23. September 2012
AMAR KANWAR: «Evidence»
Ausstellung im Fotomuseum Winterthur, bis am 18. November 2012

Bild:
Amar Kanwar
A Season Outside (Eine Jahreszeit
ausserhalb), 1997
Aus Trilogy (Trilogie), 1997-2003
Video, analog und digital, Farbe, mit Ton, 30 Min.
© Amar Kanwar
Zwei einschneidende Ereignisse in der indischen Geschichte haben Amar Kanwars soziale und politische Wachsamkeit geprägt und geschärft: Eines waren die organisierten Massaker, die Vergeltungsschläge an Sikhs nach der Ermordung von Indira Gandhi am 31. Oktober 1984, das andere war die Chemiekatastrophe in Bhopal, als am 03. Dezember des gleichen Jahres aus einer Pestizidfabrik der amerikanischen Chemiefirma Union Carbide giftige Dämpfe entwichen, die mehrere tausend Menschen töteten und hunderttausende verletzten.
Seither beschäftigt sich Amar Kanwar (*1964) als Filmemacher mit den sozialen, politischen und gesellschaftlichen Fragestellungen auf dem indischen Subkontinent, mit dem Konflikt zwischen Indien und Pakistan, den Misshandlungen und Vergewaltigungen der Frauen, dem Kampf für die Demokratie.
Ihn interessieren in seinen Videos gesellschaftliche und wirtschaftliche Gefälle, er bewegt sich in Konfliktzonen, filmt Schauplätze von Macht, Gewalt und Missbrauch der Natur. Dagegen setzt er den Mut des Einzelnen, die Kraft von Gruppen, die Energie der Poesie.
Jedes seiner Hauptthemen wird umgarnt von Seitenthemen, wird mit einfachen, aber bedeutsamen Nebenschauplätzen versetzt, wird aufgebrochen und vielfach hinterfragt. Er sucht in seinen intensiven Filmen tief reichende, den Nerv des Lebens, der Gesellschaft, der Erfahrung treffende Gewissheiten, erdauerte, erlebte, gefühlte «Beweise».
Amar Kanwar nahm 2012 zum dritten Mal in Folge an der documenta teil. Die Ausstellung im Fotomuseum Winterthur zeigt in sieben Räumen zentrale Videowerke von ihm.
fmw
Kurator: Urs Stahel
Zur Ausstellung erscheint ein Buch im Steidl Verlag.
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Kommentare von Daniel Leutenegger