschweiz nehmen an Weltausstellungen teil, eröffnen Niederlassungen in Übersee und bewegen sich selbstverständlich in kolonialen Infrastrukturen.
Das Interesse an Handelswaren und geografischem Wissen führt zur Gründung einer geografischen Gesellschaft mit ausgeprägt wirtschaftlichem Schwerpunkt – der «Ostschweizerischen Geographisch-Commerciellen Gesellschaft». Die Mehrheit der Mitglieder in der Anfangszeit sind Kaufleute. Sie regen an, eine Sammlung anzulegen und organisieren eine der schweizweit ersten ethnologisch-geografischen Ausstellungen. In der Kantonsschule entsteht ein Handelsmuseum mit Warenmustern und Kulturgütern. Um 1900 wandelt es sich zum spezialisierten Völkerkundemuseum, der Kreis der Sammlerinnen und Sammler öffnet sich, nun zählen etwa auch Missionare dazu. 1921 wird – als letztes grosses Bauprojekt der Stickereizeit – das heutige Kulturmuseum im Stadtpark fertiggestellt.
Die Ausstellung will nicht nur die neusten Erkenntnisse der historischen Erforschung der Sammlungsgeschichte vermitteln, sondern sich auch den Veränderungen des Museumsalltags widmen, bis hin zu gegenwärtigen Fragestellungen. Wie wurde und wird gesammelt, wie präsentiert, wie zusammengearbeitet? Die Ausstellungsstücke haben, nicht ganz unerwartet, einen textilen Schwerpunkt und reichen von japanischen Kimonos der ersten Handelsmission 1859 über Toggenburger Buntweberei, die nach Kleinasien und Ostafrika exportiert wurde, über besondere Ehrengewänder aus Afrika und China bis zu ausgewählten Batikstoffen aus Indonesien. Mehrere Wissenschaftler:innen haben am Ausstellungsprojekt mitgewirkt. Künstlerinnen und Künstler aus Indonesien haben ihr Wissen einfliessen lassen.

Bild: Ausstellung «Die Welt ins Museum», 2025 / 2026 – Foto: © Kulturmuseum St.Gallen
Die Ausstellung will ein vielfältiges Bild der ethnologischen Sammlung in St.Gallen entwerfen und zur Reflexion anregen. Sie will deutlich machen, «wie Geschichte nie bloss lokal, sondern immer eng verwoben ist mit grossräumigen Ereignissen. Sie hält vor allem vor Augen, wie grundlegend wichtig die Begegnung mit geschichtlichen Quellen und Kulturgütern ist, um Verständnis, Toleranz und Verantwortung überhaupt erst zu ermöglichen», schreibt das Kulturmuseum.
cp
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Vom Handeln, Peitschen und Sammeln
Die aktuelle Ausstellung über die Ostschweizerische Geographisch-Comercielle Gesellschaft ist eine Reise um die koloniale Welt des 19. Jahrhunderts. Das Kulturmuseum St.Gallen befasst sich programmatisch mit seiner Geschichte: thematisch breitgefächert, hübsch aufgemacht, aber stellenweise überladen und ohne Mut zu griffigen Kernaussagen.
Roman Hertler
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Kommentare von Daniel Leutenegger