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9. Juni 2012

«Höhere Wesen – Sigmar Polke und Paul Klee»

Ausstellung im Zentrum Paul Klee, Bern, bis am 07. Oktober 2012

Bild: Paul Klee, Lumpen gespenst, 1933, 465, Kleisterfarbe und Aquarell auf Papier auf Karton, 48 x 33,1 cm, Zentrum Paul Klee, Bern

POLKLEE – Beide hätten dieses Wortspiel wohl gemocht, denn beide liebten sie die Sprache, deren Mehrdeutigkeit, Witz und Wirkungsmacht – Sigmar Polke und Paul Klee.

Ihre Biografien gehen ohne ihr Zutun fast nahtlos ineinander über: Am 29. Juni 1940 stirbt Paul Klee, acht Monate später, am 13. Februar 1941, kommt Sigmar Polke auf die Welt. Heute ist auch Sigmar Polke nicht mehr unter uns, er verstarb 2010 an einem Krebsleiden. 

Nicht in jeder Hinsicht, aber doch für viele künstlerische Auffassungen zutreffend, könnte man sie als verwandte Seelen bezeichnen. Es verbindet sie die Art der Auseinandersetzung mit ihrer Zeit und Welt mittels der künstlerischen Tätigkeit sowie die Mehrdeutigkeit und die unterschwellig stets mitschwingende Ironie in ihren Werken.

Gleichzeitig ist beiden das Bewusstsein eigen, dass das Kunstschaffen zugleich etwas gänzlich Unerklärliches wie auch etwas Profanes, rein Materielles an sich hat. So lassen sich in ihren Werken verblüffende Analogien entdecken. Die Zusammenführung von Polke und Klee in der Ausstellung «Höhere Wesen» ist denn auch viel mehr als eine private Assoziation der Kuratorin. Das jeweilige Œuvre spiegelt sich im Licht desjenigen des Gegenspielers in einer Weise, die unseren Blick neu lenkt und Neues sichtbar macht. 

Wie intensiv sich Polke mit dem Werk von Klee auseinandergesetzt hat, lässt sich nur schwer eruieren. Klar ist, dass er es gekannt hat – zum einen, weil Klee als Paradebeispiel eines «Künstler-Künstlers» wohl keinen einzigen nachfolgenden Kollegen von Rang unberührt gelassen hat. Zum anderen von seinem älteren Bruder Wilfrid, seines Zeichens Bildhauer. Er soll in jungen Jahren – wie sich Polke erinnerte – vom Dadaismus und auch von Klee geschwärmt haben. Schliesslich wegen Bern, einem von Klees Lebensmittelpunkten und der Stätte seines Nachlasses. Sein Werk wurde von der Paul Klee-Stiftung im Kunstmuseum Bern aktiv vermittelt. Seit den 1970er-Jahren hielt sich Polke wiederholt in Bern auf und pflegte da enge Kontakte, unter anderem auch zu Klee-Experten. 

Wie eingangs erwähnt, war Klee und Polke eine Gabe gleichermassen geschenkt: der Sprachwitz. Polkes Titel «Höhere Wesen befahlen: obere rechte Ecke schwarz malen» hätten beide unter ihre Arbeit setzen können, sodass unser verkürzter Ausstellungstitel «Höhere Wesen – Sigmar Polke und Paul Klee» die sorgfältig ausgewählten Bilder von Polke und Klee verklammert. Darüber hinaus scheint er nicht nur geeignet, in authentischem Ton unsere Bewunderung für das künstlerische Werk beider auszudrücken, sondern auch – dank Polkes und Klees Skepsis und Ironie – jeglichen Ansatz einer Genie-Verehrung zu dekonstruieren. 

In diesem Sinne hätten wohl auch POLKLEE an dieser Ausstellung ihren Spass.

zpk

«POLKLEE – Mutmassungen über Polke und Klee»

Donnerstag 6. September, 18 Uhr (tbc)
Peter Fischer (Direktor ZPK) im Gespräch mit der Polke-Kennerin Bice Curiger (Chefredakteurin «Parkett», Kuratorin u.a. am Kunsthaus Zürich) und Fabienne Eggelhöfer (Kuratorin ZPK)
Ausstellungseintritt | Die Ausstellung ist bis Veranstaltungsbeginn durchgehend geöffnet.

Familienmorgen «Meeresmonster»

Sonntag 16. September, 10.30-12 Uhr
Workshop und geführter Ausstellungsbesuch für die ganze Familie
CHF 10 pro Familie + Ausstellungseintritt | Anmeldung: Tel. 031 359 01 61 oder creaviva@zpk.org

«Möbelrücken und Gläsertanzen»

Literarische Führungen mit Michaela Wendt
Parodien, Klischees, Wahres und Unwahres zu Spiritismus, Parapsychologie, Aberglauben, Tele- und anderen -pathien

Sonntag 24. Juni, 15 Uhr
Mittwoch 15. August, 13 Uhr
Sonntag 26. August, 15 Uhr
Sonntag 9. September, 15 Uhr
Mittwoch 19. September, 13 Uhr

CHF 5 + Ausstellungseintritt | Kein Vorverkauf | Kann auch als private Führung gebucht werden: Tel. 031 359 01 94

Kontakt:

http://www.zpk.org/

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 9. Juni 2012
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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