Das Auktionshaus Christie's (New York) und die Schweizer Stiftung Langmatt Sidney und Jenny Brown (Baden) kündigten heute an, dass drei Meisterwerke von Paul Cézanne den Höhepunkt der diesjährigen 20th Century Art Evening Auction bilden werden. Der Verkauf findet am 9. November 2023 während der New Yorker Herbstauktionswochen statt. Das Museum Langmatt verkauft die Werke aus seiner Sammlung, um damit 40 Millionen Franken zur langfristigen Rettung und Weiterführung der Institution einzubringen, was in Museumskreisen sehr umstritten ist, weil grundsätzlich Museen ihre Werke nie verkaufen sollen.

Bild: Paul Cézanne, Fruits et pot de gingembre, entstanden um 1890–93, Museum Langmatt, Baden
Zum Ausruf kommen Fruits et pot de gingembre, Quatre pommes et un couteau sowie La mer à l’Estaque von Paul Cézanne. Dieses herausragende Trio stammt aus der Sammlung des Museums Langmatt in Baden (Schweiz) zu Christie’s.
Markus Stegmann, Direktor des Museums Langmatt, erklärt, der Verkauf von einem bis zu drei Cézanne-Werk/en falle seiner Institution nicht leicht: «Sie ist aber der einzige Weg, wie wir das Herz der einzigartigen Privatsammlung von Sidney und Jenny Brown, rund 50 Bilder von französischen Impressionisten, und das gesamte historische Ensemble langfristig retten und öffentlich zugänglich halten können.»
Das Museum Langmatt beherbergt eine der beeindruckendsten Sammlungen impressionistischer Kunst in Europa, mit Sorgfalt und Leidenschaft zusammengetragen vom bedeutenden Sammlerehepaar Sidney und Jenny Brown Anfang des 20. Jahrhunderts.
«Ein einzigartiges Verkaufsformat»
«Die Versteigerung der drei Cézanne-Meisterwerke wird im Rahmen eines einzigartigen Auktionsformats während der Christie’s 20th Century Art Evening Auction angeboten. Sie werden nacheinander ausgerufen, bis der Gesamtbetrag der Verkaufserlöse das Fundraising-Ziel des Museums Langmatt von CHF 40 Mio. (ca. US$ 45 Mio.) erreicht hat. Unter den gegebenen Bedingungen hat sich Christie‘s verpflichtet, nur so viele Lose zu verkaufen, wie zum Erreichen des finanziellen Ziels notwendig sind. Sobald die CHF 40 Mio.-Marke in der Auktion erreicht ist, werden alle weiteren Werke des Trios von der Auktion zurückgezogen und in der Schweiz wieder öffentlich ausgestellt.», heisst es in der heutigen Medienmitteilung von Christie’s und Langmatt.

Bild: Paul Cézanne, Quatre pommes et un couteau, entstanden 1885, Museum Langmatt, Baden
Das Hauptwerk des Trios ist das Gemälde Fruits et pot de gingembre (Schätzung: US$ 35-55 Millionen). Dieses ikonische Gemälde gehört zu einer ausgewählten Gruppe an Werken, die Cézanne in den späten 1880er- und frühen 1890er-Jahren malte. Mit Fruits et pot de gingembre erreicht Cézanne eine neue Stufe der Raffinesse in seiner Behandlung und Wiedergabe von Stillleben und zeigt eine reiche Komplexität in seinem formalen Ansatz für Farbe und Raum. Das Gemälde zählt zu der begehrten und bedeutenden Serie von Cézannes Stillleben, die heute als sein künstlerisches Hauptwerk gefeiert wird, neben jener der Badenden und den Ansichten des Mont Sainte-Victoire. Dieses Werk entstand sehr wahrscheinlich in Cézannes Atelier auf dem elterlichen Anwesen, am Rande von Aix-en-Provence − demselben Ort, an dem auch seine berühmte Serie der Kartenspieler entstand.
Das zweite Werk, Quatre pommes et un couteau (Schätzung: US$ 7-10 Millionen), beschäftigt sich mit einem der beliebtesten und berühmtesten Motive Cézannes – dem Apfel. In den 1860er-Jahren war die Frucht im Werk des Künstlers noch kaum vorhanden. Sie taucht allerdings ab den 1870er-Jahren immer häufiger in Cézannes Kompositionen auf, und zwar in verschiedenen Inszenierungen, die mit dem charakteristischen Stil des Künstlers untrennbar verbunden sind. In Abkehr von seiner leichten und spontanen Interpretation der typischen impressionistischen Technik, die sein Werk bis dahin dominierte, verwendet der Künstler hier einen klassischeren Malstil, der eine differenzierte und naturnähere Ausarbeitung der Motive beinhaltet.
Das letzte Gemälde des Trios, La mer à l’Estaque (US$ 3-5 Millionen), ist eine heitere Landschaftsansicht, entstanden Ende der 1870er-Jahre und damit das früheste der drei Werke. Es zeigt die wachsende Freiheit im Stil Cézannes auf, die sich während der Zeit entwickelte, als er die Ansicht von L’Estaque erforschte, einem malerischen Fischerdorf an der Mittelmeerküste, das als Kulisse für einige der innovativsten Bilder in der Karriere des Künstlers diente.

Bild: Paul Cézanne, La mer à l’Estaque, entstanden 1878/79, Museum Langmatt, Baden
Unterstützung für das Museum Langmatt
Die 1987 der Stadt Baden vermachte Villa Langmatt, ein 1900-01 erbautes grossbürgerliches Wohnhaus, wurde 1990 als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es beherbergt die bedeutende impressionistische Kunstsammlung von Sidney und Jenny Brown, die vorwiegend in den Jahren 1908 bis 1919 privat erworben wurde, mit vereinzelten Ankäufen in den folgenden Jahrzehnten.
Seit der Eröffnung benötigte das Museum einen zunehmenden Aufwand für den Gebäudeunterhalt, was die finanziellen Ressourcen der Stiftung Langmatt substanziell schwinden liess.
2017 lancierte die Stiftung das Projekt «Zukunft Langmatt», um Lösungen zur Sicherung der Zukunft des Museums zu erarbeiten. Die Stadt Baden verpflichtete sich, mit Hilfe des Kantons Aargau und Dritter einen grosszügigen Beitrag zur Instandsetzung der Liegenschaft zu leisten, während die Stiftung im Gegenzug eine langfristige und finanziell nachhaltige Basis für den Museumsbetrieb sichert.
In einer Volksabstimmung am 18. Juni 2023 sprach sich die Bevölkerung Badens mit einer überwältigen Mehrheit von knapp 80% für einen Beitrag von CHF 10 Mio. an die Gebäudesanierung aus. Damit erhält das Museum Langmatt bedeutende Mittel für die bauliche Sanierung.
Die Stiftung muss nun CHF 40 Mio. (ca. US$ 45 Mio.) für die Erhöhung ihres Stiftungskapitals aufbringen, um aus der Rendite den Betrieb des Museums langfristig zu sichern.
cp
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Bild: Museum Langmatt, Baden – Foto: © https://www.langmatt.ch/
Kommentare von Daniel Leutenegger