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7. Dezember 2022

DAS FOTOMUSEUM WINTERTHUR LANCIERT UNTER DEM NAMEN «[PERMANENT BETA]» EIN FORSCHUNGSLABOR UND EINE ONLINE-PLATTFORM

«[permanent beta]» ist eine digitale Plattform, die sich während jeweils zwei bis drei Jahren mit einer Fragestellung rund um das digital vernetzte Bild auseinandersetzt und schliesslich in eine Ausstellung und eine Publikation mündet. «Mit dem Projekt setzt das Museum seine schwerpunktmässige Auseinandersetzung mit algorithmischen und vernetzten Bildern und Bildkulturen fort und visualisiert diese anhand von kuratorischen, künstlerischen und wissenschaftlichen Beiträgen.», schreibt das Fotomuseum Winterthur. Die erste Ausgabe von «[permanent beta]» widmet sich unter dem Titel «The Lure of the Image» der Anziehungs- und Verführungskraft des Bildes.

Bild oben: Dina Kelberman, Screenshot des Livestreams «Sponge Project», 2022 © Dina Kelberman

Selfies und Memes, Algorithmen und neuronale Netzwerke, Filter und manipulierte Bildinhalte, Clickbaits und Aufmerksamkeitsökonomie, Content–Moderator_innen und Influencer_innen, Online–Aktivismus und Netzfeminist_innen: Das digital vernetzte Bild hat in den letzten Jahrzehnten mit unglaublicher Geschwindigkeit neue Bildformen und kulturelle Praktiken hervorgebracht. Diese haben einen beträchtlichen Einfluss auf soziale, politische und wirtschaftliche Prozesse und Entwicklungen.

«Die dezidierte Auseinandersetzung mit den digitalen Bildpraktiken unserer Gegenwart und deren Auswirkungen bildet bereits seit 2015 einen Schwerpunkt am Fotomuseum Winterthur. Diese Auseinandersetzung manifestiert sich in unterschiedlichen Projekten und Vermittlungsangeboten.», heisst es in der Medienmitteilung.

«Mit ‚[permanent beta]‘ ist nun ein experimentelles Labor an der Schnittstelle von Forschung und Praxis entstanden, welches sich während jeweils rund zwei bis drei Jahren mit einer bestimmten Fragestellung im Bereich zeitgenössischer Bildkulturen auseinandersetzt. Das Projekt entfaltet sich auf einer dynamischen und sich stets verändernden Online–Plattform und mündet 2025 in eine thematische Ausstellung sowie eine Publikation.

Performative oder audiovisuelle Erkundungen, Podcasts, Essays oder dialogische Beiträge von Künstler_innen, Kurator_innen und Theoretiker_innen geben Nutzer_innen nicht nur einen vielseitigen Einblick in die Thematik, sondern auch in den kollektiven Recherche– und Entstehungsprozess eines Ausstellungsprojekts und einer Publikation. Zudem werden die Besucher_innen eingeladen, sich aktiv an der thematischen Recherche sowie der Entwicklung der Plattform zu beteiligen, indem beispielweise die Möglichkeit besteht, in die zweiwöchentlichen Meetings des kuratorischen Teams reinzuhören oder gar aktiv daran teilzunehmen.», umschreibt das Fotomuseum das Projekt.

Thematischer Schwerpunkt

Bis 2025 setzt sich «[permanent beta]» unter dem Titel «The Lure of the Image» mit der Anziehungs– und Verführungskraft von Bildern auseinander. Warum und wie werden wir unter den algorithmischen und digital vernetzten Bedingungen unserer Gegenwart von Bildern verführt, verleitet, gesteuert, geködert oder gar getäuscht? Welche Logiken liegen dieser Anziehungs– und Verführungskraft von Bildern zugrunde, und wie prägen sie die sozialen, kulturellen und politischen Entwicklungen unserer Zeit?

«In seriellen Beiträgen werden thematische Inputs von einem interdisziplinären und ständig wachsenden Netzwerk von Künstler_innen, Kurator_innen, Forscher_innen und externen Expert_innen veröffentlicht. Für die Podcast–Serie ‚Cheated by an Image‘ beispielsweise beantworten sie die Frage, wann sie sich das letzte Mal von einem Bild betrogen gefühlt haben. Ihre persönlichen Geschichten und intimen Bekenntnisse teilen sie in Form von Audiobotschaften. Dabei beleuchten sie unseren Umgang mit Bildern, die auf sozialen Medien, digitalen Marktplätzen oder Dating–Apps zirkulieren. Sie werfen somit auch ein Licht auf die Herausforderungen, mit denen wir uns konfrontiert sehen, wie beispielsweise digitale Aufmerksamkeitsökonomien oder algorithmisch gesteuerte Fake News.», führt das Fotomuseum weiter aus.

Künstlerische Auseinandersetzungen finden sich beispielsweise in der Serie «Sponge Project» der US–amerikanischen Künstlerin Dina Kelberman (vgl. Bild). Diese sammelt seit einigen Jahren Instagram–Videos von Händen, die Schwämme zusammendrücken, auspressen, in schaumiges Wasser tauchen oder in kleine Stücke reissen. Diese sogenannten ASMR–Videos (ASMR steht für Autonomous Sensory Meridian Response, unabhängige sensorische Meridianreaktion) «verführen» Millionen von Zuschauer_innen und lösen in der Regel ein wohliges und beruhigendes Gefühl aus – auch aufgrund der Klangwelt, mit der die Videos unterlegt sind. An ihrer experimentellen Erkundung solcher Videos und deren Reiz lässt Kelbermann die Nutzer_innen jeden Freitag in einem gleichsam mediativen Prozess über einen Livestream teilhaben und erweitert so ihre entstehende Videoarbeit um eine performative Komponente.

In der Reihe «Unfinished Thoughts» teilen die Kurator_innen des Fotomuseums Winterthur und zunehmend auch externe Expert_innen in Form von kurzen, persönlichen Reflexionen ihre Gedanken, die sie sich während des Rechercheprozesses machen. Beispielsweise wird das angebliche Bild einer weit entfernten Galaxie besprochen, welches im Sommer 2022 vom Physiker und Wissenschaftsphilosophen Étienne Klein getweetet wurde. Die verführerisch echt wirkende, vermeintlich detailreiche Fotografie entpuppte sich schliesslich als Bild einer Salamischeibe. Die zunächst unstrukturierte Sammlung von «Unfinished Thoughts» visualisiert nicht nur den Rechercheprozess des Teams, sondern soll auch dazu dienen, das Thema sowie unterschiedliche Gedankenstränge und Untersuchungsgegenstände nach und nach zu kartieren und einzugrenzen, um schliesslich wiederkehrende Fragen und Muster zu erkennen.

fmw

Kontakt:

www.permanentbeta.network

#FotomuseumWinterthur #PermanentBeta #TheLureoftheImage #UnfinishedThoughts #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

Etienne Klein, Tweet

Bild: Etienne Klein, Tweet «Chorizo Sun», 2022 © Etienne Klein

 

 

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 7. Dezember 2022
  • Multimedia und Internet

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