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8. Juni 2019

«ANITA ZUMBÜHL – VERY FEW THINGS CONSIST OF A SINGLE SUBSTANCE»

Ausstellung im Kunstmuseum Luzern, bis am 25. August 2019 - In Kooperation mit der Kommission Bildende Kunst Stadt Luzern

Foto: © Marc Latzel

Woran denken wir, wenn wir von Natur sprechen? An Wildnis? An die frische Luft? An Klimawandel und Umweltverschmutzung? Sobald wir über Natur sprechen, stellen wir uns neben sie. Dieser Blick von ausserhalb macht Natur zur idealen Projektionsfläche. Natur als Gegenstück zu Kultur: Das ist nur eines der Begriffspaare, denen Anita Zumbühl (*1975) in ihrer Arbeit nachgeht, jedoch ein zentrales.

Die Künstlerin interessiert sich dabei weniger für die Diskrepanz gegensätzlicher Konzepte wie Natur – Kultur, sondern für jene Stellen, an denen sie sich berühren, an denen Reibung entsteht und vielleicht auch eine gewisse Unschärfe, ein Sich-nicht-mehr-sicher-sein.

Dieses Unwissen widerspiegelt die Komplexität der Welt, auf die auch Anita Zumbühls Ausstellungstitel verweist. Den Satz hat die Künstlerin auf einer Internetseite gefunden, die Kindern chemische Phänomene und Verfahren erklärt. Im zitierten Beispiel geht es um die Chromatografie, mit der Inhaltsstoffe analysiert und in unterschiedlichen Farben dargestellt werden können.

Anita Zumbühl eignet sich Sätze, Materialien und Bilder an, die sie auf Streifzügen im Wald, der Stadt, in Büchern oder eben im Internet findet. Die Funde sammeln sich im Atelier und in Notizbüchern, bis sie neu verknüpft zu Werken werden. Die Künstlerin kombiniert dabei Natur in Form von Ästen, Moosen, Kristallen und vielem mehr mit Kultur in Form von Heimtextilien und Sprache. Mit Vorhängen, Tischtüchern, Bettdecken oder zeltartigen Strukturen stehen dabei jene Materialien und Formen im Vordergrund, die dazu dienen, Häuslichkeit herzustellen.

Verwandt mit Natur/Kultur ist das Begriffspaar aussen/innen inklusive Aussenraum/Innenraum und Aussenleben/Innenleben. Andere Schnittstellen sind enger mit Anita Zumbühls Arbeitsprozess verknüpft: Theorie geht einher mit Praxis, forschen mit zufallen, Steuerung und Kontrolle mit Offenheit. Besonders deutlich wird dies bei den Färbearbeiten, die seit 2015 entstehen. Faltet Anita Zumbühl die Stoffe vor dem Färbeprozess, bilden sich geometrische Strukturen und Raster, die mit ihren weich fliessenden Rändern wie konstruktive Malerei in Auflösung wirken. Streut sie jedoch Farbpulver auf die Stoffe und lässt den Regen die Pigmente lösen, entstehen eine Art bunt-gesprenkelter Sternenhimmel und ineinanderfliessende Flecken.

Die Künstlerin interessiert sich in beiden Versuchsanlagen für das Prozesshafte und gewährt dem Zufall Raum. Sie reflektiert damit auch, wie wir Einfluss nehmen, und fragt danach, was wir tun, wenn wir nichts tun.

Für die Ausstellung realisiert Anita Zumbühl neue Färbearbeiten im Freien, in denen die Natur als Kollaborateurin mitwirkt. Die riesigen Stoffbahnen unterteilen den Raum in verschiedene Gebiete, der Ausstellungsrundgang gleicht einer Entdeckungstour durch eine Landschaft.

Die Kommission Bildende Kunst Stadt Luzern hat Anita Zumbühl mit Band 15 der Publikationsreihe Junge Kunst der Stadt Luzern ausgezeichnet. You don’t know, what you don’t know, you don’t know – so der Titel – bietet einen breiten Einblick in Anita Zumbühls assoziative Bild- und Gedankenwelt.

Kuratiert von Eveline Suter

kml

Kontakt:

https://www.kunstmuseumluzern.ch/ausstellungen/anita-zumbuehl/

#AnitaZumbühl #KunstmuseumLuzern #EvelineSuter CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 8. Juni 2019
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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