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17. April 2019

«IN-FLORE-SCIENTIA. ARTE E BOTANICA»

Bis am 11. August 2019 zeigt das Museo Vincenzo Vela in Ligornetto (TI) eine bislang unveröffentlichte Reihe handkolorierter Glasdiapositive mit Motiven aus der Botanik des Fotografen und Malers Josef Hanel neben neueren Arbeiten von Gabriela Maria Müller, die in ihren Werken Blütenstaub, Samen, Erde und Wachs verarbeitet. Das interessante Zusammentreffen stellt eine Huldigung an die vergängliche Schönheit und geheimnisvolle Regeneration der Pflanzenwelt dar und entstand in Kooperation zwischen dem Museo Vincenzo Vela und dem Botanischen Museum der Universität Zürich.

Bild oben: Josef Hanel (1865-1940), Crataegus cf. x macrocarpa, Grossfrüchtiger Weissdorn, © Botanisches Museum der Universität Zürich

josef hanel eisenhut

Bild: Josef Hanel (1865-1940), Aconitum napellus subsp. Lusitanicum, Gewöhnlicher Blau-Eisenhut, © Botanisches Museum der Universität Zürich

Bis am 11. August 2019 beherbergen die Säle des Museo Vincenzo Vela eine ebenso ungewöhnliche wie qualitativ hochwertige Ausstellung, in der Fotografie, Malerei, Wissenschaft und zeitgenössische Kunst eng miteinander verwoben sind und dadurch eine erstaunliche Wirkung erzielen.

Thema der Schau ist die Welt der Pflanzen und der Botanik, wobei der herrliche Park, der das Museumsgebäude umrahmt, eines der Kriterien bei der Auswahl des Sujets darstellte. Wie in den letzten Jahrzehnten bereits mehrfach geschehen, handelt es sich hierbei um ein interdisziplinäres Projekt, mit dem das Museum Anreize zur gedanklichen Vertiefung hinsichtlich der Darstellung von Natur und Flora anbieten möchte.

Eine unveröffentlichte Reihe handkolorierter Glasdiapositive des Fotografen und Malers Josef Hanel (1865-1940), die im frühen 20. Jahrhundert zu wissenschaftlichen und didaktischen Zwecken hergestellt wurden und Motive aus der Botanik darstellen, wird in der Form eines Dialogs mit zum Teil erst kürzlich geschaffenen Werken und Installationen der Künstlerin Gabriela Maria Müller ausgestellt.

Die Schau entstand in Kooperation zwischen dem Museo Vincenzo Vela und dem Botanischen Museum der Universität Zürich, welches im Besitz der kostbaren Sammlung von Lichtbildern ist, und wird von Gianna A. Mina in Zusammenarbeit mit der Biologin und Archäobotanikerin Christiane Jacquat kuratiert, die vordem als Kuratorin am obengenannten Zürcher Museum tätig war.

Geboren in Hennersdorf, im damals zu Österreich gehörenden Sudetenland, absolvierte Hanel eine Ausbildung zum Dekorationsmaler, erlernte autodidaktisch das Fotografieren und war in der Folge in Österreich, Deutschland und der Tschechoslowakei tätig. Der Fotograf und Maler nahm Schwarzweiss-Lichtbilder von Pilzen, Farnen, Flechten, Moosen und Blütenpflanzen in ihrem natürlichen Habitat auf und kolorierte diese dann äusserst kunstfertig von Hand mit feinsten Pinselstrichen.

Seine Fotografien beeindrucken aufgrund ihrer präzisen Einstellungen, der feinen Nuancierung, dem Licht- und Schattenspiel sowie dem umsichtigen Einsatz von Farbe, was den Bildern einen künstlerischen Wert vermittelt, der weit über ihre unstrittige wissenschaftliche Bedeutung hinausgeht. Die naturgetreue Wiedergabe des Lebensraums und die übergrosse Sorgfalt bei der Darstellung auch kleinster Details erhöhen aber nicht nur die wissenschaftliche Relevanz der Bilder, sondern offenbaren und legitimieren gleichzeitig auch das Talent und die künstlerischen Ambitionen Hanels.

Der thematisch angelegte Ausstellungsparcours erlaubt den Besucherinnen und Besuchern, das Werk Josef Hanels aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Zuweilen befinden sich die kleinen Glasplatten auf Lichtpaneelen, um den verblüffenden Detailreichtum der malerischen Gestaltung und die meisterhafte Kolorationstechnik zur Geltung zu bringen, welche die Herausgeber von wissenschaftlichen Publikationen davon überzeugten, Hanel regelmässig mit anspruchsvollen Aufträgen zu betrauen. In anderen Fällen wird durch Vergrösserungen auf ein Format, das den bei Lehrveranstaltungen üblichen Wandprojektionen ähnelt, eine Brücke zu einem weiteren Verwendungszweck der Bilder geschlagen: Tatsächlich wurden die Dias ursprünglich für den Botanikunterricht oder Vorträge genutzt.

Gleichzeitig machen die Vergrösserungen aber auch die herausragende künstlerische Qualität dieser «Quasimalereien» offenbar. So wird die Grenze zwischen Kunst und Botanik, die sich bereits im Ausstellungstitel In-flore-scientia angedeutet findet, noch fliessender.

Josef Hanels Interesse an der Natur und seine Erfahrung als Dekorationsmaler, verbunden mit der Fotografie, verleihen ihm den Rang eines Pioniers auf diesem Gebiet, weshalb die Ausstellung eine wertvolle Gelegenheit darstellt, seine Arbeiten kennen- und schätzen zu lernen – und sei es nur aufgrund der verblüffenden Schönheit seiner Bilder.

Die künstlerischen Interventionen in situ der Wahltessinerin Gabriela Maria Müller fügen sich in stiller Anmut und mit konzeptueller Strenge in die Ausstellung zu Josef Hanel und den Dialog mit den Werken der ständigen Sammlung ein. 1963 in Appenzell geboren, folgt Gabriela Maria Müller einem Schaffensweg, der sie – in einem Prozess progressiver Verinnerlichung und ergriffener Wertschätzung des «Mysteriums» der Natur mit ihren zyklischen Abläufen, dem auch die Menschheit angehört – über die Jahre konsequent und geradezu zwingend dazu führte, ihre künstlerische Poetik auf das Thema «Natur» zu konzentrieren.

So ergibt sich ein subtiles Geflecht von Bezügen, das überraschende Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Künstlern zutage fördert, denn ihre Seelenverwandtschaft beruht nicht nur auf der Thematik und ihrer symbiotischen Beziehung zur Natur, vielmehr teilen sie auch den akribischen, nahezu virtuosen und kaum nachvollziehbaren Umgang mit Materialien und angewandten Techniken.

cp

josef hanel seerose

Bild: Josef Hanel (1865-1940), Nymphaea alba, Weisse Seerose, © Botanisches Museum der Universität Zürich

Publikationen

Die Pflanzenbilder des «I. H.» Eine rätselhafte Sammlung handkolorierter Glasdiapositive

Christiane Jacquat

228 Seiten, Format 23×30 cm
230 Farbfotos
Gebunden
AT Verlag 2019
CHF 49.00

ISBN 978-3-03902-000-3

ISBN 978-3-03902-011-9 (nummerierte Spezialausgabe)

Blättern:

https://issuu.com/atverlag/docs/9783039020003?mode=embed

Docu-Fiction

Speziell für die Ausstellung wurde von der Universität Zürich eine kurze Docu-Fiction hergestellt. Titel: Josef Hanel (1865-1960), Fotograf und Maler. Herstellung eines handkolorierten Glasdiapositivs; Produktion/Regie: Stephan Läuppi, Christiane Jacquat; Darsteller: Christian Spreng.

Wie immer wird die Ausstellung von einem detaillierten Programm von Begleitaktivitäten umrahmt, die in der Veranstaltungsreihe Rel-azioni. Begegnungen der anderen Art zusammengefasst sind und zum Teil im herrlichen Museumspark stattfinden.

Kontakt / Contatto:

https://www.museo-vela.ch/vela/de/home/info/news/news-2019/domenica-7-aprile-2019-inaugurazione-in-flore-scientia-arte-e-botanica.html

https://www.botmuseum.uzh.ch/de.html

#MuseoVincenzoVela #BotanischesMuseumUniversitätZürich #bak #JosefHanel #GabrielaMariaMüller #GiannaAMina#ChristianeJacquat #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

Mehr:

Vergessener Bilderschatz – Virtuos: Diese Bilder sind von Hand koloriert

Mit wissenschaftlicher Präzision und feinstem Pinsel kolorierte ein bisher unbekannter Künstler Pflanzen auf Glasdias.

Karin Salm

https://www.srf.ch/kultur/kunst/vergessener-bilderschatz-virtuos-diese-bilder-sind-von-hand-koloriert

Josef Hanel, Fliegenpilz

Bild: Josef Hanel (1865-1940), Amanita muscaria, Fliegenpilz, © Botanisches Museum der Universität Zürich

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 17. April 2019
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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