Im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich wäre eigentlich seit dem 20. März und noch bis am 19. Juli 2020 die Ausstellung «Nonnen. Starke Frauen im Mittelalter» zu sehen. Bilder und Infos zur Ausstellung sowie gegebenenfalls Daten zur eventuellen späteren Eröffnung finden sich auf der angegebenen Webseite.

Bild: © https://www.landesmuseum.ch/nonnen
Nonnen im Mittelalter waren weit mehr als asketisch lebende Frauen, die sich nur für die Welt innerhalb der Klostermauern interessierten. Das Kloster bot Frauen Möglichkeiten, die sie sonst kaum hatten – Zugang zu höherer Bildung, soziale Absicherung und die Chance, sich familiären Normen zu entziehen. Die Ausstellung zeigt anhand verschiedener Persönlichkeiten, wie vielfältig die Lebensformen geistlicher Frauen im Mittelalter waren.
Nonnenklöster haben eine lange Tradition. Bereits im fünften Jahrhundert bildeten Frauen erste religiöse Gemeinschaften, um zusammen zu leben. Die Gründe, warum sie diesen Weg einschlugen, waren nebst einer religiösen Überzeugung vielfältig: Spiritualität, Flucht vor einer Zwangsehe, Hoffnung auf Bildung, Abschiebung durch die Familie aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen.
Wer jetzt aber an Frauen denkt, die hinter hohen Klostermauern ein zurückgezogenes Leben führen, der täuscht sich. Nonnen beschäftigten sich sehr wohl mit weltlichen Angelegenheiten und hatten oft auch grosse politische Macht. Ein Paradebeispiel dafür ist Elisabeth von Wetzikon.
In der Äbtissin des Fraumünsterklosters Zürich vereinten sich kirchliche und weltliche Macht in einer Person. Elisabeth von Wetzikon (1235 – 1298) gehörte in der Region Zürich zu den einflussreichsten Personen des 13. Jahrhunderts. Als Fürstäbtissin herrschte sie nicht nur über das Kloster, sondern über die ganze Stadt. In dieser Funktion war sie oberster Richterin, wählte den Bürgermeister und hatte das Recht, Münzen prägen zu lassen oder Zoll zu erheben. An dieser Frau führte damals kein Weg vorbei.
Von der Äbtissin zur Ehefrau und Mutter
Gut zwei Jahrhunderte später hatten sich die Zeiten geändert. Die Reformation spaltete die Gesellschaft und mitten drin stand das Zürcher Fraumünsterkloster. Zu dieser Zeit leitete Katharina von Zimmern die Geschicke der Gemeinschaft. Sie war 1496 gewählt worden und blieb 28 Jahre im Amt. Um einen handfesten Konflikt zu verhindern, übergab sie das Kloster 1524 der Stadt. Dieser Schritt hatte auch private Auswirkungen. Katharina von Zimmern erhielt eine hohe Abfindung und heiratete ein Jahr später den Söldnerführer Eberhard von Reischach, dem sie zwei Kinder gebar. Wenn eine ehemalige Äbtissin einen Soldaten heiratet und Mutter wird, ist das schon ungewöhnlich. Wenn sie aber während ihrer Amtszeit im Kloster bereits eine Tochter geboren hat, ist das heute für uns eine Sensation. Genau dies war bei Katharina von Zimmern der Fall. Erst kürzlich stiessen Historikerinnen auf Quellen, die dies bestätigen. Wer der Vater dieser unehelichen Tochter war, ist jedoch noch nicht bekannt.
Diese beiden Beispiele zeigen, dass Nonnen im Mittelalter weit mehr als asketische und keusche Frauen waren, die sich nur für die Welt innerhalb der Klostermauern interessierten. Ihr Leben war spannend, politisch und vielseitig.
Andrej Abplanalp
Virtueller Rundgang durch die Ausstellung:
https://virtuell.landesmuseum.ch/
Mehr für Schulen:
https://www.landesmuseum.ch/landesmuseum/schulmaterial/2020/nonnen/lmz_wa_nonnen_su.pdf
Kontakt:
https://www.landesmuseum.ch/nonnen
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Bild: © https://blog.nationalmuseum.ch/2020/03/nonnen-im-mittelalter/
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