13. Dezember 2025
«SOLO TEO PETRUZZI»
Ausstellung im Kunstmuseum Luzern, bis am 8. Februar 2026

Bild: Teo Petruzzi, Der sichere Hafen, 2025, Filmstill, Videoinstallation, 4-Kanal-Ton, Courtesy of the artist
Die Kunstgesellschaft Luzern hat im vergangenen Jahr die Arbeit von Teo Petruzzi (*1994) mit dem Ausstellungspreis «Solo» ausgezeichnet.
Petruzzi arbeitet in den Bereichen Video-, Installations- und Performancekunst. Petruzzis Werk untersucht gesellschaftliche Normen und Systeme. Im Mittelpunkt von Petruzzis erster institutioneller Einzelausstellung steht die Videoinstallation «Der sichere Hafen», die sich auf humoristisch-kritische Weise mit der Schweizerischen Nationalbank auseinandersetzt. Die Schweizerische Nationalbank ist als Institution allen bekannt und doch verstehen sie die wenigsten. Dicke Mauern schützen vor neugierigen Blicken und nur ein kleiner Kreis hat Zutritt. Das schweizerische Staatsvermögen und ein enormes ökonomisches Wissen werden dort bewahrt.
Zum einen soll die Arbeit von Petruzzi die Mechanismen der Schweizerischen Nationalbank erläutern und ihre fragwürdigen Investitionen aufzeigen und zum anderen ihre Resistenz gegenüber Reformen durchleuchten. Um diesen Zugang zu schaffen, nutzt Petruzzi bewusst eine sonderliche Erzählperspektive: eine WC-Schüssel in der Herrentoilette der Schweizerischen Nationalbank.
Die raumgreifende Videoinstallation gewährt dem Publikum Einblick in eine WC-Kabine. In Form eines Monologs erzählt die WC-Schüssel trotz ihrer Verpflichtung zur Verschwiegenheit von kleinen und grossen Geschäften beziehungsweise von der «sauberen, diskreten und effizienten Liquidierung von Emissionen». Sie gibt intime Einsichten in die Innenwelt der Nationalban preis und verteidigt die Werte der kapitalistischen Marktwirtschaft. Nebenbei werden so die hegemonialen Strukturen und die Verschwiegenheit des Bankensystems hinterfragt.
Für das Skript arbeitete Petruzzi eng mit dem Ökonomen und Wirtschaftsjournalisten Fabio Canetg und dem Komiker Johannes Dullin zusammen, welcher der WC-Schüssel zudem seine Stimme leiht. Das Pissoir wird von Azur Gosteli eingesprochen.
Die Toilette zieht sich als künstlerisches Motiv durch die Kunstgeschichte: Marcel Duchamps umgedrehtes Pissoir Fountain (1917) gilt als Ikone der «Anti-Kunst» und wurde 1991 von Sherrie Levine als Fountain (Buddha) in Bronze neu interpretiert. Auch Maurizio Cattelans öffentlich zugängliche und aus 18-karätigem Gold geschaffene WC-Schüssel America (2016), Luis Buñuels Film Le Fantôme de la liberté (1974) und Alexey Gerasimovs satirische YouTube-Reihe Skibidi Toilet (seit 2023) nutzen die Toilette (oder das Pissoir) als Ausgangspunkt für gesellschafts- und kulturkritische Auseinandersetzungen.
Die Toilette in «Der sichere Hafen» kann auch sinnbildlich für die Schweiz verstanden werden. Petruzzi zeigt mit der Arbeit die Missstände in einem Land auf, das unter dem Deckmantel der «Neutralität» einem stillen, geheimen und verschwiegenen Dienst nachgeht ‒ das dreckige Geschäft der Welt diskret zu entsorgen.
Ergänzend zum Werk «Der sichere Hafen» erscheint im Rahmen der Ausstellung «Solo» die Edition «Pocket Change», bestehend aus bedruckten Legosteinen, deren Design sich an den aktuellen schweizerischen Banknoten orientiert. Die Edition kann während der Ausstellung im Museumsshop erworben werden.
Kuratiert von Milena von Schulthess
kml
Kontakt:
https://www.kunstmuseumluzern.ch/ausstellungen/solo-teo-petruzzi/

Bild: Teo Petruzzi, Suisseminiature No 84: Schweizerische Nationalbank, Bern, 2024, Lego-Steine, 45.1 × 33 × 29.4 cm, Courtesy of the Artist
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Kommentare von Daniel Leutenegger