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4. Juni 2020

EIDGENÖSSISCHE FILMKOMMISSION: «DIE KINOBRANCHE IST DER DERZEITIGEN KRISE BESONDERS STARK AUSGESETZT»

In ihrer Stellungnahme vom 4. Juni 2020 bekundet die Eidgenössische Filmkommission (EFiK) der Schweizer Filmbranche angesichts der Coronavirus-Krise ihre Unterstützung. Die EFiK ist eine ausserparlamentarische Kommission, welche direkt vom Schweizerischen Bundesrat eingesetzt wird. Sie berät den Bundesrat und die Behörden in allen wichtigen Fragen der Filmkultur. Die EFiK beschäftigt sich in erster Linie mit der Filmpolitik und dem Vollzug des Filmgesetzes in der Schweiz sowie mit den Filmförderungskonzepten und den Förderungsinstrumenten. Einen Schwerpunkt möchte die neu konsituierte Kommission auch in Sachen Digitalisierung, internationale Tendenzen, Diversität im Film, neue Filmfinanzierungsformen und somit auf die Zukunft des Schweizer Films legen.

Symbolbild: Shaka – Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de – Datei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ciak.jpg?uselang=de

Die Stellungnahme der EFiK vom 4. Juni 2020 im Wortlaut:

»

Die Eidgenössische Filmkommission bekundet der Schweizer Filmbranche ihre Unterstützung und widmet sich der Zukunft des Kinos

Die Coronavirus-bedingte Krise, die die Schweiz und den Rest der Welt derzeit heimsucht, trifft alle Wirtschafsbereiche hart. Die Kulturbranche ist da keine Ausnahme. Im Gegenteil: Sie ist besonders stark betroffen. Nicht nur, dass ein Grossteil der geplanten Veranstaltungen auf längere Zeit abgesagt wurden, auch mittel- und langfristig ist ihre Zukunft ungewiss. Die kulturellen Saisons, so auch die Programmierung von Festivals, werden oft über ein oder zwei Jahre geplant. Auch das Vertrauen zwischen Kultur und Zuschauern droht derzeit Schaden zu nehmen. Viele werden sich fragen, ob es ratsam ist, die eine oder andere kulturelle Veranstaltung zu besuchen und dann vielleicht zur eigenen Sicherheit darauf verzichten.

Die gesamte kulturelle Verwertungskette ist längerfristig gefährdet. Die Künstler, deren Situation bereits vor der Krise oft wirtschaftlich und beruflich prekär war, die kulturellen Einrichtungen, die punktuellen und jährlichen Veranstaltungen, die technischen Berufe sowie diejenigen Akteure, die massgeblich zur Finanzierung des kulturellen Schaffens beitragen. Gemeinden, SSR-SRG, Lotterien, Mäzene und Sponsoren.

Der langen Rede kurzer Sinn: Die kulturellen Aktivitäten in unserem Land sind so weitgefächert und die einzelnen Elemente der Verwertungskette so abhängig voneinander, dass eine Krise dieses Ausmasses sämtliche Initiativen auf unabsehbarere Zeit zu zerstören droht. An dieser Stelle sei daran erinnert, dass die Kulturbranche 5%, des Schweizer BIP darstellt, in den Stadtzentren sogar 7%.

Die Kinobranche ist der derzeitigen Krise besonders stark ausgesetzt. Festivals wurden abgesagt oder mussten sich neu erfinden, wie z.B. das Festival Visions du Réel, das kurzfristig in die digitale Welt umgezogen ist und es dabei bemerkenswerterweise geschafft hat, mehr Publikum als sonst zu begeistern. Dreharbeiten wurden unterbrochen, Kinosäle geschlossen, der Verleih von Filmen, die im Frühjahr starten sollten, wurde gestoppt und Filme, die im Herbst in die Kinos kommen sollen, drohen in einer Flut an zurückgehaltenen Blockbustern unterzugehen.

Viele Filmschaffende befinden sich in Kurzarbeitszeit, wenn sie nicht gänzlich ohne Einkommen dastehen. Seit dem 27. Mai 2020 hat der Bundesrat einen Teil der Verbote aufgehoben. Die Kinosäle dürfen, unter Einhaltung bestimmter Regeln, wieder öffnen, Dreharbeiten können wieder aufgenommen werden, sofern die zwischen Branche und Bundesamt für Gesundheit (BAG) vereinbarten Sicherheitsmassnahmen beachtet werden.

Nichtsdestotrotz bleiben Zukunftsängste bestehen.

Mit dieser Stellungnahme möchte die neu gewählte Eidgenössische Filmkommission:

  • Der stark betroffenen Schweizer Filmbranche ihre Unterstützung zusagen und ihre Solidarität kundtun. Wir möchten den hiesigen Filmschaffenden sowohl in der derzeitigen Lockerungsphase als auch bei den eventuellen späteren Konsequenzen beistehen;
  • Die ausserordentlichen Massnahmen des Bundesrats zugunsten der Filmbranche unterstützen. Die Möglichkeit, Verleihförderung zu beantragen wurde vereinfacht, die Auszahlung an Kinobetreiber von Mitteln für Kinoerfolge wurde beschleunigt. Zusätzliche Mittel stehen für die Bewältigung der durch den Abbruch von Dreharbeiten verursachten Mehrkosten zur Verfügung;
  • Auf die Besorgnisse der Kinobranche bezüglich ihrer Zukunft aufmerksam machen. So wird die Kommission die finanziellen Konsequenzen der Einhaltung von Sicherheitsvorkehrungen am Set beobachten. Wir unterstützen die Forderung der Verbände nach der Erstellung eines Garantiefonds zur Absicherung der Corona-bedingten Auswirkungen auf Dreharbeiten und Filmfinanzierung. Wir werden insbesondere darauf achten, dass nicht verwendete Mittel aus dem Jahr 2020 ins Folgejahr übertragen werden können.

Darüber hinaus wird die neu für 2020 bis 2023 gewählte Eidgenössische Filmkommission die mittel- und längerfristigen Auswirkungen der Epidemie auf die Filmproduktion beobachten. Wie auch in anderen Branchen hat der Virus die Digitalisierung beschleunigt. Die Anpassungsfähigkeit der Branche, die Umsetzung neuer Verwertungsmöglichkeiten und insbesondere die Nutzung digitaler Möglichkeiten für den Schweizer Film sollen zentrale Themenbereiche der neuen Kommission für die nächsten Jahre sein. Ein besonderes Augenmerk soll insbesondere auf die Investitionspflicht der grossen digitalen Anbieter zugunsten der Schweizer Filmproduktion (sofern das Parlament den entsprechenden Vorschlag des Bundesrats in der Kulturbotschaft annimmt) und auf die Neugestaltung der selektiven Förderung gemäss den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gelegt werden.

«

Kontakt:

Eidgenössische Filmkommission

info@efik.ch

http://www.efik.ch

https://www.admin.ch/ch/d/cf/ko/gremium_10463.html

#EidgenössischeFilmKommission #EFiK #Coronavirus #SchweizerFilmBranche #SchweizerFilm #KinoSchweiz #culturavirus #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 4. Juni 2020
  • Film, Video, Audiovisuelles

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