Ausstellung im Atelier Righini Fries, Zürich, bis am 12. Juli 2025

Bild: Jacques Plancherel: Plakat «Die Woche», 1951 – Foto: Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, ZHdK

Bild: Jacques Plancherel: Affe. Piktogramm Zoo Zürich, 1959 – Foto: Museum für Gestaltung Zürich, Grafiksammlung, ZHdK
Sie lernten sich an der Kunstgewerbeschule in Zürich kennen, bildeten später ein erfolgreiches berufliches Zweigespann und blieben zeitlebens freundschaftlich verbunden: Die beiden Grafiker Beno Blumenstein (1924-2010) und Jacques Plancherel (1926–2011). Ein Grossauftrag zur Gestaltung zweier Sektoren für die Expo Lausanne 1964 liess die beiden Freunde eine Ateliergemeinschaft eingehen. 1968 gründeten sie eine gemeinsame Werbeagentur mit Sitz an der Klosbachstrasse 150 in Zürich. Mit der Gestaltung von Plakaten, Firmenauftritten, Logos und Büchern machten sie sich rasch einen Namen und prägten die Zürcher Grafikerszene der 1960er- und 1970er-Jahre.

Bild: Beno Blumenstein, Jacques Plancherel: Plakat «Photographie in der Schweiz 1840 bis heute». Kunsthaus Zürich, 1974 – Foto: Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, ZHdK
Von 1940–1944 besuchten Blumenstein und Plancherel die Grafikfachklasse von Ernst Keller (1891–1968). Keller bildete viele Generationen von Gestalterinnen und Gestaltern aus und gilt als einer der Wegbereiter der neuen Schweizer Grafik. Als «Schweizer Grafik» oder «Swiss Style» wird ein Stil bezeichnet, der sich durch eine klar strukturierte, formal reduzierte Gestaltung und eine hohe Lesbarkeit auszeichnet. Diese visuelle Sprache prägte auch die beiden Grafiker Blumenstein und Plancherel.

Bild: Beno Blumenstein: Blühende Kastanien, um 1942, Lithografie – Foto: Reto Pedrini © Stiftung Righini-Fries Zürich
Nach der Ausbildung fand Blumenstein eine erste Anstellung bei der Tabakwarenfabrik Eichenberger in Beinwil, später wurde er Werbeleiter der Edelschuhmarke Brevitt in London. 1950 lernte er die Malerin Hanny Fries (1918–2009) kennen. Sie wurde seine Lebensgefährtin. Ab 1952 führte Blumenstein ein eigenes grafisches Atelier in Zürich.
Plancherel arbeitete ab 1945 als Buchgestalter beim Otto Walter Verlag. Dort war er Mitbegründer der Zeitschrift «Die Woche» und prägte als Bildredaktor deren visuelles Erscheinungsbild. Mit der Herausgabe der Fotobuchreihe «J’aime…» setzte er neue Massstäbe in der Buchgestaltung. Von 1953 bis 1991 unterrichtete er mit grossem Engagement die Grafikfachklasse an der Kunstgewerbeschule Luzern.
Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit bei der Expo 64 in Lausanne legten die beiden Studienfreunde ihre Grafikbüros zusammen. 1968 eröffneten sie die Werbeagentur «B + P. Atelier für Grafik-Design, Werbung und Foto». Zu den Grosskunden zählten unter anderen die Brauerei Eichhof Luzern, die Autophon AG Solothurn, die Wirkwarenfabrik Vollmoeller Uster, das Hotel Storchen Zürich, das Modehaus Mr. X Alfred Zweidler und der Zoo Zürich. Für letzteren entwarf Plancherel schon seit 1959 die inzwischen ikonischen Piktogramme, die der Besucherleitung im Zoo dienten.
B + P arbeiteten auch als Plakatgestalter für Kulturinstitutionen wie das Kunsthaus Zürich. Besondere Beachtung fanden die Plakate, die sie 1974 für die Fotoausstellung «Photographie in der Schweiz von 1840 bis heute» gestalteten. Das Plakat mit dem Foto von Christian Staub, das einen vom Pferd springenden Artisten zeigt, wurde vom Eidgenössischen Departement des Innern als eines der besten Schweizer Plakate des Jahres 1975 ausgezeichnet.

Bild: Jacques Plancherel: Entwurf für Wandbild im Menschenaffenhaus Zoo Zürich, um 1981, Aquarell auf Papier – Foto: Reto Pedrini © Stiftung Righini-Fries Zürich
Die Ausstellung, kuratiert von Susanna Tschui und Guido Magnaguagno, gibt anhand verschiedener Gestaltungsaufträge erstmals Einblick in das Schaffen der beiden Grafiker: Mit Kunsthaus-Plakaten, Zoo-Piktogrammen, der Buchreihe «J’aime…», Werbefotografien oder Kunst-am-Bau-Projekten wird ein breites Spektrum ihrer Tätigkeit aufgefächert. Das Atelier Righini Fries würdigt damit zwei weniger bekannte Vertreter der «Schweizer Grafik» und rückt ihr Leben und Werk ins verdiente Licht.
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Kontakt:

Bild: Beno Blumenstein: Säntis Fahrt der Fachklasse Graphik, 1942, Farbholzschnitt – Foto: Reto Pedrini © Stiftung Righini-Fries Zürich
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Kommentare von Daniel Leutenegger