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17. März 2014

Quynh Dong: «Tears of a Swan»

Ausstellung im Kunstraum Baden, bis am 13. April 2014

Bild: «Tears of a Swan» auf art-tv

Koreanische Musikclips und TV Soaps sind für Quynh Dong ebenso Inspirationsquellen wie die Werke des amerikanischen Videokünstlers Bill Viola oder das Theater von Samuel Beckett.

In ihren Videos und Performances vermengen sich Versatzstücke verschiedenster Provenienz zu vordergründig leichten, tatsächlich aber melancholischen Bildern. Diese umkreisen eine Wirklichkeitserfahrung, die von der Allgegenwart des medialen Konsums durchwirkt ist.

Für den Kunstraum Baden hat die Künstlerin, die 1982 in Vietnam geboren wurde und seit 1990 in der Schweiz lebt, eine dreiteilige Installation konzipiert. Diese dreht sich um die Sehnsucht nach dem Glück und erzählt vom Leben als Warten.  

Einen ersten Auftritt im Kunstraum Baden hatte Quynh Dong bereits im Rahmen der Austragung des «Performance Preis Schweiz» im August 2012. In ihrem damaligen Beitrag «My Everything» performte die Künstlerin als affektiv mitgerissene Konsumentin einer offenbar sentimentalen, für das Publikum aber unsichtbaren TV-Soap.

Aus ihrem Atelier in der Rijksakademie in Amsterdam, wo Quynh Dong aktuell an einem exklusiven Förderprogramm teilnimmt, bringt sie überdimensioniert grosse Rosenblätter aus Keramik mit. Obwohl in aufwändigster Handarbeit hergestellt, wirken die zartrosa glasierten Keramikteile glatt und perfekt als kämen sie aus der Fabrik.

«Tears Of A Swan», so heisst der romantische Blütenteppich, fügt sich bestens zur Videoprojektion «Sweet Noel». Die Künstlerin hat sich selbst elf mal in einen bunten Garten montiert. Während zehn ihrer Alter Egos mit verträumten Gesichtsausdruck oder gesenktem Blick stehend, sitzend oder liegend posieren und auf ihren Einsatz warten, gibt die elfte mit zarter Stimme die Sängerin. Die Frauen tragen alle dasselbe elegante, pinkfarbene Kleid – die kunstseidene Version eines traditionellen vietnamesischen Gewandes.

Das Setting der Arbeit «Sweet Noel» ist eine Adaption des Lackbildes «Vuon xuân Trung Nam Bac» (Frühlingsgarten von der Mitte, von Süden und von Norden) von Nguyen Gia Trí (1908 – 1993). Es befindet sich heute im Kunstmuseum von Ho-Chi-Minh-City.

Zu hören ist das Liebeslied «Hai Mùa Noel» («Zum zweiten Mal Weihnachten»). In vielen vietnamesischen Videoclips wird dieses im Setting einer Schneelandschaft gezeigt. Bei Quynh Dong ist daraus ein Schneegestöber geworden, das über den Garten gelegt, in der Mitte des Videos einsetzt. Dies entspricht ganz dem von der Künstlerin gesetzten Titel «Sweet Noel». Als Zusammenzug von «Hai Mua Noel» und dem amerikanischen «Sweet Sixteen» hat Quynh Dong das Setting konsequent in den Frühling verlegt.   

Die Wechselwirkung zwischen den Kulturen und das Diffundieren einzelner Phänomene von einem Kulturkreis in den andern, spielt im Schaffen von Quynh Dong eine zentrale Rolle. In «Sweet Noel» finden Elemente unterschiedlichster Herkunft zusammen: Zum Beispiel die vom französischen Chanson beeinflusste Liedkultur Vietnams oder das in knalligem Pink gehaltene, also aufgefrischte Kleidungsstück traditioneller Provenienz, die von Nguyen Gia Trí begründete (von der europäischen Malerei beinflusste) moderne Lackmalerei Vietnams, ein traditionalistisches Frauenideal oder amerikanisch inspirierte Lebensart.   

Während die USA als kulturstiftender Faktor in «Sweet Noel» eher marginalen Charakter haben, steht der amerikanische Traum im zweiten Video im Fokus. Es heisst «My Second Paradise» und wird auf der Kehrseite der Wand von «Sweet Noel» projiziert.

Auf einem bunt blinkenden Diskoboden stehen zwei Männer. Es sind amerikanische Vietnamesen, die auf Coney Island leben. Quynh Dong hat sie in der «Blood Church» in New York gecastet. Entsprechend ist die geloopte Bildsequenz mit kirchlich anmutenden Klängen unterlegt. Quynh Dong hat die Männer gebeten, sich selbst zu spielen und sie anschliessend in ein knallig blinkendes Setting montiert. Dort stehen sie nun im ortlosen Raum einer durch und durch medialen Parallelwelt. Sie wechseln von einem Fuss auf den andern, rauchen oder halten sich das Mobiltelefon ans Ohr. Hin und wieder verändert sich das Outfit des Älteren. Ansonsten stehen sie einfach nur da und warten. Worauf? Dass der amerikanische Traum auch für sie in Erfüllung gehen möge? Die Situation gemahnt unübersehbar an Beckett.

Was tun die Protagonisten, die elf Frauen und die zwei Männer, die Quynh Dong in den Kunstraum Baden mitgebracht hat? Ganz mit sich selbst beschäftigt, scheinen sie in ihren medial unterfütterten Träumen zu verharren.   

Quynh Dong wurde 1982 in der Hafenstadt bei Hanoi, Hai Phong, geboren und lebt seit 1990 in der Schweiz. Sie wuchs in Bern auf und schloss ihr Studium 2010 mit dem Master an der ZHdK ab. Nach einem Stipendiumsaufenthalt in New York nimmt sie bis 2015 an einem Förderprogramm der Reijksakademie in Amsterdam teil. 

krb

Kontakt:

http://www.kunstraum.baden.ch/kub/home.htm

http://quynhdong.ch/

 

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 17. März 2014
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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