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25. April 2026

«HELEN FRANKENTHALER»

Ausstellung im Kunstmuseum Basel | Neubau, bis am 23. August 2026

Helen Frankenthaler in ihrem Studio 1978 fotografiert von © Lynn Gilbert - Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en - Datei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:%C2%A9lynngilbert_Helen_Frankenthaler_1978.jpg

Bild: Helen Frankenthaler in ihrem Studio, 1978 fotografiert von © Lynn Gilbert – Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en – Datei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:%C2%A9lynngilbert_Helen_Frankenthaler_1978.jpg

Mehr als fünfzig Werke aus sechs Jahrzehnten geben in der Sonderausstellung «Helen Frankenthaler» im Kunstmuseum Basel einen eindrucksvollen Einblick in das Schaffen einer der wichtigsten Künstlerinnen der US-amerikanischen Abstraktion. Frankenthalers farbintensive, meist grossformatige Gemälde lassen die Ausstellungsräume erstrahlen und ziehen die Besuchenden in ihren Bann. Bei der umfassenden Werkschau handelt es sich um die bislang grösste Ausstellung ihrer Malerei in Europa und ihre erste institutionelle Einzelausstellung in der Schweiz .

Als wegweisende Künstlerin des abstrakten Expressionismus nimmt Helen Frankenthaler (1928–2011) eine zentrale Stellung in der US-amerikanischen Nachkriegskunst ein. Mit ihrer Soak-Stain-Technik revolutionierte sie die abstrakte Malerei und gab den entscheidenden Impuls für die Entwicklung der Farbfeldmalerei ab Mitte der 1950er-Jahre in den USA.

Ein besonderer Fokus der Ausstellung im Kunstmuseum Basel liegt auf ihrer intensiven und das gesamte Œuvre durchziehenden Auseinandersetzung mit kunsthistorischen Vorbildern vom 15. bis 20. Jahrhundert, von denen einige erstmals neben den Werken der Künstlerin gezeigt werden. Diese Gegenüberstellung erweitert das Verständnis für die abstrakten Bilder Frankenthalers.

Im Alter von nur 23 Jahren veränderte Frankenthaler mit ihrer innovativen Soak-Stain-Technik die moderne Malerei: Mit verdünnter Farbe schuf sie auf ungrundierter Leinwand, die sie auf dem Boden auslegte, Kompositionen von enormer Leuchtkraft – oft in grossem oder sogar monumentalem Format. Sie bearbeitete die Farbe von allen Seiten mit Schwämmen, Schabern, Haushaltsbürsten und anderen Werkzeugen. So erreichte sie, dass die Leinwand die Pigmente aufsog, was besondere Effekte bewirkte, weil Stoff und Farbe eins wurden.

Obwohl Frankenthaler dem Zufall im Malprozess viel Raum liess, bewahrte sie ein ausgeprägtes Bewusstsein für Balance und Struktur. Ihre Werke bestechen durch einen lyrischen Umgang mit Farbe und mutige kompositorische Entscheidungen.

2024 fand Frankenthalers beeindruckendes Gemälde Riverhead (1963) Eingang in die Sammlung des Basler Kunstmuseums. Durch das grosszügige Geschenk der Helen Frankenthaler Foundation konnte eine wesentliche Lücke in der Sammlung US- amerikanischer Kunst geschlossen werden. Zugleich gab es dem Museum den Impuls, diese umfassende Ausstellung zu entwickeln.

(v.l.) Lee Krasner, Clement Greenberg, Helen Frankenthaler und Jackson Pollock im Jazzclub Eddie Condon's, New York, Januar 1951 - Creditline: Helen Frankenthaler Foundation Archives, New York. Photographer unknown

Bild: (v.l.) Lee Krasner, Clement Greenberg, Helen Frankenthaler und Jackson Pollock im Jazzclub Eddie Condon’s, New York, Januar 1951 – Creditline: Helen Frankenthaler Foundation Archives, New York. Photographer unknown

Biografischer Hintergrund und Einflüsse

Frankenthaler wuchs in einer gebildeten und wohlhabenden jüdischen Familie in New York auf. Sie wurde in ihrem Selbstbewusstsein und ihrem Vorhaben, Künstlerin zu werden, früh bestärkt. Am progressiven Bennington College in Vermont erhielt sie eine Ausbildung als Malerin. Während des Studiums setzte sie sich aktiv mit kubistischer Komposition auseinander und lernte genaue Bildanalysen. Wichtige Inspiration auf der Suche nach ihrer eigenen abstrakten Malweise fand sie vor allem bei Henri Matisse, Wassily Kandinsky und Joan Miró, aber auch bei jüngeren Künstlern wie Arshile Gorky und Willem de Kooning.

Mit Anfang zwanzig arbeitete Frankenthaler bereits selbständig in einem eigenen Atelier in Manhattan. Sie schloss bald Bekanntschaft mit dem einflussreichen Kunstkritiker Clement Greenberg und Künstler:innen der ersten Generation des abstrakten Expressionismus, darunter Lee Krasner, Barnett Newman, Jackson Pollock und ihr späterer Ehemann Robert Motherwell. Besonders die Begegnung mit Pollock und dessen Bearbeitung der liegenden Leinwand beeindruckte sie tief und gab den ausschlaggebenden Impuls, ihre revolutionäre Soak-Stain-Technik zu entwickeln.

Im Jahr 1951 war Frankenthaler Teil der bahnbrechenden Gruppenausstellung 9th St. Exhibition of Paintings and Sculpture in New York, und die Tibor de Nagy Gallery in New York richtete die erste Einzelausstellung der Künstlerin aus. Von diesem Zeitpunkt an war sie regelmässig in Gruppen- und Einzelausstellungen vertreten – zunächst in den USA, ab 1959 auch international. Besondere Höhepunkte waren die Retrospektiven 1960 im Jewish Museum in New York und 1969 im Whitney Museum of American Art in New York, die anschliessend durch Europa tourte. 1989 erschien die erste Monografie des Kunsthistorikers John Elderfield über ihr Werk, und im gleichen Jahr fand eine Gemälderetrospektive im Museum of Modern Art in Fort Worth, Texas, statt.

In den 1990er-Jahren verlagerte sich Frankenthalers Lebens- und Arbeitsmittelpunkt zunehmend von der Metropole New York an die Küste von Connecticut, zunächst nach Shippan Point, Stamford, und später auf Contentment Island, Darien. Sie arbeitete in dieser Zeit vornehmlich auf Papier und war weiterhin in Ausstellungen in wichtigen Institutionen vertreten. Im Alter von 83 Jahren verstarb sie 2011 in Darien, Connecticut.

Frankenthaler entwickelte ihre Malerei während ihrer langen Karriere permanent weiter, kam dennoch immer wieder auf die Soak-Stain-Technik zurück. Neben einzigartigen Gemälden auf Leinwand und Papier schuf sie insbesondere auch Druckgrafiken.

Die Ausstellung «Helen Frankenthaler» im Kunstmuseum Basel wird ermöglicht durch die Helen Frankenthaler Foundation, die 37 Werke der Künstlerin zur Verfügung gestellt hat. Weitere Werke stammen aus den Beständen bedeutender europäischer und US-amerikanischer Museen und Privatsammlungen wie der ASOM Collection, Vaduz, dem Brooklyn Museum, New York, der Phillips Collection, Washington, D.C., dem MAMCO Musée d’art moderne et contemporain, Genf, der Merzbacher Kunststiftung, Zürich, dem Museo Reina Sofía, Madrid, dem mumok, Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, dem Museum Reinhard Ernst, Wiesbaden, dem Stedelijk Museum, Amsterdam und dem Whitney Museum of American Art, New York. Ein Audioguide der soundgarden audioguidance GmbH führt durch die Ausstellung. Die Szenografie wurde von Groenlandbasel umgesetzt.

Kuratorin: Anita Haldemann

Publikation

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Beiträgen von Anita Haldemann und Karen Wilkin sowie einer reich bebilderten Biografie von Amanda Kopp-Kempinski. Er gibt Einblicke in Frankenthalers Schaffen und Leben, ihre Reisen und ihre künstlerischen Inspirationen und enthält eine Auswahl grossformatiger Abbildungen, denen teilweise die kunsthistorischen Vorbilder gegenübergestellt sind. Herausgegeben von Anita Haldemann und dem Kunstmuseum Basel im Deutschen Kunstverlag, 96 Seiten; ISBN 978-3-422-80385-5

Kontakt:

https://kunstmuseumbasel.ch/de/ausstellungen/2026/helen-frankenthaler

Bilder von Werken von Helen Frankenthaler

Leider verfügt ch-cultura.ch nicht über die finanziellen Mittel, um die für die Publikation anfallenden Urheberinnenrechts-Abgaben (ProLitteris) zu bezahlen. Kostenlos können Werke von Helen Frankenthaler u.a. hier betrachtet werden:

https://www.frankenthalerfoundation.org/artworks/paintings

https://www.frankenthalerfoundation.org/artworks/works-on-paper

https://www.frankenthalerfoundation.org/artworks/prints

https://www.metmuseum.org/de/art/collection/search?q=Helen+Frankenthaler&searchField=ArtistCulture

https://www.moma.org/magazine/articles/1385

Videos:

Helen Frankenthaler und der abstrakte Expressionismus – Ausstellung in Wiesbaden | hessenschau, 2025

«Helen Frankenthaler. Move and Make» im Museum Reinhard Ernst, 2025

Helen Frankenthaler in her studio, 1967 | From the Vaults | The Met

Malen ohne Regeln – Helen Frankenthaler

Fernsehen SRF 1, «Sternstunde Kunst», 19.04.2026, 53 Min

https://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-kunst/video/malen-ohne-regeln—helen-frankenthaler?urn=urn:srf:video:cf376ca1-f3cb-4240-b0cb-df8ff6f125c7

#HelenFrankenthaler #HelenFrankenthalerFoundation #KunstmuseumBasel #AnitaHaldemann #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 25. April 2026
  • Bildende Kunst, Fotografie, Grafik, Architektur, Design, Museum, Ausstellung, Galerie

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