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24. Oktober 2017

«DER ‚HINKENDE BOT‘ VON BERN – 300 JAHRE KALENDERGESCHICHTE»

Ausstellung in der Bibliothek Münstergasse Bern, vom 26. Oktober 2017 bis am 25. März 2018

Auf den ersten Blick sieht man es ihm vielleicht nicht an. Aber der «Hinkende Bot» ist eigentlich eine Sensation. Ein Medienprodukt, das seit mindestens 300 Jahren regelmässig und ununterbrochen erscheint, findet man nicht allzu oft. 
Die Ausstellung «Der ‚Hinkende Bot‘ von Bern – 300 Jahre Kalendergeschichte» gibt einen Einblick in eine mediale Erfolgsgeschichte, zeigt den Weg eines Informations- und Unterhaltungsmediums zwischen Tradition und Erneuerung.

Hinkender Bot 1718

«Hinkender Bot» 1718

«Türkenkalender» und hinkende Boten

Kalender wurden schon früh gedruckt. Johannes Gutenberg druckte 1454 nicht nur seine berühmte Bibel, sondern auch den «Türkenkalender».
Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts lassen sich im deutsch- und französischsprachigen Raum mehr als 80 Kalenderreihen mit dem hinkenden Boten nachweisen.

Niklaus Emanuel Haller und Franz Rudolf Fels, die in Bern die so genannte Obere Druckerei übernommen hatten, begannen zwischen 1707 und 1714 den allerersten Berner «Hinkenden Bot» herauszugeben. Das älteste erhaltene Exemplar wurde im Jahr 1717 auf das Jahr 1718 gedruckt.

Seit 1815 erscheint der «Hinkende Bot» bei Stämpfli.

Die Konkurrenz

Der «Hinkende Bot» stand für zuverlässige Informationen, die Überblick und Hintergründe boten. Vor allem bei der Landbevölkerung, die sich Zeitungen nicht leisten konnte, war der Kalender lange sehr beliebt.

In der Deutschschweiz hatte der Berner «Hinkende Bot» unter anderem mit dem sehr erfolgreichen «Appenzeller Kalender», mit dem «Zürcher Kalender» und mit den beiden «hinkenden Boten» aus Basel starke Konkurrenz.

Der «Neue Berner-Kalender» (1838 bis 1856) war in Bern einer der wichtigsten Konkurrenten. Von 1840 bis 1845 war Jeremias Gotthelf Redaktor des Kalenders, der nach harzigem Start auf eine Auflage von 11’000 Exemplaren kam – ein Vielfaches weniger als der Berner «Hinkende Bot».

Vom Ancien Régime zum Rütlischwur

Das Titelblatt des «Hinkenden Bot» verändert sich über die Jahrhunderte oft nur in Details. In diesen Details zeigen sich aber wichtige Bedeutungsverschiebungen.

Information für alle

Kalender waren für viele die einzige gedruckte Informationsquelle und neben der Bibel und dem Andachtsbuch das einzig zugängliche Druckerzeugnis. Die immer reicher illustrierten, unterhaltsamen und lehrreichen Kalender waren in Haushalten und Gaststuben zu finden.

Zentral in einem Kalender ist selbstverständlich das Kalendarium. Es zeigt die Wochentage und die Tageszählung eines Monats, dazu die Namenstage der Heiligen, den Stand des Mondes im Tierkreis, Auf- und Untergangszeiten von Sonne und Mond und der Stand der Planeten.

Neben Berichten über Naturkatastrophen und Kriege fanden sich Texte über Königs- und Papstwahlen, kuriose Menschen, Tiere und Pflanzen, über wundersame Himmelserscheinungen, Verbrechen, Hinrichtungen oder glorreiche Taten.

Wale und weisse Kleider

Kalender gehören zu den frühen illustrierten Druckerzeugnissen. Holzschnitte, Lithographien und Fotos machten den Kalender attraktiv – auch für Werbekunden.

Prägende Figuren

Die meisten Redaktoren des «Hinkenden Bot» sind unbekannt. Nicht selten verwendeten sie Pseudonyme, die wie Jakob Ehrlicher, Johann Jakob Gut oder Claus Redlich ihre Verlässlichkeit unterstreichen sollten.

Als Verantwortliche für die Redaktion des «Hinkenden Bot» bekannt sind der Buchbinder Jakob Kuhn (*1732 U1793, Redaktor nach 1754-1793), sein Sohn, der Volksdichter Gottlieb Jakob Kuhn (*1775 U1849, Redaktor 1804-1810, und 1833-1844), die Verlegerin und Druckereibesitzerin Emma Stämpfli-Studer (*1848 U 1930, Redaktorin ca. 1873 – ??), der Pfarrer und Journalist Peter Heimann (*1921, Redaktor 1980-1995) und der aktuelle Redaktor Bruno Benz, der die Verantwortung für den «Hinkenden Boten» 1995 übernommen hat.

«Hinkender Bot» elektronisch:

https://www.e-periodica.ch/digbib/volumes?UID=hib-001

—

Kontakt:

http://www.unibe.ch/universitaet/dienstleistungen/universitaetsbibliothek/service/ausstellungen_und_veranstaltungen/ausstellungen/index_ger.html

https://www.staempfliverlag.com/verlag/sachbuch/veranstaltungen/eventDetail/ARID-11254/v-Ausstellung-300-Jahre-Kalendergeschichte

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 24. Oktober 2017
  • Druck, Verlag, Printprodukte, Medienhäuser

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