Sonderausstellung im Museum für Musikautomaten, Seewen (SO), bis am 7. Januar 2024


Bild: Violino-Trompeten-Orgel No. 30 (Handdrehorgel), 38 Claves, 3 Stiftwalzen mit je 8 Musikstücken, sichtbare Piccolos, Bacigalupo-Söhne, Berlin um 1926 – Leihgabe Privatsammlung Ueli Temperli, Geltwil (CH)

Bild: «Orchestrophone» No. 206 avec Batterie (Jahrmarktsorgel), 45 Claves, auswechselbare Faltkarton-Notenbänder, Limonaire Frères, Paris 1908 – Leihgabe Privatsammlung Ueli Temperli, Geltwil (CH)
Auf Strassen und Plätzen lockt die Musik der Dreh- und Jahrmarktsorgeln. Die Sonderausstellung «Unterwegs» folgt diesen Klängen und beleuchtet das gesellschaftliche Leben auf Jahrmärkten und Hinterhöfen.
Der Ursprung der Drehorgel ist nicht mit Sicherheit zu bestimmen. Erste schriftliche und bildliche Zeugnisse stammen aus dem frühen 18. Jahrhundert. In dieser Zeit wird die tragbare Drehorgel zum beliebten Begleitinstrument wandernder Künstlerinnen und Künstler. So auch der Bänkelsänger, die von gruseligen Ereignissen und abenteuerlichen Geschichten berichten und breite Bevölkerungsschichten auf dem Land und in den Dörfern unterhalten. In den Städten ziehen Drehorgelmänner – selten auch Frauen – mit ihren Instrumenten durch die Gassen, wo sie zum Wahrzeichen der Hinterhöfe werden. Dennoch lässt sich mit der Drehorgel als Instrument der Strasse seit jeher nur ein karger Lebensunterhalt verdienen. Auf die Bühne, zur Uraufführung von Bertolt Brechts «Drei Groschenoper», hat es die Drehorgel hingegen 1928 geschafft.
Die selbstspielende Jahrmarktsorgel dient ebenso dazu, das Publikum mit populärer Musik und bekannten Schlagern anzulocken und zu unterhalten. Bis in die 1930er-Jahre ist die Jahrmarktsorgel – nebst der Drehorgel – die vorwiegende Musikquelle auf dem Rummelplatz und damit ein wertvolles Utensil für die Schaustellenden. Mit ihrem kräftigen Klang und der soliden Bauart ist die Jahrmarktsorgel speziell für den Einsatz im Freien gebaut. Im Verbund mit Attraktionen wie dem Pferdekarussell oder der Schiffschaukel beschickt sie den Jahrmarkt und zieht mit den Schaustellerinnen und Schaustellern von Ort zu Ort.
Drehorgeln und Jahrmarktsorgeln haben auch eine individuelle, jeweils ganz eigene Geschichte, waren «unterwegs», bevor sie als Ausstellungsobjekte Eingang in die Sammlung des Museums für Musikautomaten oder anderer Museen und Sammlungen fanden. Die Sonderausstellung beleuchtet und vermittelt diese Herkunftsgeschichten und bietet auch einen Eindruck von der Erforschung dieser Vergangenheit.
Quellen / Mehr:
Kontakt:
https://www.musikautomaten.ch/mma/de/home/besucherinformationen.html
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Bild: Salon-Orgel Nr. 21 (Jahrmarktsorgel), 66 Claves, 3 Stiftwalzen mit je 9 Musikstücken, A. Ruth & Sohn, Waldkirch 1886 – Leihgabe Waldkircher Orgelstiftung, Waldkirch (DE)

Bild: Tragbare Pfeifenorgel mit Figurenbühne (Handdrehorgel), 23 Claves (22 + 1 Taktclavis), 1 Stiftwalze mit 10 Musikstücken, Ignaz Blasius Bruder, Waldkirch i.B, 1836 (sign. und dat.) – Sammlung Museum für Musikautomaten (MMA-94441)»

Bild: Jahrmarktsorgel Modell 109, 66 Claves, auswechselbare Papier-Notenrollen, Limonaire Frères, Waldkirch 1908 / Gebrüder Bruder, Waldkirch um 1926 – Leihgabe Musée CIMA, Sainte-Croix (CH)
Kommentare von Daniel Leutenegger