Ausstellung im Kunsthaus Glarus, bis am 22. Januar 2012

Bild: Annette Amberg, Untitled (Blvd. Mao Tse Toung 107), 2011, Detail From Series of Ten 16mm Film Stills, Photo: Annette Amberg
Annette Amberg (*1978 in Bern, lebt und arbeitet in Zürich) befragt in ihren künstlerischen Arbeiten die Bedeutungen des politischen und symbolischen Austauschs von Gütern und Wissen und deren Auswirkungen auf die Konstruktion von kultureller Identität.
In der Kombination von Objekten, gefundenen und
persönlichen Fotografien, Filmmaterial sowie installativen Elementen spannt die
Künstlerin ein vielschichtiges Netz an Bezügen innerhalb der Architektur- und
Kulturgeschichte. Dabei geht es um das komplexe Verhältnis von Identität und
Repräsentation, konstruiertem Bild und kodierter Vorstellung, um die Beziehung
von einer privaten und der offiziellen Version von Geschichte und um eine
Befragung der modernen, westlich konnotierten Architektur im Spiegel des
Exports in andere kulturelle Kontexte.
Der mehrdeutige Ausstellungstitel «Everything But Arms» ist einerseits eine Anspielung auf das gleichnamige politische Handelsabkommen zwischen der EU und einer Reihe von wirtschaftlich wenig entwickelten Staaten, das auf Gegenseitigkeit, Förderung und auf Zollfreiheit aller Güter, ausgenommen Waffen, beruht.
Andererseits bezieht sich die Doppeldeutigkeit des
Wortes «Arms» im Englischen, das für Kriegsmaterial ebenso wie für
Arme steht, auch auf eine fragmentarische Sichtweise, wie etwa diejenige eines
Archäologen auf Bruchstücke einer fremden Kultur – etwa auf eine ausgegrabene
Skulptur, Fragmente von Architektur oder andere kulturelle Schätze. Damit
verweist der Titel auch auf die Arbeitsweise von Annette Amberg, sich auf
poetische Weise historisches, kulturelles Material und seine Formensprachen
anzueignen und diese unter neuem Blickwinkel zu betrachten.
In ihrer ersten grossen Einzelausstellung im Kunsthaus Glarus führt Annette Amberg ihr Interesse am kulturellen und ideologischen Transfer von Ideen und Objekten weiter und untersucht diese anhand der ehemaligen französischen Kolonialgebiete in Südostasien.
In der Ausstellung stellt der Dialog mit der Architektur des Kunsthaus‘ Glarus wiederum einen Referenzpunkt dar. Das Interesse der Künstlerin richtet sich dabei besonders auf Mechanismen des Austauschs und der Wahrnehmung von fremder Kultur sowie die Bildung und Tradierung von Stereotypen von Exotik.
khg
Kontakt:
Kunsthaus Glarus
Im Volksgarten
CH-8750 Glarus
T: +41 55 640 25 35
F: +41 55 640 25 19
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Kommentare von Daniel Leutenegger