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22. September 2023

PAX ART AWARDS FÜR UBERMORGEN, JOHANNA MÜLLER UND GIULIA ESSYAD

Im Haus der elektronischen Künste (HEK) in Münchenstein / Basel wurden am Donnerstag Schweizer MedienkünstlerInnen ausgezeichnet: Der mit 30'000 Franken dotierte Hauptpreis der Pax Art Awards ging an das Netzkunst-Duo UBERMORGEN. Mit CHF 15'000 von diesem Preisgeld unterstützt die Art Foundation Pax diese KünstlerInnen bei der Produktion einer neuen Arbeit. Weitere CHF 15'000 dienen dem Erwerb eines Werks dieser KünstlerInnen für die Sammlung der Art Foundation Pax. Mit je CHF 15'000 unterstützt werden sodann die Künstlerinnen Johanna Müller (*1990) und Giulia Essyad (*1992).

Foto: © https://www.artfoundationpax.ch/news/ 

Die Pax Art Awards

Mit den Kunstpreisen ehrt und fördert die Art Foundation Pax in Zusammenarbeit mit dem HeK, Haus der elektronischen Künste Basel, eine medienspezifische Praxis von Schweizer KünstlerInnen, deren Werke Medientechnologien nutzen beziehungsweise deren Auswirkungen reflektieren. Die für die Sammlung der Art Foundation Pax angekauften Werke der PreisträgerInnen werden anlässlich der Preisverleihung im HeK Basel ausgestellt.

Die Art Foundation Pax vergibt jeweils drei Preise. Mit einem Award und einem Preisgeld von CHF 30’000 ehrt die Stiftung etablierte KünstlerInnen oder Künstlergruppen, welche die Schweizer Medienkunstszene in den letzten Jahren geprägt haben und auch in Zukunft beeinflussen dürften. Mit CHF 15’000 von diesem Preisgeld unterstützt die Art Foundation Pax diese KünstlerInnen bei der Produktion einer neuen Arbeit. Weitere CHF 15’000 dienen dem Erwerb eines Werks dieser KünstlerInnen für die Sammlung der Art Foundation Pax. Zwei weitere Awards werden an junge, aufstrebende Medienkunstschaffende vergeben, die jeweils CHF 15’000 inklusive Preisgeld und Ankauf von einem Werk erhalten.

KünstlerInnen können sich nicht aktiv auf die Preise bewerben, sondern werden von einer Jury aus mehreren wechselnden ExpertInnen nominiert und ausgewählt.

Aktuell gehören der Jury an:

Carmen Weisskopf, Künstlerin, Zürich / Berlin
Luc Meier, Direktor La Becque Résidence d’artistes, La Tour-de-Peilz
Marlene Wenger, Kunsthistorikerin und Kuratorin, Bern
Sabine Himmelsbach, Direktorin HEK, Basel

Beisitz und Stimmrecht haben ebenfalls die Stiftungsräte der Art Foundation Pax:
Nicolas C. Bopp, Präsident Stiftungsrat Art Foundation Pax, Basel
Fausto De Lorenzo, De Lorenzo Art and Museum Management & Consulting GmbH, Basel

UBERMORGEN

Luzius Bernhard und Lizvlx erweitern mit UBERMORGEN seit den 1990er-Jahren das Feld der Netzkunst mit Projekten und Interventionen und loten die Möglichkeiten des Internets immer wieder aufs Neue aus. Mit ihren Arbeiten reflektieren UBERMORGEN über das Internet als Marktplatz die Logik des Internets als Vernetzungsmaschine und intervenieren in politische und gesellschaftliche Diskurse.

Schon früh erkannte die Künstlergruppe, dass das Internet ein vielversprechendes Medium für die Kunst ist. Mit ihren ersten Projekten wie Vote-Auction, aber auch mit aktuellen Arbeiten wie Breitbart Red, bringen sie politische Themen ins Netz und machen damit nicht nur auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam, sondern schaffen spekulativen Raum für politische Aktionen.

Auch mit Arbeiten wie [F]original oder Bankstatement Generator reagieren UBERMORGEN künstlerisch auf politischen Druck und eröffnen mithilfe von einfachen technologischen Hacks konkrete Handlungsräume. Dabei nutzt das Duo Branding- und Marketing-Strategien besonders geschickt, um seinen antiautoritären Anspruch zu kommunizieren und medienwirksam Aufmerksamkeit zu generieren.

Mit GWEI – Google Will Eat Itself (2005) und Amazon Noir (2006) setzt sich UBERMORGEN kritisch mit der Macht dominanter (Internet-)Konzerne, der Kommerzialisierung des Internets und Fragen nach (gemeinschaftlichem) Urheberrecht und Markenschutz auseinander. Insbesondere Themen wie (geistiges) Eigentum, Originalität und künstliche Verknappung/Knappheit haben in den vergangenen Jahren aufgrund des Hypes um NFTs erneut an Bedeutung gewonnen und zeigen, wie wichtig es ist, dass UBERMORGEN und weitere KünstlerInnen ihrer Generation zu einem fundierten kritischen Diskurs beigetragen haben.

Für ihre bahnbrechenden Arbeiten wurde die Künstlergruppe UBERMORGEN bereits mehrfach ausgezeichnet. Die Jury möchte besonders hervorheben, wie wichtig und einflussreich ihre Arbeit für die Schweizer Medienkunst ist und war.

-> https://www.ubermorgen.com/UM/index.html

JOHANNA MÜLLER

Johanna Müller (*1990) bezeichnet sich selbst als Flaneurin des Internets, untersucht, wie wir uns in Online-Räumen bewegen und verhalten. Dabei versteht sie das Flanieren als aktiven Prozess des Reframings und der Rekontextualisierung von Inhalten, die sich in ihren Arbeiten in den verschiedensten Medien von Video über installative Objekt-Assemblagen bis zur Performance zeigen.

Müllers Arbeiten zeichnen sich durch die Analyse von Phänomenen einer vernetzten, immer komplexer werdenden, aber auch überwachten Kultur der Digitalität aus. Sie widmet sich beispielsweise dem Phänomen des «walled garden», ein kontrolliertes, abgeschlossenes System, um UserInnen-Verhalten zu kontrollieren, wie zum Beispiel in dem Werk What If I Was Wrong About What Jesus Looks Like (2021), oder der Meme-Kultur, wie in der Arbeit Who the f*** is Karen? (don’t show feelings) (2022). «My soul is a vast and infinite well of energy and creativity, I can draw from it any time that I like to help me think or create.»: So sinniert die Computerstimme in Johanna Müllers Arbeit I worked out today and now I’m posing with my art piece (2022). Das Zitat stammt aus einem Interview mit LaMDA, einem neuronalen Sprachmodell von Google. Eben einen solchen Text-to-Image-Generator namens Midjourney nutzt Müller, um aus­gehend von einem Selbstporträt mit Vase eine Flut von Bildmotiven zu generieren, die in schneller Abfolge die visuelle Ebene des Videos ausmachen. Zeitweilig noch zu erkennen, morphen Gesicht und Vase zu immer abenteuerlicheren Gebilden und verselbstständigen sich zu surrealen Strudeln aus Weiss und Blau.

Die Künstliche Intelligenz in Müllers Arbeit suggeriert Empfindungsfähigkeit – eine Qualität, die bisher biologischen Organismen vorbehalten war – und positioniert sich damit im hochaktuellen Diskurs um die Singularität von KI, welche durch webbasierte KI-Software für Text-, Sprach- und Bildgeneration in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.

Die Jury war überzeugt von der Qualität der Analyse von Müller für alle Arten von sozialen Plattformen zur Selbstdarstellung.

-> https://johannamueller.net/

GIULIA ESSYAD

Giulia Essyad (*1992) erforscht die Darstellung des menschlichen Körpers, insbesondere in Werken der Populärkultur wie den Filmen «Avatar» und «Charlie und die Schokoladenfabrik» oder Figuren aus Picassos Blauer Periode. Essyad analysiert insbesondere die Art und Weise, wie der menschliche Körper in den sozialen Online-Räumen, die heute von einer Kultur bestimmt werden, in der das Bild vorherrscht, zum Gegenstand von Diskussionen, Verwandlungen und Zelebrierungen, ja fast zum Schlachtfeld wird.

Die auf den Körper aufgetragene Farbe Blau als Symbol der Entfremdung und des Andersseins ist ein wiederkehrendes Element in Essyads Werken, ebenso wie das Motiv der «Blueberry Inflation», einer Verwandlung, die der Charakter Violet Beauregarde in Willy Wonkas Schokoladenfabrik durchmacht und die eine weltweite Fanbase hervorgebracht hat.

In diesem Fall stellen der Körper und seine Verwandlungen in Essyads Werk eine Rückeroberung des Körpers gegen die von der Konsumgesellschaft auferlegten Ideale der Perfektion dar. In dem Werk blueberry.inflation.v1.2 (2021) beispielsweise soll die Verwandlung des Körpers der Künstlerin in eine saftige Blaubeere nicht die moralische Warnung des Films wider­spiegeln, der diese Metamorphose inspiriert hat, sondern eine Hommage an die Nische der Fans sein, die den opulenten Körper in seinen erotischen und vergnüglichen Aspekten aufnehmen und feiern.

Essyad greift auch die traditionellen Werte der westlichen Kultur an. In dem satirischen Science-Fiction-Werk BLUEBOT (2021) ist ein blauer Roboter der Überlebende einer vergangenen matriarchalischen Gesellschaft, im Gegensatz zu der Gesellschaft, die wir kennen. In ähnlicher Weise thematisiert das Werk Familiar (2019) spielerisch die Enteignung von Bräuchen und Traditionen, die von der kolonialen Kultur als exotisch angesehen werden.

Die Jury würdigt die Kohärenz und den Scharfsinn, mit denen Giulia Essyad das Thema des Körpers in ihren Arbeiten behandelt, die von der Performance über die Poesie bis hin zur bildenden Kunst reichen.

-> https://www.roehrsboetsch.com/artists/detail/giulia-essyad/about/ 

Quelle:

https://www.artfoundationpax.ch/preistrager-2/#ubermorgen

Kontakt:

https://www.artfoundationpax.ch/

https://hek.ch/projekte#pax-art-awards

#PaxArtAwards2023 #HEK #Ubermorgen #JohannaMüller #GiuliaEssyad #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 22. September 2023
  • Multimedia und Internet

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