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4. Februar 2026

«PASSAGE DU COMMERCE»

Ausstellung in der Kunsthalle Winterthur, bis am 1. März 2026

Passage du Commerce, Kunsthalle Winterthur, 2025. Foto: Cedric Mussano

Bild: «Passage du Commerce», Kunsthalle Winterthur, 2025 / 2026 – Foto: © Cedric Mussano

Das Waaghaus Winterthur in einem Gemälde von Jakob Ziegler-Sulzberger aus dem Jahr 1867. Foto: Sammlung der Winterthurer Bibliotheken, https://my.winbib.ch/#/

Bild: Das Waaghaus Winterthur in einem Gemälde von Jakob Ziegler-Sulzberger aus dem Jahr 1867 – Foto: Sammlung der Winterthurer Bibliotheken, https://my.winbib.ch/#/

Mit

Merry Alpern, Louis Backhouse, Thilda Bourqui, Edward Dean / Matthew Linde, Solomon Garçon, Adrien Genty, Arthur Gillet, The Guy Bourdin Estate, Ellen Poppy Hill, Niels Hung, Irini Karayannopoulou, Ferdinand Kalfoss, Leander Kreissl, Jesaja Kroessin, Sveta Mordovskaya, Nation, Josip Novosel, Janosch Schaffner, Karmel Spanier, Jordi Theler, Leevi Toija, Women’s History Museum, Perla Zuñiga (u.a.) & Fotos aus dem Bildarchiv Winterthur

Das Winterthurer Waaghaus, in dem sich die Kunsthalle Winterthur befindet, wurde 1503 errichtet. Es spielte eine zentrale Rolle und steht beispielhaft für den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt, der letztlich entscheidend zur Entwicklung Winterthurs als Schweizer Kulturstadt beitrug. Die vier prägenden Arkaden an der Fassade des Gebäudes bildeten die Einfahrten, durch die Wagen in eine offene Halle gelangten, in der Waren geprüft und Zölle erhoben wurden. In den oberen Stockwerken des Waaghauses fanden sich Festsäle für Bankette, Tanz und Theateraufführungen.

Die Marktgasse, in der das Waaghaus heute zwischen einem Magic X Sexshop und einer Müller Drogerie eingebettet liegt, war ursprünglich eine wichtige Handelsroute. Später entwickelte sie sich zum Hauptmarktplatz der Stadt, an dem sich Kaufmannshäuser, Werkstätten und Gasthöfe ansiedelten, die sowohl Reisende als auch lokale Handwerker versorgten.


Mit der Einführung der Eisenbahn in Winterthur im Jahr 1855 wurde das Waaghaus in seiner bisherigen Funktion überflüssig, und das Erdgeschoss diente fortan als Wärmestube, als Lager für Feuerwehrausrüstung und als Bibliothek. Im obersten Stockwerk wurden die Säle umgebaut, um dem Kunstverein Winterthur seinen ersten Standort zu bieten, bevor dieser 1915 in sein heutiges Gebäude – das Kunst Museum Winterthur / Beim Stadthaus – umzog.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich auch die Ladenarchitektur in der Marktgasse: Eines der ersten Kaufhäuser des Landes, das Rothaus, wurde 1907 errichtet, dessen Schaufenster später Künstler wie Bendicht Fivian gestalteten. Das Eisenwarengeschäft Hasler + Co AG wurde 1933 im Stil des Neuen Bauens fertiggestellt. Erst 1970 wurden die Galerien im obersten Stockwerk des Waaghauses, die seither die Kunsthalle Winterthur beherbergen, wieder genutzt.

Passage du Commerce, Kunsthalle Winterthur, 2025. Foto: Cedric Mussano

Bild: «Passage du Commerce», Kunsthalle Winterthur, 2025 / 2026 – Foto: Cedric Mussano

Dies ist die Szene für «Passage du Commerce»: Es ist die bekannte Geschichte einer Einkaufsstrasse, die sich aus ihrer kaufmännischen Vergangenheit zu einem heutigen Zentrum des Kommerzes gewandelt hat. «Passage du Commerce» bezieht sich auf das gleichnamige Gemälde von Balthus aus den Jahren 1952–54, in dem eine Einkaufsstrasse in eine traumähnliche Bühne verwandelt wird. Die Figuren, die sie beleben, scheinen in Gedanken versunken. Zwischen ihnen findet kein Austausch statt. Als Charaktere in einem Stück würden sie als solche ohne Hintergrundgeschichten beschrieben. Sie könnten austauschbar sein und wirken wie in der Schwebe, als würden Darsteller:innen posieren. Sie bevölkern die Strasse und sind doch von ihrer Umgebung abgekoppelt, verhaftet im Akt des Kaufens.

In dieser Absurdität liegt ein Genuss, in einer Atmosphäre von Verführung wie auch von Verstörung. Es ist ein Bild der Entfremdung, symbolisch für die Verwandlung der Einkaufsstrasse von einem Ort des lebhaften Handels zu einem der Stagnation. Es ist nicht so, als ob die Strasse – wie einst prognostiziert – den Warenhäusern gewichen wäre; vielmehr ist sie selbst zu einem geworden.


Die Ausstellung zeigt Werke von Künstler:innen, die die Einkaufsstrasse als Ort historischer Widersprüche beleuchten: einerseits als lebendigen Treffpunkt und sozialen Raum des urbanen Lebens; andererseits als Spiegel einer Konsumkultur, die durch sich wiederholende Markenstrategien zunehmend standardisiert wird.

Die Werke bevölkern den Raum und bilden Fenster in verschiedene Szenen, wie Einblicke in verschiedene Städte. Viele nutzen Wiederholung als Methode der Abstraktion und Entfremdung, um das Absurde hervorzuheben, das im Aufeinandertreffen von verschiedenen Zeiten und Ästhetiken in der Einkaufsstrasse entsteht. In ihren losgelösten und mitunter unlogischen Zugängen ahmen sie die Collage der Konsumkultur und ihre fantastische Darstellung von Persönlichkeit nach.

Leevi Toija, untitled (gestures), 2025, in Passage du Commerce, Kunsthalle Winterthur, 2025. Foto: Cedric Mussano

Bild: Leevi Toija, untitled (gestures), 2025, in «Passage du Commerce», Kunsthalle Winterthur, 2025 / 2026 – Foto: Cedric Mussano

Die von Sven Gex kuratierte Ausstellung findet im dritten Raum der Kunsthalle Winterthur statt, der üblicherweise als Bibliothek, Büro und Veranstaltungsraum dient.

Im Jahr 2026 wird die Kunsthalle Winterthur von April bis Dezember renoviert. Die Ausstellung antizipiert diese Bewegung aus dem Gebäude, kehrt die Situation um, und holt das Aussen nach innen.

khw

Kontakt:

https://kunsthallewinterthur.ch/passageducommerce

#KunsthalleWinterthur #PassageduCommerce #WaaghausWinterthur #SvenGex #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 4. Februar 2026
  • Bildende Kunst, Fotografie, Grafik, Architektur, Design, Kulturförderung, Kulturvermittlung, Kultur- und Medienpolitik, Museum, Ausstellung, Galerie

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