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20. Februar 2024

«TRACEY ROSE. SHOOTING DOWN BABYLON»

Ausstellung im Kunstmuseum Bern, vom 23. Februar bis am 11. August 2024 - Eröffnung: Donnerstag, 22. Februar 2024 ab 18 Uhr

Bild oben: Tracey Rose, Lucie’s Fur Version 1:1:1 – The Messenger, 2003, Lambda Druck, 80 x 60 cm – Courtesy of the artist

Bild: Tracey Rose, Die Wit Man, 2015, Video, Farbe, Ton, 42:40 - Courtesy of the artist

Bild: Tracey Rose, Die Wit Man, 2015, Video, Farbe, Ton, 42:40 – Courtesy of the artist

Das Kunstmuseum Bern präsentiert mit rund hundert Arbeiten die bisher grösste Retrospektive des Werks von Tracey Rose (*1974). Die südafrikanische Künstlerin ist seit Mitte der 1990er-Jahre eine radikale Stimme in der internationalen Kunst. Im Zentrum ihrer Arbeiten stehen die Kraft der Performance und der Körper als Ort des Widerstands, der Heilung und des Diskurses. In ihren Arbeiten setzt sie sich mit Themen wie Postkolonialismus, Geschlecht, Sexualität, Rassismus und Apartheid auseinander.

Ihre aufsehenerregende performative Praxis setzt die Künstlerin in verschiedenen Medien wie Video, Skulptur, Fotografie, Installation und Zeichnung um, wobei sie insbesondere zentrale Erfahrungen im Übergang zu einer postkolonialen Welt beleuchtet und kritisch kommentiert.

Ihr thematischer Fokus reicht jedoch weit über die Realität Südafrikas hinaus und bezieht sich generell auf Erfahrungen von rassistischen, politischen oder sexistischen Diskriminierungen. In ihren neueren Werken steht dabei die Frage nach der Heilung von traumatischen Erfahrungen, seien sie persönlicher oder gemeinschaftlicher Natur, im Vordergrund.

Die Ausstellung im Kunstmuseum Bern verfolgt Roses Weg vom frühen Interesse an Identitätsfragen hin zur Ästhetik der Gewalt und einer Auseinandersetzung mit Heilungsprozessen und Ritualen. Sie zeigt Arbeiten aus den Jahren 1990 bis 2021. Darunter das Werk «T.K.O.» (Technical Knock-Out) (2000) aus der Sammlung des Kunstmuseum Bern, in der die Künstlerin seit 2001 vertreten ist.

«Die Ausstellung vermeidet eine chronologische oder thematische Lesart zugunsten der Anordnung als offene Landschaft, in welcher die einzelnen Elemente synchron und diagonal miteinander in Kontakt treten. Dabei wiederholen sich die tragenden Themen im Schaffen von Tracey Rose wie der Protest, die Satire, das Anti-Monument, die Utopie und die Beschäftigung mit Spiritualität.»

Kathleen Bühler, Kuratorin der Ausstellung

Die Welt neu denken

Tracey Rose lamentiert, prangert an, verzerrt und attackiert. Sie interpretiert tradierte Denkmuster und Traditionen neu, hinterfragt immer wieder festgesetzte kulturelle, geschlechtliche oder ethische Identitäten und öffnet so Raum für Diskussionen. Ihre Arbeiten produzieren Risse in der Oberfläche, und die Künstlerin geht dabei so weit, selbst mythische und religiöse Ursprungserzählungen auf absurde, anarchische und karnevaleske Weise neu zu denken.

So zum Beispiel in der Werkgruppe «Lucie’s Fur», in der die Künstlerin eine andere Version der Schöpfungsgeschichte entwirft: Sie zeigt uns Adam und Eva als queeres Paar oder die Vertreibung aus dem Paradies als leicht desorientierten Ritt einer hybriden Figur durch einen kanarischen Garten Eden. Mit dieser gewagten und amüsanten neuen Gewichtung öffnet Rose die Pandora-Büchse der Fragen: Was wäre, wenn es sich gemäss ihrer Darstellungsweise zugetragen hätte und wir auf dieser Grundlage unsere Kulturtheorien und Zivilisationsgeschichten entwickelt hätten?

Bild: Tracey Rose, A Dream Deferred (Mandela Balls), 16/95, MATTHEW 9:14 For the Boys of Bird Island, 2021. Verschiedene Materialien, 75 x 115,5 x 55cm - Courtesy of the artist

Bild: Tracey Rose, A Dream Deferred (Mandela Balls), 16/95, MATTHEW 9:14 For the Boys of Bird Island, 2021. Verschiedene Materialien, 75 x 115,5 x 55cm – Courtesy of the artist

«Mandela Balls»

Speziell für die aktuelle Ausstellung entstanden zehn neue Auftragsarbeiten, die Teil der fortlaufenden Serie der «Mandela Balls» sind. 1994 wurde der aus langjähriger Haft entlassene Nelson Mandela zum ersten demokratisch gewählten südafrikanischen Präsidenten. Roses Werk begleitet den politischen und sozialen Systemwechsel hin zu einer «Rainbow Nation» und erweist sich bis heute als revolutionär im Sinne eines analytischen Blickes, einer widerständigen Haltung und einer protestierenden Stimme. Basierend auf dem Gedicht «A Dream Deferred» von Langston Hughes baut die Künstlerin dem Freiheitskämpfer insgesamt 95 Denkmäler – eines für jedes Lebensjahr. Mit diesen fragilen und zum Teil skurrilen Objekten fragt sie nach dem Vermächtnis, das von seinem hoffnungsvollen Aufbruch übriggeblieben ist.

«Shooting Down Babylon»

Der Ausstellungstitel «Shooting Down Babylon» stammt von der gleichnamigen Installation, welche 2016 als Reaktion auf den Wahlsieg Donald Trumps entstand. Rose unterzog sich dabei Reinigungsritualen, die sie filmte und in einer physisch eindringlichen Videoskulptur wiedergibt. Als Auftakt der Ausstellung verdeutlicht dieses Werk, wie verwurzelt Tracey Roses Schaffen im Körperlichen, in der Wut und in der Suche nach Spiritualität ist.

café révolution

Das Kunstmuseum Bern möchte «über die Ausstellung hinaus über Diskriminierungen nachdenken und gemeinsam mit seinen Besucher:innen mehr darüber lernen», wie es schreibt. Das Berner Kollektiv café révolution werde im Rahmen von verschiedenen Veranstaltungen des Begleitprogramms «neue Sichtweisen und Erfahrungshintergründe einbringen».

Zur Ausstellung gibt es einen frei zugänglichen Digital Guide.

Die Ausstellung wurde von Zeitz MOCAA (Kapstadt, Südafrika) organisiert.

kmb

Kontakt:

https://www.kunstmuseumbern.ch/de/

#TraceyRose #ShootingDownBabylon #KunstmuseumBern #KathleenBühler #ZeitzMOCAA #CaféRévolution #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

Bild: Tracey Rose, in Zusammenarbeit mit L1, Portrait for a Young Black Man, 2013, Mischtechnik auf Papier, 240 x 210 cm (ganzes Werk), 59 x 42cm (einzelne Seiten) - Courtesy of the artist

Bild: Tracey Rose, in Zusammenarbeit mit L1, Portrait for a Young Black Man, 2013, Mischtechnik auf Papier, 240 x 210 cm (ganzes Werk), 59 x 42cm (einzelne Seiten) – Courtesy of the artist

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 20. Februar 2024
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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