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7. Juli 2026

«VILHELM HAMMERSHØI – MALER DES STILLEN KLANGS»

Erste Museumsretrospektive in der Schweiz, im Kunsthaus Zürich, bis am 25. Oktober 2025

Vilhelm Hammershøi, Interieur mit der Frau des Künstlers, von hinten gesehen, 1901Öl auf Leinwand, 45 x 39 cm, Privatsammlung

Bild: Vilhelm Hammershøi, Interieur mit der Frau des Künstlers, von hinten gesehen, 1901, Öl auf Leinwand, 45 x 39 cm, Privatsammlung

Vilhelm Hammershøi, Offene Türen, 1905, Öl auf Leinwand, 52 x 60 cm, The David Collection, B 309 - Foto: Pernille Klemp

Bild: Vilhelm Hammershøi, Offene Türen, 1905, Öl auf Leinwand, 52 x 60 cm, The David Collection, B 309 – Foto: Pernille Klemp

Mit der Ausstellung «Vilhelm Hammershøi. Maler des stillen Klangs» präsentiert das Kunsthaus Zürich die erste umfassende Museumsschau des dänischen Künstlers Vilhelm Hammershøi (1864–1916) in der Schweiz. Die Ausstellung widmet sich dem aussergewöhnlichen Werk eines Malers, der mit subtilsten Farbnuancen arbeitet und dessen reduzierte Interieurs und stille Stadtansichten zu den eindringlichsten Bildwelten der europäischen Moderne zählen.

Vilhelm Hammershøi, als «Vermeer des Nordens» bezeichnet, gehört in Dänemark zu den bedeutendsten Künstlern seiner Zeit und gilt dort entsprechend als Nationalikone. Seine Gemälde zeigen meist leere Räume, verlassene Plätze oder von gedämpftem Licht durchdrungene Interieurs. Trotz ihrer scheinbaren Einfachheit entfalten sie eine eigentümlich dichte Atmosphäre: Räume wirken zugleich vertraut und fremd, Gegenstände treten in ihrer stillen Präsenz hervor, während Figuren – häufig seine Frau Ida – oft nur von hinten gezeigt werden.

Das Erzählerische tritt zurück zugunsten einer konzentrierten Betrachtung von Raum, Licht und Stimmung. Gerade diese Konzentration auf das Wesentliche verleiht Hammershøis Kunst ihre besondere Eigenständigkeit. In seinen Bildern gewinnen alltägliche Dinge – ein leerer Teller auf dem Tisch, ein unbesetzter Stuhl oder ein Bild an der Wand – eine ungeahnte, oft beunruhigende Präsenz.

Der österreichische Schriftsteller Heimito von Doderer prägte einst den Ausdruck vom «möbelhaften Schweigen» der Dinge – eine Formulierung, die Hammershøis karge, von wenigen Objekten bestimmte Interieurs treffend beschreibt.

Vilhelm Hammershøi, Ruhepause, 1905, Öl auf Leinwand, 49,5 x 46,5 cm, Paris, musée d‘Orsay; Achat avec la participation de Philippe Meyer, 1996 - Foto © GrandPalaisRmn (musée d‘Orsay) / Martine Beck-Coppola

Bild: Vilhelm Hammershøi, Ruhepause, 1905, Öl auf Leinwand, 49,5 x 46,5 cm, Paris, Musée d‘Orsay; Achat avec la participation de Philippe Meyer, 1996 – Foto © GrandPalaisRmn (Musée d‘Orsay) / Martine Beck-Coppola

Die Kunst der Nuancen

Was Hammershøis Werke besonders auszeichnet, ist ihre Sensibilität für feinste Nuancen. Seine Bilder leben von subtilen Abstufungen gedeckter Farben. Sanftes Licht fällt in eigentümlich stille Räume, Schatten breiten sich über helle Wände aus, während sich die Anordnung von Möbeln und Gegenständen von Bild zu Bild oft nur minimal verändert. Gerade diese kleinen Variationen schärfen den Blick der Betrachtenden und rücken deren Wahrnehmung ins Zentrum.

Geistige Verwandtschaft

Obwohl Hammershøi oft als zurückgezogen beschrieben wird, stand er im Austausch mit internationalen Strömungen seiner Zeit. So bewunderte er etwa den US-amerikanischen Maler James McNeill Whistler, dessen Werke ebenfalls auf harmonische Farbarrangements und reduzierte Kompositionen setzen. Whistlers Praxis, seine Bilder als «Arrangements» oder «Symphonien» zu bezeichnen, findet eine Entsprechung in Hammershøis Werk. Auch bei ihm wird der Bildraum zunehmend von allem Anekdotischen befreit und der Fokus primär auf formale Aspekte gerichtet.

In diesem Sinne erscheint Hammershøis Kunst überraschend modern. Seine konzentrierten Bildkompositionen und die minimalen Veränderungen zwischen stets wiederkehrenden Motiven lassen auch Vergleiche mit anderen Kunstschaffenden zu, etwa mit Félix Vallotton. Beide Künstler verbindet eine eigenwillige Farbpalette und das Interesse an unheimlichen Stimmungen.

Vilhelm Hammershøi, Die hohen Fenster, 1913, Öl auf Leinwand, 64,5 x 52 cm, Ordrupgaard, Charlottenlund - Foto: Anders Sune Berg

Bild: Vilhelm Hammershøi, Die hohen Fenster, 1913, Öl auf Leinwand, 64,5 x 52 cm, Ordrupgaard, Charlottenlund – Foto: Anders Sune Berg

Die Dimension der Stille

Der Ausstellungstitel «Maler des stillen Klangs» verweist zudem auf eine bislang wenig beachtete Dimension in Hammershøis Werk: die Beziehung zur Musik. In vielen seiner Bilder sind einzelne Instrumente wie Cello, Klavier oder Geige integriert. Auch biografisch lassen sich Verbindungen zur Musik nachweisen – mehrere seiner Freunde und Sammler waren Musiker, und Hammershøi selbst spielte als Amateur Cello.

Seine Gemälde entfalten eine besondere Form von Stille: nicht die Abwesenheit von Klang, sondern eine gespannte Ruhe, die an den Moment kurz vor Beginn eines Konzerts erinnert.

Erste Museumsschau in der Schweiz

Die Ausstellung im Kunsthaus Zürich widmet sich nicht nur Hammershøis berühmten Interieurs. Es werden auch weniger bekannte Sujets wie Porträts, Stadtansichten und Landschaften präsentiert. Darüber hinaus verortet die Präsentation Hammershøis Werk in einem erweiterten kunsthistorischen Zusammenhang. Vereinzelte Zeitsprünge in Epochen vor und nach Hammershøi, wofür in der Ausstellung exemplarisch Gemälde von Jacobus Vrel, Adolph Menzel oder Michaël Borremans stehen, betten den dänischen Maler epochenübergreifend in das Themenfeld der Stille ein.

Die Ausstellung wurde von Jonas Beyer und Sandra Gianfreda kuratiert. Sie entstand in Kooperation mit dem Museo Nacional Thyssen-Bornemisza in Madrid.

Begleitend erscheint ein reich bebilderter Ausstellungskatalog mit Beiträgen von Ramón Andrés, Jonas Beyer, Sandra Gianfreda und Florian Illies, Clara Marcellán sowie Peter Nørgaard Larsen. Er ist zum Preis von CHF 52.– im Kunsthaus-Shop erhältlich.

khz

Kontakt:

https://www.kunsthaus.ch/besuch-planen/ausstellungen/vilhelm-hammershoi

Ausstellungsansicht «Vilhelm Hammershøi. Maler des stillen Klangs», Kunsthaus Zürich, 2026 - Foto: Franca Candrian, Kunsthaus Zürich

Bild: Ausstellungsansicht «Vilhelm Hammershøi. Maler des stillen Klangs», Kunsthaus Zürich, 2026 – Foto: Franca Candrian, Kunsthaus Zürich

#VilhelmHammershøi #MalerdesStillenKlangs #KunsthausZürich #JonasBeyer #SandraGianfreda #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 7. Juli 2026
  • Bildende Kunst, Fotografie, Grafik, Architektur, Design, Museum, Ausstellung, Galerie

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