10. September 2024
BERN: DIE ÖSTERREICHISCHE SCHRIFTSTELLERIN MARLENE STREERUWITZ IST DÜRRENMATT-GASTPROFESSORIN IM HERBSTSEMESTER 2024
Die österreichische Schriftstellerin Marlene Streeruwitz (Bild) lehrt im Herbstsemester 2024 an der Universität Bern. Im Rahmen der Friedrich-Dürrenmatt-Gastprofessur für Weltliteratur gibt sie ein wöchentliches Seminar zur Frage, «welche Rolle das Literarische in unserer Wirklichkeit spielt».

Bild: Marlene Streeruwitz, Friedrich-Dürrenmatt-Gastprofessorin für Weltliteratur an der Universität Bern im Herbstsemester 2024 – Foto: © S. Fischer Verlage – Foto: Mafalda Rakoš (Ausschnitt)
Im Herbstsemester 2024 unterrichtet Marlene Streeruwitz als Friedrich-Dürrenmatt-Gastprofessorin für Weltliteratur an der Universität Bern. Die österreichische Autorin wird am Walter-Benjamin-Kolleg der Philosophisch-historischen Fakultät eine Lehrveranstaltung geben und mit Studierenden und Doktorierenden zusammenarbeiten.
«Eine der profiliertesten Feministinnen der Gegenwartsliteratur»
«Marlene Streeruwitz ist eine der wichtigsten feministischen, politischen Stimmen der österreichischen Literatur», sagt Oliver Lubrich, Professor für Komparatistik an der Universität Bern und Initiator der Gastprofessur. Ihre Romane «Die Schmerzmacherin» (2014) und «Flammenwand» (2019) wurden für den Deutschen Buchpreis nominiert.
Die Schriftstellerin wuchs in der Nähe von Wien als einziges Mädchen in einer Familie mit vier Brüdern auf und lernte so, wie sie sagt, «in patriarchalen Strukturen zu leben». «Die Frage, wie sich männliche Machtverhältnisse auf Familien, auf Freundschaften, auf die Liebe und auf politische Beziehungen auswirken, motiviert immer wieder ihr Schreiben», erklärt Lubrich.
Pandemie, Krieg, Wahlkampf
In ihrer Literatur beschreibt Marlene Streeruwitz, wie gesellschaftliche Bedingungen die Menschen beeinflussen. Ihr Roman «Tage im Mai» (2023) eröffnet weibliche Perspektiven auf das Leben während des Corona-Lockdowns. Das «Handbuch gegen den Krieg» (2024) betrachtet militärische Auseinandersetzungen als das Gegenteil der Demokratie. Das «Handbuch für die Liebe» (2024) dagegen ist der Entwurf einer schöneren Welt. Mit Blick auf die österreichischen Wahlen am 29. September veröffentlicht Marlene Streeruwitz aktuell jede Woche ein Kapitel ihres «Wahlkampfromans 2024» (auf www.marlenestreeruwitz.at).
Literatur als Frage
Ihr Seminar in Bern wird Marlene Streeruwitz einer grundsätzlichen Frage widmen: Was ist Literatur? Oder noch grundsätzlicher: Was ist das Literarische? Hängt die Antwort von den Texten selbst ab? Von denen, die sie verfassen? Oder von denen, die sie lesen? Zählen Filme und Graphic Novels zu literarischen Kunstwerken? Wo taucht Literatur in unserem Alltag auf? Wo ist sie beispielsweise in Bern zu finden? Welche Texte werden kulturpolitisch gefördert?Und welche Rolle spielen dabei politische Anliegen, etwa feministische oder postkoloniale? Welche Funktion haben Institutionen des Literaturbetriebs wie der Buchhandel, Festivals oder Bildungseinrichtungen? Sind Parlamente und Gerichte literarische Orte? Wie literarisch ist unsere Umwelt?
Um diese Fragen zu beantworten, wird die Gastprofessorin mit ihren Studierenden Exkursionen zu lokalen Einrichtungen unternehmen – zum Beispiel ins ONO, ins Robert Walser Zentrum oder ins Schweizerische Literaturarchiv. So soll ein Austausch zwischen AkteurInnen des Literaturbetriebs und Studierenden angeregt werden.
Das Literarische neu denken
In das Seminar von Marlene Streeruwitz bringen die Teilnehmenden ausgewählte Texte mit, sei es einen Lieblingsroman oder einen Songtext, die mit den gängigen Mitteln der Literaturkritik untersucht werden. Dabei soll hinterfragt werden, hofft die Autorin, was wir an der Literatur für selbstverständlich halten – auch unsere eigenen Erwartungen, Leseerfahrungen und Leseweisen. «Das Literarische kann so im Seminar neu gedacht werden», sagt Lubrich. Und weiter sagt er: «Unsere Vorstellungen von Literatur sollen in Bern der Wirklichkeit ausgesetzt werden.»
Auftakt in der Burgerbibliothek
Die öffentliche Auftaktveranstaltung mit Marlene Streeruwitz findet am 7. Oktober 2024 um 18:30 Uhr im Hallersaal der Burgerbibliothek Bern statt.
ub
Kontakt:
https://www.wbkolleg.unibe.ch/MarleneStreeruwitz
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Kommentare von Daniel Leutenegger