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13. Oktober 2011

Schwedisch-eritreischer Journalist erhält Auszeichnung «Goldene Feder der Freiheit 2011»

Dawit Isaak (Bild), Mitbegründer der ersten unabhängigen Zeitung Eritreas, der sich seit neun Jahren ohne Anklage oder Prozess in Haft befindet, wird mit der «Goldenen Feder der Freiheit 2011» ausgezeichnet. Der Pressefreiheitspreis wird jährlich vom Weltverband der Zeitungen und Nachrichtenmedien (WAN-IFRA) verliehen.

Foto: Archiv

Der Journalist mit doppelter Staatsbürgerschaft (eritreisch und schwedisch) wurde im Anschluss an die im September 2001 erfolgte Zerschlagung der unabhängigen Medien in Eritrea verhaftet.

Eritrea zählt zu den Ländern mit der geringsten Pressefreiheit der Welt. Dort gibt es keine privat geführten Zeitungen, Radio- oder Fernsehsender.

Gegen Dawit Isaak, der am Mittwoch 46 Jahre alt wurde, ist keine offizielle Anklage erhoben worden und sein Verbleib ist weiterhin ungeklärt.

«Dawit Isaak sah sich gezwungen, seine Heimat zu verlassen und nach Schweden zu flüchten, kehrte jedoch wegen seines Engagements für eine unabhängige Presse und demokratische Grundsätze in sein Land zurück. Er verdient es, für sein Handeln geehrt zu werden, doch stattdessen haben die eritreischen Machthaber, die zu den repressivsten der Welt gehören, ihn ins Gefängnis geworfen», erklärte das WAN-IFRA Board bei der Nominierung des Preisträgers.

«Herr Isaak hat enormes Leid erlitten, doch sein Engagement für Pressefreiheit und Menschenrechte hat niemals nachgelassen. Es erfordert Mut, unter derartigen Umständen als Journalist zu arbeiten und seine Prinzipien nicht zu verraten. Herr Isaak dient Presseangehörigen in aller Welt als Inspiration», so das Board.

WAN-IFRA forderte den Präsidenten Eritreas, Isayas Afewerki, auf, Dawit Isaak unverzüglich freizulassen.

Die Goldene Feder der Freiheit wird jährlich von WAN-IFRA verliehen, um eine Einzelperson, eine Gruppe oder eine Institution für ihren aussergewöhnlichen Einsatz (in Schrift und Tat) zugunsten der Pressefreiheit zu würdigen.

Dawit Isaak floh 1987 während des eritreischen Unabhängigkeitskrieges aus Eritrea und gelangte als Flüchtling nach Schweden. Dort arbeitete er mehrere Jahre lang als Reinigungskraft und erhielt 1992 die schwedische Staatsbürgerschaft. Er kehrte 1996 nach Eritrea zurück, nachdem das Land die Unabhängigkeit erlangt hatte.

Isaaks vorrangiges Interesse galt dem Aufbau einer unabhängigen Presse in Eritrea. Er gehörte zu den Mitbegründern von Setit, der ersten unabhängigen Zeitung des Landes, die zu nationaler Geltung gelangen sollte und insbesondere wegen ihrer investigativen Berichterstattung geschätzt wurde, in deren Fokus häufig Fälle von Machtmissbrauch durch die Regierung standen.

2001, nachdem Setit und andere Zeitungen einen offenen Brief von 15 Kabinettsministern veröffentlicht hatten, die demokratische Reformen und eine Untersuchung der Umstände forderten, die zum erneuten Krieg Eritreas mit Äthiopien geführt hatten, wurden sämtliche privaten Presseeinrichtungen des Landes geschlossen. Elf der 15 Minister wurden verhaftet, ebenso wie Dawit Isaak und 13 weitere Zeitungsbesitzer, Verleger und Journalisten.

Keiner von ihnen wurde je formell angeklagt oder vor Gericht gestellt. Isaak und die anderen Inhaftierten wurden als Verräter angeprangert. Vier der 2001 inhaftierten Journalisten sind Berichten zufolge im Gefängnis umgekommen.

Wie verlautet, befand sich Dawit Isaak 2008 unter 113 politischen Häftlingen, die in ein Hochsicherheitsgefängnis in Embatkala verlegt wurden, eines der gefürchtetsten des Landes. Isaak wurde angeblich in ein Militärkrankenhaus überführt, doch trotz der Versicherungen der Regierung, dass er jede notwendige medizinische Versorgung erhalte, bleiben die näheren Umstände seines Verbleibs und seiner Gesundheit im Unklaren.

Die schwedische Regierung und die schwedische Mediengemeinschaft haben zahlreiche Versuche unternommen, um Isaaks Freilassung zu erwirken, jedoch ohne Erfolg. Die eritreische Regierung hat unmissverständlich darauf hingewiesen, dass seine doppelte Staatsbürgerschaft als Bürger Schwedens praktisch keine Rolle spiele. «Für mich ist Schweden irrelevant. Die schwedische Regierung hat mit uns nichts zu tun», erklärte Präsident Isayas Afewerki im vergangenen Jahr.

Der Präsident erklärte zudem, dass man nicht die Absicht habe, Dawit Isaak freizulassen oder einen Prozess zu führen, bei dem der Journalist formell angeklagt werden würde. Die Äusserungen des Präsidenten in einem Interview, das im Mai 2009 ausgestrahlt wurde, lösten international Kritik aus: «Es wird keinen Prozess geben und wir werden ihn nicht freilassen. Wir wissen, wie wir mit Seinesgleichen umzugehen haben.»

Eritrea ist ein Ein-Parteien-Staat, der von Präsident Isayas Afewerki regiert wird, seit das Land 1993 die Unabhängigkeit von Äthiopien erreichte. Es wurden nie freie Wahlen abgehalten. Zwei Drittel der Bevölkerung bleiben von ausländischen Nahrungsmittelhilfen abhängig.

Eritrea ist das Land mit den meisten inhaftierten Journalisten auf dem afrikanischen Kontinent, mindestens 19 Journalisten befinden sich dort im Gefängnis. Andere waren gezwungen, aus dem Land zu fliehen. Durch die repressive Politik der Regierung hat sich Eritrea weitgehend der internationalen Überwachung entzogen und die Bevölkerung hat praktisch keinen Zugang zu unabhängigen Informationen. Die Handvoll Auslandskorrespondenten in der Hauptstadt Asmara unterliegen einer intensiven Beobachtung durch die Behörden.

Bisherige Preisträger

Preisträger der seit 1961 jährlich verliehenen «Goldenen Feder» waren u.a. Jacobo Timerman aus Argentinien (1980), Anthony Heard aus Südafrika (1986), Doan Viet Hoat aus Vietnam (1998), Geoffrey Nyarota aus Simbabwe (2002) sowie Shi Tao (2007) und Li Changqing (2008) aus China. Der Preisträger 2010 ist Ahmad Zeidabadi aus dem Iran. Eine vollständige Liste der Preisträger ist abrufbar unter

www.wan-press.org/pfreedom/goldenpen.php

Weltverband der Zeitungen und Nachrichtenmedien

WAN-IFRA, mit Sitz in Paris, Frankreich, und Darmstadt, Deutschland, sowie Regionalbüros in Singapur, Indien, Spanien, Frankreich und Schweden, ist der Weltverband der Zeitungen und Nachrichtenmedien und vertritt mehr als 18’000 Publikationen, 15’000 Online-Sites und über 3’000 Unternehmen in mehr als 120 Ländern. Die Organisation entstand durch den Zusammenschluss zwischen dem Weltverband der Zeitungen (WAN) und IFRA, der Research- und Serviceorganisation für die Zeitungsindustrie.

wan-ifra

Kontakt:

www.wan-ifra.org

WAN-IFRA Magazine

Larry Kilman, Director of Communications and Public Affairs, WAN-IFRA,

7 rue Geoffroy St Hilaire,

75005 Paris, Frankreich

Tel.: +33 1 47 42 85 00

Fax: +33 1 47 42 49 48

Mobil: +33 6 10 28 97 36

E-Mail: larry.kilman@wan-ifra.org

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 13. Oktober 2011
  • Journalismus

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