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25. September 2014

Walserdeutsch aus Bosco Gurin

Radio SRF 1, «Schnabelweid» vom heutigen Donnerstag, 21.03 Uhr

Foto: Romano1246 – CC-Lizenzen: 3.0 Unported, 2.5 Generic, 2.0 Generic and 1.0 Generic – Zur Originaldatei: http://commons.wikimedia.org

Bosco Gurin ist das einzige deutschsprachige Dorf im Kanton Tessin. Noch. Denn das ureigene Walserdeutsch dieses Orts im Maggiatal wird immer weniger gesprochen. Das neue Wörterbuch der Guriner Mundart hat auch hohen kulturgeschichtlichen Wert.

Ein Dorf mit ureigenem Dialekt

Im 13. Jahrhundert wanderten deutschsprechende Siedler aus dem Wallis über die Alpenpässe an die Südhänge der Walliser Alpen, unter anderem auch in ein abgelegenes Seitental des Valle Maggia – ins Valle di Bosco Gurin. Die isolierte Lage in den Bergen und der Tessiner Dialekt als Nachbarsprache führten dazu, dass diese südwalserische Mundart unzählige Wörter und Formen aus dem Alt- und Mittelhochdeutschen bewahrt hat. Andererseits hat Gurinerdeutsch auch eigenständig Neuerungen entwickelt, so dass dieser Dialekt einen ganz eigenen Sprachcharakter besitzt, den es so nirgendwo sonst gibt.

Gurinerisch: Ein langsam verklingender Dialekt

Abwanderung und Kulturwandel setzen dem Guriner Dialekt seit Jahrzehnten zu. Heute sprechen noch vielleicht 130 Personen Gurinerisch – alle «Exil-Guriner» mitgerechnet. Um so wertvoller ist die Wörtersammlung von Emily Gerstner-Hirzel (1923-2003), die über Jahrzehnte hinweg zustande kam. Nun hat ein Team um das Guriner Museum Walserhaus und seine Leiterin Cristina Lessmann-Della Pietra Gerstners Arbeit weitergeführt und ein Wörterbuch «Aus der Mundart von Gurin – Wörterbuch der Substantive von Bosco Gurin» herausgegeben.

«Ds Wijbuchritz»

Das Buch ist weit mehr als eine Wörtersammlung, denn es ist reich an Verwendungsbeispielen und viele Begriffe werden in ihrem kulturellen Kontext erläutert. Beim Wort «Wijbuchritz» zum Beispiel wird ausführlich erläutert, warum bei den Prozessionen jeweils eine Frau das Privileg habe, das Prozessionskreuz zu tragen. Weil nämlich die Frauen bei der Schlacht von Giornico (1478) sich ruhmreich beteiligt hätten. Es fehlt nur der Hinweis, dass «Weib» früher nicht abwertend gemeint war, sondern einfach «Frau» bedeutete und in Gurin also noch in der vergangenen Bedeutung gebraucht wird. Drum heisst das Prozessionskreuz in Gurin «Weiberkreuz» – «ds Wijbuchritz».

Buchtipp

Emily Gerstner-Hirzel: Aus der Mundart von Gurin. Wörterbuch der Substantive von Bosco Gurin. Voci del dialetto di Bosco Gurin. Vocabolario dei sostantivi di Bosco Gurin. Hg. vom Museum Walserhaus. Armando Dadò Editore. 2014.

Redaktion: Markus Gasser

srf

Radio-Link:

http://www.srf.ch/sendungen/schnabelweid/walserdeutsch-aus-bosco-gurin

—

Kontakt:

http://www.walserhaus.ch/kontakt-info/

 

 

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 25. September 2014
  • Politik und Gesellschaft

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