28. Mai 2017
39. SOLOTHURNER LITERATURTAGE ZIEHEN MIT RUND 16’000 EINTRITTEN BEI SCHÖNSTEM WETTER EINE POSITIVE BILANZ
Mit Auftritten des Oltner Autors Alex Capus und der Bündner Songpoetin Bibi Vaplan sind heute Abend die 39. Solothurner Literaturtage (26. – 28. Mai 2017) zu Ende gegangen. Drei Tage lang wurde in 135 Veranstaltungen und in allen vier Landessprachen gelesen und zugehört, übersetzt, diskutiert, gefeiert und performt. Die VeranstalterInnen ziehen mit rund 16'000 Eintritten (Hochrechnung von 16 Uhr) bei schönstem Wetter eine positive Bilanz.

Foto: © Luca Bricciotti
Ob Prosa, Lyrik, Übersetzung, Spoken Word, Jugend- und Kinderliteratur oder experimentelle Formate: Die 39. Solothurner Literaturtage zeigten den Besucherinnen und Besuchern auf, wie vital und vielschichtig sich die aktuelle Literaturszene präsentiert.
Über 70 Autorinnen und Autoren, Übersetzerinnen und Übersetzer waren in Solothurn zu Gast und sorgten an 14 Spielstätten für eine ausgelassene Stimmung.
Ein erster Höhepunkt stand bereits am Eröffnungsabend am Donnerstag, 25. Mai 2017, auf dem Programm: Der deutsche Autor, Übersetzer und Verleger Ilija Trojanow sprach in seiner Rede im Stadttheater eine «Einladung zur Weitläufigkeit» aus und ermutigte das Publikum, sich von Literatur jenseits des Kanons überraschen zu lassen.
Im Zentrum der 39. Solothurner Literaturtage stand die viersprachige Schweizer Werkschau: Etablierte Namen wie Lukas Bärfuss, Tim Krohn, Ilma Rakusa und Urs Faes sorgten für rege Gespräche und volle Säle. Aber auch Neuentdeckungen wie Julia Weber, Flurin Jecker, Bibi Vaplan oder Dina Sikirić, die ihre Debütromane nach Solothurn mitbrachten, vermochten das Publikum zu begeistern.
Elf Gäste reisten aus dem Ausland an, als Publikumsmagnete erwiesen sich die Lesungen von Ilija Trojanow (D), Céline Minard (F) und Olga Grjasnowa (D).
DAS GESPROCHENE WORT IM MITTELPUNKT
Spoken Word-Lesungen waren bei der 39. Ausgabe der Solothurner Literaturtage zum ersten Mal integraler Bestandteil des Programms – und wurden zum vollen Erfolg: Die Performerinnen und Performer zeigten dem Publikum die Vielfalt der Möglichkeiten im Umgang mit dem gesprochenen Wort auf und sorgten beim Publikum für gute Unterhaltung.
Neben den sehr gut besuchten Aussenpodien auf dem Landhausquai und dem Klosterplatz war Spoken Word vor allem im Abendprogramm präsent – etwa in der Veranstaltung «Where is the Beat?», wo die Wortkünstlerinnen und Wortkünstler zur Improvisation eines Posaunisten ihre Texte live rezitierten, oder in der Performance des Autorenkollektivs L’AJAR aus der Romandie, wo sechs Autorinnen und Autoren gemeinsam auf der Bühne standen.
Auch im Programmschwerpunkt Übersetzung kam es zu einer Neuerung: Zum ersten Mal fand dieses Jahr die «Joute de traduction» statt, in der sich zwei junge Übersetzerinnen auf der Bühne zum Duell trafen und die Wahl ihrer Wörter und Satzstellungen vor dem Publikum verteidigten.
In den verschiedenen Podien und Gesprächen stand die Literatur und deren gesellschaftliche Rolle im Zentrum: Im Podium «Die Demokratie in der Krise?» debattierte etwa der Schriftsteller Lukas Bärfuss mit dem Historiker, Archäologen und Autoren David van Reybrouck vor vollem Saal mit der Präsidentin von Denknetz Ruth Dällenbach über die aktuelle Lage der Demokratie, die Geschichte politischer Abstimmungen und die angesichts der veränderten technischen und wirtschaftlichen Wirklichkeiten notwendig gewordenen Anpassungen nationalstaatlicher Institutionen.
JUGEND- UND KINDERLITERATUR AUCH FÜR ERWACHSENE
Im Vorfeld der Solothurner Literaturtage fanden vom 22. bis 24. Mai 2017 die Jugend- und Kinderliteraturtage (JuKiLi) statt, die 78 Schulklassen begeisterten. Während den Solothurner Literaturtagen wurde für die Kinder zum ersten Mal ein ganzes Haus mit Hort eingerichtet, in dem drei Tage lang gelesen, gezeichnet, zugehört und Buchstaben gedruckt wurden.
Ein Höhepunkt im Kinderprogramm war die Familienmatinee am Sonntagmorgen.
Eine weitere Premiere dieses Jahr waren Veranstaltungen, die Jugend- und Kinderliteratur für ein erwachsenes Publikum zum Thema hatten: In Lesungen und Gesprächen präsentierten Autorinnen und Autoren ihre Neuerscheinungen und sprachen mit Fachleuten darüber, welche Überlegungen ihren Büchern zugrunde liegen.
DIE SOLOTHURNER LITERATURTAGE ALS VERNETZUNGSPLATTFORM
Neben den Veranstaltungen für das breite Publikum waren die Solothurner Literaturtage ein Ort des Dialogs und des Austauschs innerhalb der Branche: Im Solothurner Forum besuchten Autorinnen und Autoren, Übersetzerinnen und Übersetzer ein dreisprachiges Weiterbildungsangebot.
Das Zukunftsatelier machte die formalen und inhaltlichen Herausforderungen der Literatur im digitalen Zeitalter zum Thema.
Und in der Festivalbar wurde bis weit in die Nacht diskutiert, gelesen und performt.
Dass die Solothurner Literaturtage weit über die Grenzen der Barockstadt hinaus zu hören waren, ist Radio SRF zu verdanken, das insgesamt acht Sendungen aufzeichnete.
Die 40. Ausgabe der Solothurner Literaturtage findet vom 11. bis 13. Mai 2018 statt.
slt
Mehr / En savoir plus / Di più:
Schlusscommunique 28.05.2017 (PDF / 167.1 KB)
Communique final 28.05.2017 (PDF / 184.2 KB)
Comunicato di chiusura 28.05.2017 (PDF / 171.5 KB)
Kontakt:
http://www.literatur.ch/de/service/kontakt-7.html
Kommentare von Daniel Leutenegger