17. Juli 2011
«SHANSHUI»
Poesie ohne Worte - Landschaft in der chinesischen Gegenwartskunst, Werke aus der Sammlung Sigg, Ausstellung im Kunstmuseum Luzern, noch bis am 02. Oktober 2011

Bild: Ai Weiwei, The Wave 1, 2006, Porcelain, 42.5x38x16 cm © the artist
Der seit 1’500 Jahren in China kultivierte künstlerische Ausdruck von
«Shanshui», wörtlich übersetzt «Berg-Wasser-Malerei»,
gehört zum Kulturerbe der Menschheit. Wenn nun ein schweizerisch-chinesisches
Gemeinschaftsprojekt sich diesem Phänomen und insbesondere der Frage von dessen
Weiterleben im zeitgenössischen Kontext annimmt, eröffnet sich ein interessantes
Untersuchungsfeld.
Auf der einen Seite des Joint Ventures steht Uli Sigg, ehemaliger Schweizer
Botschafter in China und weltweit bedeutendster Sammler chinesischer
Gegenwartskunst. Auf der anderen Seite begegnen wir Ai Weiwei, dem chinesischen
Konzeptkünstler, Architekten, Aktivisten und Mentor der aktuellen chinesischen
Kunstszene. Die beiden Grenzgänger finden sich zusammen im Kunstmuseum Luzern
an den Gestaden des Vierwaldstättersees – ein idealer Ort, die Landschaft im
Sinne von «Shanshui» als Ausdruck der Seele zu verstehen.
Die Ausstellung «Shanshui» untersucht den Umgang der zeitgenössischen chinesischen Kunst mit der eigenen Tradition. Was aufgrund der Landschaftsthematik vorerst beschaulich anmuten mag, erweist sich angesichts des gebrochenen Verhältnisses, das China seit mehr als hundert Jahren zur eigenen Geschichte und Kultur unterhält, als brisant und bis heute brennend aktuell.
Auf einer Fläche von 1’300 qm vereint die Ausstellung siebzig kapitale Werke von 1994 bis 2011 aus der Sammlung Sigg. Neben internationalen Stars wie Ai Weiwei, Huang Yan, Liu Wei, Qiu Shihua oder Zhou Tiehai überrascht eine junge Generation von Künstlern und – nun erstmals in grösserer Zahl – Künstlerinnen mit innovativen Konzepten: Chen Ke, Hu Liu, Li Xi oder Ni Youyu, um nur einige zu nennen, zählen alle um die dreissig Jahre und gehören zu den Entdeckungen dieser Ausstellung.
Anders als bei ihren Vorgängern ist ihre Zuwendung zu den eigenen Wurzeln nicht mehr von der Faszination für die westlichen Kunststrategien verstellt. In grosser Freiheit kreieren sie in den unterschiedlichsten Medien eine inspirierende Mischung von traditionellen und modernen künstlerischen Konzepten und versuchen auf diese Weise, die philosophische und spirituelle Dimension der traditionellen chinesischen Kultur in die heutige Zeit und die Zukunft zu überführen.
Zur Einführung in die Reize der klassischen Shanshui-Malerei wartet die
Ausstellung in einem Kabinett mit einem Kurzabriss der chinesischen
Landschaftsmalerei der letzen 1’000 Jahre auf. Die elf hochkarätigen Leihgaben
des Museums Rietberg Zürich, Musée Guimet in Paris und der M K Lau Collection,
Hong Kong, sind allein schon genug der Kostbarkeiten für einen lohnenden
Ausstellungsbesuch.
Kuratiert von Ai Weiwei, Peter Fischer & Uli Sigg
pt
Kontakt:
Kunstmuseum
Luzern
Europaplatz 1
CH-6002 Luzern
T: +41 41 226 78 00
F: +41 41 226 78 01
info@kunstmuseumluzern.ch
http://www.kunstmuseumluzern.ch
Kommentare von Daniel Leutenegger