22. Dezember 2025
DER ÖSTERREICHISCHE KUNSTMALER ARNULF RAINER IST GESTORBEN
Der am 8. Dezember 1929 in Baden bei Wien geborene österreichische Maler Arnulf Rainer (Bild) ist am 18. Dezember 2025 gestorben. International bekannt sind insbesondere seine Übermalungen. 1977 nahm Rainer an der documenta 6 teil; ein Jahr später vertrat er Österreich bei der Biennale von Venedig. Arnulf Rainer erhielt in seinem Heimatland ungezählte Auszeichnungen, so den Grossen Österreichischen Staatspreis (1978), die Wiener Ehrenmedaille in Gold (1989) oder das Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse (2015). Im April 2025 wurde sein Lebenswerk mit dem Grossen Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich geehrt. In ihren Nachrufen bezeichnen österreichische Medien Arnulf Rainer als den zentralen, den wichtigsten, grössten Künstler des Landes nach 1945.

Bild: Arnulf Rainer, Sternsucher, 1994, ein Film von Herbert Brödl – Foto: Oberau – Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.en – Datei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Arnulf_Rainer,_Sternsucher,_1994,_ein_Film_von_Herbert_Br%C3%B6dl.jpg
Wir verabschieden uns vom Übermaler
Das Arnulf Rainer Museum ist sehr betroffen aufgrund des Ablebens von Arnulf Rainer und trauert um den Ausnahmekünstler. Der international renommierte Künstler verstarb am 18.12.2025 im Alter von 96 Jahren.
Arnulf Rainer, geboren am 8. Dezember 1929 in Baden, hinterlässt ein unvergessliches Erbe in der Kunstwelt. Als Wegbereiter der informellen Malerei in Österreich entwickelte er schrittweise das Prinzip der Übermalung, die in der Folge zu seinem Markenzeichen werden sollte. Ursprünglich aus dem Surrealismus kommend, erweiterte Arnulf Rainer sein künstlerisches Repertoire um eine beeindruckende Vielfalt an Ausdrucksformen, zu denen Übermalungen, Überzeichnungen und gestische Malerei mit Hand und Finger zählten. Ikonischen Status erlangten seine „Face Farces“ und „Body Poses“, bei denen Rainer fotografische Selbstporträts mit dynamischen Malereigesten überarbeitete.
Rainer war nicht nur ein Meister seines Fachs, sondern auch intellektueller Denker. Seine schriftlichen Äußerungen bieten Einblicke in sein künstlerisches Schaffen und seine Gedankenwelt. Mit seinem Werk hat Arnulf Rainer die Grenzen der Kunst erweitert und Generationen von Künstler:innen inspiriert.
„Mit tiefer Trauer verabschiedet sich das Land Niederösterreich von einem Ausnahmekünstler und einem bemerkenswerten Menschen. Arnulf Rainer ist zweifellos ein Künstler von Weltklasse und zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Kunstschaffenden überhaupt. Wir sind stolz darauf, dass er sein Leben lang eine so enge Verbundenheit mit Niederösterreich pflegte. Arnulf Rainer war ein herausragender Botschafter unseres Landes in der ganzen Welt.“
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner
„Die Stadtgemeinde Baden verneigt sich vor dem gebürtigen Badener Künstler Arnulf Rainer. Wir trauern um eine große Persönlichkeit Badens. Sein Weg führte ihn in die Welt hinaus, doch mit seinen Wurzeln blieb er immer mit der Stadt Baden verbunden. Mit dem 2009 gegründeten Arnulf Rainer Museum wird sein künstlerisches Schaffen in seiner Geburtsstadt gewürdigt.“
Carmen Jeitler-Cincelli, Bürgermeisterin Stadtgemeinde Baden bei Wien
„Das gesamte Oeuvre Arnulf Rainers zeugt von der Auseinandersetzung mit der conditio humana. Besonders in seinen Kreuzen fallen Tod und Leben oder wie Rainer an einer Stelle bemerkte „Das Nichts gegen Alles“ ineinander. Mit seinem Ableben verabschieden wir uns von einem der größten Künstler der Gegenwart.“
Nikolaus Kratzer, Kurator Arnulf Rainer Museum
„Mit dem Tod von Arnulf Rainer verliert die Kunstwelt einen ihrer größten Visionäre. Sein Erbe lebt jedoch weiter im Arnulf Rainer Museum in Baden bei Wien, das sein außergewöhnliches Werk präsentiert und bewahrt. Das Museum ist ein lebendiges Zeugnis seines immensen Beitrags zur modernen Kunst und würdiger Ort der Erinnerung und Bewunderung.“
Julia Flunger-Schulz, Geschäftsführerin Arnulf Rainer Museum
https://www.arnulf-rainer-museum.at/de/stories/groe-trauer-um-arnulf-rainer/1687
Intensiv, kraftvoll, gestisch
Sein umfangreiches Werk, das von der markanten Übermalung bis zur Fotografie reicht, ist seit Jahrzehnten in den wichtigsten Museen der Welt zu sehen. Er selbst hatte einen Dauerplatz an der Spitze der hiesigen Kunstschaffenden. Das übermalte Gesicht von Arnulf Rainer ist eine der Ikonen der österreichischen Nachkriegskunst geworden. (…)
Intensiv, kraftvoll, gestisch – diese Attribute kennzeichnen das Werk Rainers. Seit Mitte Oktober ist die Ausstellung „Arnulf Rainer & Art Brut“ im Arnulf Rainer Museum in Baden zu sehen. Die Verknüpfungen zwischen Rainer und der Art Brut stehen im Zentrum der Ausstellung. Gezeigt werden dabei unter anderem Hand-, Finger- und Fußmalerei von Rainer sowie Gemeinschaftszeichnungen mit Fritz Koller und Johann Hauser. (…)
Lebendige Expressivität, die auch das Düstere, Melancholische nicht scheute, machte Rainer zum Star. Auf der renommierten „Kunstkompass“-Liste der international meistbeachteten zeitgenössischen Künstler fand sich Rainer bis zuletzt unter den – wenigen – heimischen Künstlern. Das war auch einer bis ins hohe Alter ungebrochenen Kreativität zu verdanken.
red, ORF.at/Agenturen
https://orf.at/stories/3244817
Mit seinem vielseitigen und radikalen Werk schrieb sich der Österreicher in die Kunstgeschichte ein
Von Anfang an sträubte er sich, mit dem Strom zu schwimmen. Zeitlebens war Arnulf Rainer auf der Suche nach radikalen und neuen künstlerischen Lösungen – und fand sie in seiner Kunst. Diese verweigerte nicht nur geltende Normen der Malerei, sondern löschte Inhalte und Formen aus und schuf somit – sich existenzialistischen Fragen mit voller Wucht hingebend – neue.
Katharina Rustler
https://www.derstandard.at/story/3000000301665/der-grosse-maler-arnulf-rainer-ist-gestorben
Er war der zentrale Künstler Österreichs nach 1945
Arnulf Rainer, der wichtigste österreichische Maler der Nachkriegszeit, ist tot. Er starb bereits am 18. Dezember im Alter von 96 Jahren.
Michael Huber
https://kurier.at/kultur/arnulf-rainer-tot-nachruf-kunst-malerei-oesterreich-nach-1945/403115767
Er war der letzte große Maler einer Ära in Österreich, die nunmehr zu Ende ist: der radikalen Avantgarde
Mit Arnulf Rainer ist nicht nur der große, charismatische Einzelgänger der österreichischen Nachkriegsavantgarde gegangen. Mit ihm ging auch ihr letzter herausragender Vertreter. Hermann Nitsch, Günter Brus, Maria Lassnig, alle hat er überlebt. Jetzt ist es da, das Ende einer Ära, die schon bei Lebzeiten ihrer Protagonisten in die Kunstgeschichte eingegangen ist. Jetzt ist dieses Kapitel endgültig abgeschlossen. Buchdeckel zu. Kreuz drauf. Übermalt von Arnulf Rainer.
Almuth Spiegler
https://www.diepresse.com/20424387/der-ueber-maler-arnulf-rainer-ist-tot
Er war der Übermaler des Jahrhunderts
In einem Interview mit der Kleinen Zeitung nannte Arnulf Rainer vor zehn Jahren einen Tag ohne Kunstproduktion einen „verlorenen Tag“. Sein (damaliges) Wochenpensum seien „fünfzig Stunden“: „Dass die Leute mit nicht einmal sechzig in die Renten drängen, verstehe ich überhaupt nicht.“ Sein künstlerisches Selbstverständnis umreißt er so: „Ich betrachte Kunst als etwas, das den Menschen erweitern soll.“ Dazu gehöre natürlich der entsprechende Wille des Menschen: „Wenn er sich nicht bemüht, nicht anstrengt, bleibt er ein reduziertes Wesen.“
https://www.kleinezeitung.at/kultur/20424502/der-uebermaler-des-jahrhunderts
Tod eines alten Meisters
Der Gestus der Verweigerung lag Rainer nahe; er lehnte es in jungen Jahren ab, sich auszeichnen zu lassen, legte sich rotzig mit Kunstprofessoren und dem bürgerlichen Kulturbetrieb insgesamt an, bedachte Wiens Spießkunstbürger gern auch mit unflätigen öffentlichen Schimpftiraden. Mit seinen auf den ersten Blick destruktiv erscheinenden, tatsächlich aber kompositorisch raffinierten Übermalungen von Gemälden und Fotos war der streitbare Künstler schon in den frühen 1960er-Jahren Punk avant la lettre.
Stefan Grissemann
https://www.profil.at/kultur/tod-eines-alten-meisters-in-memoriam-arnulf-rainer-1929-2025/403115775

Bild: Arnulf Rainer, 2015 – Foto: Franz Johann Morgenbesser, Wien, https://www.flickr.com/people/95704119@N08 – Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de – Datei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2015_Arnulf_Rainer_(18202365602).jpg?uselang=de
Reflexionen über das Malen
Vielleicht muss man das Wort getrennt schreiben, das sich am meisten mit dem Werk von Arnulf Rainer verbindet. Die „Über-Malungen“, mit denen Rainer bekannt wurde, waren schließlich immer auch Reflexionen über das Malen. Und das, was da übermalt wurde, eigene Bilder, fremde Bilder, Fotos, die waren damit ja nicht weg, sondern die wurden durch die Übermalung nur noch sehenswerter: So wie wenn jemand mit dem Stift in einem Buch eine besonders wichtige Stelle dermaßen vehement anstreicht, dass sie kaum noch zu lesen ist. Mit Rainers Übermalungen verhielt es sich also gar nicht so viel anders als mit Hegels berühmter Dialektik des „Aufhebens“. Und das ist ja schon mal was für jemanden, der ein trotziger Autodidakt war, weil er amtlichen Unterricht im Malen so abstoßend fand.
Peter Richter
https://www.sueddeutsche.de/kultur/nachruf-arnulf-rainer-kunst-96-li.3357982?reduced=true
Überzeichner
Eine seiner subtilsten Übermalungen galt dem bewunderten Künstlerkollegen Menzel. Auf das Foto einer Marmorbüste des Berliner Malers setzte der Österreicher Arnulf Rainer nur über die Augen sein berühmt-berüchtigtes Gespinst aus kreisenden Linien. Im Zentrum des kalligraphischen Taifuns verdichten sich die linearen Sturmwinde zu kleinen Tintenseen, rostrotbraune Linienwirbel sorgen für einen spannungsreichen Kontrast zu der kalkweißen Menzel-Büste, die einer Totenmaske ähnelt. Und obwohl die vielfach überzeichneten Augen des Meisters gar nicht mehr zu sehen sein dürften, achtet der Betrachter durch die betonende Auslöschung umso stärker auf das zentrale Organ des preußischen Kleinmeisters, aus dem geradezu radiale Funken zu stieben scheinen und dem „alles Zeichnen“ ebenso wichtig war wie „Alles zeichnen“ auch. Worin er in dem begnadeten Zeichner Rainer einen Seelenverwandten hatte.
Stefan Trinks
Gegen das Bild, gegen die Milde
Arnulf Rainers Kunst lebte vom Widerstand, von Übermalung, Auslöschung und körperlicher Geste – und endete konsequent dort, wo andere noch einmal versöhnlich ansetzen. Zum Tod einer Jahrhundertfigur
Bernhard Schulz
https://www.monopol-magazin.de/zum-tod-von-arnulf-rainer
Arnulf Rainer, Austrian Artist Known for His ‘Overpaintings,’ Dies at 96
Arnulf Rainer, the Austrian artist whose relentless drive for experimentation made him a key figure of Europe’s postwar scene, died on December 18 at 96 at his home in Austria. His death was confirmed by his gallery Thaddaeus Ropac.
He is best known for his Übermalungen (“overpaintings”), a technique he began in 1952 in which he layered dense strokes of pigment over existing images—at first his own images, and, from 1953 onward, those of other artists such as Italian painter Emilio Vedova. Rainer’s resulting works, seemingly at once destructive and devotional, turned painting into a site of erasure, accumulation, and spiritual immersion.
Daniel Cassady
https://www.artnews.com/art-news/news/arnulf-rainer-dead-1234767718
Arnulf Rainer, artiste de l’expérimentation sans limites, est mort
Entre peinture et photographie, l’artiste autichien a fait naître une des œuvres les plus libres et les plus profondes de la seconde moitié du XXᵉ siècle. Il s’est éteint jeudi 18 décembre, à 96 ans.
Philippe Dagen
Obsédé par la mort et la souffrance, le peintre autrichien Arnulf Rainer s’en est allé
Grande figure de la scène contemporaine autrichienne, Arnulf Rainer est mort le 18 décembre, à l’âge de 96. L’artiste était surtout connu pour ses recouvrements – «Ubermalungen» – et ses autoportraits photographiques rageusement raturés traitant de la représentation de la folie.
Eric Tariant
Muore a Vienna Arnulf Rainer: l’artista che ha dipinto contro l’immagine
Artista refrattario alle etichette, ma centrale nei dibattiti dell’avanguardia internazionale, Rainer ha costruito un linguaggio inconfondibile fondato sul gesto, sulla sovrapposizione e sulla negazione dell’immagine.
https://www.artribune.com/arti-visive/arte-contemporanea/2025/12/arnulf-rainer-muore-vienna/
Muere el pintor austriaco Arnulf Rainer a los 96 años
Versátil y a menudo provocador exponente del arte abstracto, era considerado uno de los principales artistas austriacos de la posguerra.
Audios / Videos:
Diverses
https://www.castyourart.com/arnulf-rainer-das-verhuellen.html
Arnulf Rainer | EARLY WORKS 1950-60 | Thaddaeus Ropac Salzburg Villa Kast 2016
Arnulf Rainer | Artist’s Talk
Arnulf Rainer documentary
Mehr:
https://www.arnulf-rainer-museum.at/de
https://austria-forum.org/af/AEIOU/Rainer,_Arnulf
https://sammlung.belvedere.at/people/1802/arnulf-rainer/objects
https://www.basis-wien.at/db/person/15478
https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=118597930
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/person/gnd/118597930
https://en.wikipedia.org/wiki/Arnulf_Rainer
https://de.wikipedia.org/wiki/Arnulf_Rainer
#ArnulfRainer #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+
Kommentare von Daniel Leutenegger