Die am 24. Januar 1929 in Baar geborene Schweizer Fotografin Margrit Baumann-Bäumlin ist gestorben, wie Bernhard Giger in den Berner Tamedia-Zeitungen schreibt. Der fotografische Nachlass der Pionierin Margrit und ihres Ehemanns Ernst Baumann (1928-2018) befindet sich im Staatsarchiv des Kantons Bern.

Bild: Margrit Baumann, Syrien 1955 – Foto: © Margrit und Ernst Baumann, Staatsarchiv des Kantons Bern
Margrit Baumann wollte zu den Menschen, die keine Stimme hatten
Die Bernerin war eine der ersten Pressefotografinnen der Schweiz. Ihre Sicht auf die Welt musste sie sich oft erkämpfen.
Bernhard Giger
https://www.derbund.ch/margrit-baumann-foto-pionierin-stirbt-mit-97-503009342503
Margrit Baumann, damals noch Margrit Bäumlin, schloss 1948 ihre Fotografenlehre bei Josef Räber in Zug und Stöckli in Winterthur ab. Sie besuchte auch die Fotoklasse bei Hans Finsler an der Kunstgewerbeschule Zürich.
Nach Abschluss der Ausbildung arbeitete Bäumlin 1948–1953 in Zürich und Bern bei der unabhängigen Pressebildagentur Illustrations- und Photopress AG (deren Archiv war seit 1981 im Besitz von Keystone; heute Keystone-SDA). Sie war eine der ersten Frauen in der Branche. 1951 bekam sie ihren ersten Auslandauftrag: eine Reportage über Donauschwaben, deutschstämmige Südosteuropäer, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat vertrieben wurden und via Genua nach Brasilien auswanderten.
Nach ihrer Kündigung 1953 realisierte sie Reportagen als freie Fotografin. Sie interessierte sich für das Leben an den Rändern der Schweizer Gesellschaft: Bergbauern, das Kinderdorf Pestalozzi, ein Berner Frauenheim und die Anstalt Hindelbank. Ihre Bilder wurden in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften abgedruckt. «Würfelnatter schnappt Forelle» (1952) wurde 1954 im «Life»-Magazin zum Bild des Monats erkürt.
Ab 1953 arbeitete sie mit Ernst Baumann (1928–2018) zusammen. Zwei Jahre später heiratete sie ihn und nahm seinen Namen an. Sie wohnten in Liebefeld. Gemeinsam realisierten sie Reportagen in Italien, Jugoslawien, Griechenland, Türkei und Syrien. Mit einem zum Arbeits- und Wohnmobil umgebauten VW-Bus bereisten sie von 1957 bis 1959 Lateinamerika entlang der Panamericana. Unterwegs fotografierten und schrieben sie 200 Reportagen – zwei Reportagen pro Woche. Diese erschienen unter anderem in der «Sie und Er», im «Stern», in der «NZZ», im «Gelben Heft» oder im Magazin «Wir Brückenbauer».
Ihre Bilder zeugen von klarer Beobachtung und respektvoller Distanz, geprägt durch die Finsler-Schule. Die Baumanns wollten eine vorgefundene Realität erfassen, keinen subjektiven Blick darauf zeigen.
Als wegen des Aufkommens des Fernsehens Auslandsreportagen immer weniger gefragt waren, waren Margrit und Ernst Baumann ab 1960 wieder in der Schweiz tätig. Margrit Baumanns Porträt von Meret Oppenheim im Atelier, wenige Jahre vor deren Tode aufgenommen, ist im Bestand der Bernischen Stiftung für Fotografie, Film und Video (Kunstmuseum Bern). Ab 1983 arbeitete sie mit den Journalistinnen Maja Spiess und Marie-Louise Zimmermann zusammen. Im selben Jahr wurde sie Mitglied des Schweizerischen Berufsfotografen Verbands (SBf).
Der fotografische Nachlass von Ernst und Margrit Baumann befindet sich im Staatsarchiv des Kantons Bern.
https://de.wikipedia.org/wiki/Margrit_Baumann
(am 09.07.2026 von ch-cultura.ch leicht redigiert)
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de

Bild: Margrit und Ernst Baumann auf ihrer Reise entlang der Panamericana, 1957–1959, Kolumbien, 1958. © Margrit und Ernst Baumann
Margrit & Ernst Baumann. Die Welt sehen – Fotoreportagen 1945–2000
Ob Farbporträts von Che Guevara oder eine Reportage über die letzten Kopfjäger im ecuadorianischen Urwald: Das Fotografenpaar Margrit und Ernst Baumann bereiste die Welt und publizierte seine Fotografien in Zeitschriften und Zeitungen wie Stern, Berner Tagblatt, Neue Zürcher Zeitung oder Das gelbe Heft.
Ein Schwerpunkt ihres Lebenswerks – und dieser reich bebilderten Doppelmonografie – ist ihre Reise entlang der Panamericana. 1957–1959 entstanden Dutzende von Reportagen, zahlreiche Porträts und Landschaftsbilder sowie der wohl erste Farbfilm über den legendären Verkehrsweg.
Das Buch präsentiert Funde aus ihrem Fotoarchiv – viele Bilder erstmals im Originalausschnitt – sowie Faksimileabdrucke von Zeitschriften. Ein biografischer Essay des Historikers und Schriftstellers Wilfried Meichtry, ein Beitrag des Fotohistorikers Markus Schürpf, Texte zu den Bildern von Nadine Olonetzky sowie eine DVD mit dem Film und einem Interview geben Einblick in Leben und Werk des Fotografenpaars. Ein Beitrag zur Schweizer Foto- und Pressegeschichte. Das Buch erschien zu einer Ausstellung im Kornhausforum, Bern.
2010
https://www.scheidegger-spiess.ch/produkt/margrit-und-ernst-baumann-die-welt-sehen/366
Mehr:
https://foto-ch.ch/persons/detail/1025
https://fotostiftung.zetcom.net/de/artists/artist/1988
https://visual.keystone-sda.ch/result/-/result/open?_ch_keystone_liferay_result_portlet_
https://www.derbund.ch/ins-abenteuer-fuer-das-perfekte-bild-814953960072
https://ead.nb.admin.ch/html/oppenheim_0.html
https://www.query.sta.be.ch/detail.aspx?ID=488354
http://ls-archiv.ch/suche.lichtspiel/film_detail.aspx?searchObject=Film&detailID=249470
https://www.scheidegger-spiess.ch/produkt/margrit-und-ernst-baumann-die-welt-sehen/366

Bild: Margrit Baumann, Meret Oppenheim in ihrem Atelier, 1982, Fotografie, Barytabzug, selengetont 18,4 × 27,7 cm, Kunstmuseum Bern, Bernische Stiftung für Foto, Film und Video – © Margrit Baumann – https://ch-cultura.ch/museum-ausstellung-galerie/meret-oppenheim-mon-exposition/
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Kommentare von Daniel Leutenegger