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7. Mai 2022

«REVOLUTIONÄRE DER TYPOGRAPHIE»

Erstmals zeigt die Schule für Gestaltung Basel Werbemittel aus der Sammlung des Buch- und Schriftgestalters Jan Tschichold. Zu entdecken ist Weltklasse-Grafikdesign aus den bis heute stilprägenden 1920er- und 1930er-Jahren (vom 8. Mai bis am 17. Juni 2022).

Bild oben: Jan Tschichold, um 1930 – Foto: Eduard Wasow

Im Fokus der Ausstellung steht die «Vorbilder-Sammlung» des deutsch-schweizerischen Buch- und Schriftgestalters Jan Tschichold (1902–1974). Er gehört zu den bedeutendsten Designern der Moderne und gilt als Vorreiter des funktionalen Grafikdesigns – der sogenannten Neuen Typographie. Teile seines Nachlasses sind in weltberühmte Sammlungen eingegangen und finden sich unter anderem im MoMA in New York und im Victoria and Albert Museum in London.

Vom 8. Mai bis zum 17. Juni 2022 ist nun in Basel eine persönliche Kollektion Tschicholds mit typografischen Musterbeispielen aus der Zwischenkriegszeit zu sehen: Innerhalb eines europäischen Netzwerks der Avantgarde zusammengetragen, enthält sie kleinformatige Drucksachen von berühmten Gestaltern aus dem Bauhaus-Umfeld wie László Moholy-Nagy und Herbert Bayer – oder von Künstlern wie Kurt Schwitters und El Lissitzky, um nur ein paar Namen zu nennen – allesamt Pioniere des modernen Grafikdesigns. Die Originaldokumente machen die Aufbruchstimmung dieser Epoche greifbar.

Neben seiner Arbeit als Gestalter war Jan Tschichold als Autor und Lehrer tätig. Seine Veröffentlichungen machten ihn als Typografie-Theoretiker berühmt. 1925 verfasste er das Manifest zur «elementaren typographie», das heftig umstritten war und in der gestalterischen Welt jener Zeit ein mittleres Erdbeben auslöste.

Die Ausstellung «Revolutionäre der Typographie» positioniert den Theoretiker Jan Tschichold im Zentrum seiner eigenen Sammlung: Zur Illustration seiner Publikationen, die bis heute als Standardwerke nachwirken, griff er auf Gebrauchsgrafik zurück, auf Broschüren, Kleinplakate, Briefköpfe, Visitenkarten und Anzeigen. Er präsentierte diese Dokumente aus den Ateliers seiner namhaften Gestalter-Kollegen als «Best-Practice-Beispiele» und setzte sie auch in der Lehre ein.

Die von Linda Wössner kuratierte Ausstellung ermöglicht erstmals ein Studium der Originale, die in Tschicholds Büchern meist nur in schwarz-weiss oder in stark veränderter Farbgebung abgebildet sind. Ergänzend zur Tschichold-Sammlung der Bibliothek für Gestaltung sind Objekte aus dem Bestand der Plakatsammlung Basel zu sehen. So weitet sich der Blick auf ein Netzwerk von 45 Gestaltern und auf ein Kapitel der europäischen Avantgarde, das den «Swiss Style» der Nachkriegszeit unmittelbar beeinflusste. 

Die Ausstellung bildet den Abschluss eines Kooperationsprojekts der Bibliothek für Gestaltung Basel und der Universität Erfurt. Mit dem Ziel, die Vorbilder-Sammlung von Jan Tschichold einem breiten Publikum bekannt sowie der Forschung besser zugänglich zu machen, wurden alle rund 1’500 Objekte digitalisiert und in swisscovery, dem Katalog der Schweizer Hochschulbibliotheken, verzeichnet.

Erstmals zeigt die Schule für Gestaltung Basel Werbemittel aus der Sammlung des Buch- und Schriftgestalters Jan Tschichold.

Bild: © https://www.sfgbasel.ch/tschichold/media/

Jan Tschichold – Leben und Werk in Kürze

Jan Tschichold (1902–1974) war Buch- und Schriftgestalter, Grafiker, Kalligraf, Typograf und Autor.

1902 in Leipzig geboren, studierte er Schriftkunst an der Leipziger Akademie und verfasste mit 23 Jahren, beeinflusst von Begegnungen am Bauhaus, sein Manifest zur «elementaren typographie». Dieses Heft zum funktionalen Grafikdesign machte ihn 1925 schlagartig bekannt und zum Wortführer der Neuen Typographie in Europa. Bereits seine frühen Filmplakate wurden zu Klassikern des modernen Grafikdesigns. Tschichold lebte und arbeitete ab 1926 in München und floh 1933 mit seiner Frau Edith und seinem Sohn Peter nach Basel.

Von 1933 bis 1947 unterrichtete Tschichold an der Gewerbeschule Basel, der Vorgängerinstitution der Schule für Gestaltung. 1936 verkaufte er seine Sammlung mit über 1’500 Dokumenten aus dem Bereich der Gebrauchsgrafik an das Gewerbemuseum Basel, dessen Buch- und Schriftsammlung heute von der Bibliothek für Gestaltung Basel betreut wird.

Tschichold ist auch der Initiator des Wettbewerbs «Die schönsten Schweizer Bücher», der 1943 erstmals über die Bühne ging und bis heute jährlich ausgeschrieben wird.

Ende der 1940er-Jahre entwickelte Tschichold die Corporate Identity des Penguin Verlags in London. Im Anschluss zog es ihn zurück in die Schweiz. Ab 1955 war er bei der Firma Hoffmann-La Roche als Gestalter tätig. Seine berühmteste Schrift – die Sabon, eine Antiqua – kam 1967 auf den Markt. Er veröffentlichte zahlreiche Publikationen zum Thema Schrift. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er im Tessiner Onsernonetal. Am 11. August 1974 starb er in Locarno. 

Begleitpublikation

Zur Ausstellung erscheint im Wallstein Verlag die gleichnamige Publikation «Revolutionäre der Typographie» von Patrick Rössler und Mirjam Brodbeck, ca. 400 Seiten, ca. 1’500 Abbildungen, ISBN 978-3-8353-5323-7. www.wallstein-verlag.de/9783835353237-revolutionaere-der-typographie.html

Digitalisate

Die gesamte Sammlung Jan Tschichold der Bibliothek für Gestaltung Basel ist ab 7. Mai 2022 digital einsehbar:

www.bibliothekfuergestaltung.ch/aktuelles 

Kontakt:

www.sfgbasel.ch/tschichold

#JanTschichold #RevolutionärederTypographie #SchulefürGestaltungBasel #BibliothekfürGestaltungBasel #VorbilderSammlung #LindaWössner #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+ 

Bild: Blick in die Sammlung Jan Tschichold - Foto: © Basile Bornand

Bild: Blick in die Sammlung Jan Tschichold – Foto: © Basile Bornand

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 7. Mai 2022
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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